Proteste nach Burka-Kontrolle

Nachdem eine vollverschleierte Muslimin bei Paris von der Polizei kontrolliert wurde, kam es in der Nacht zu Ausschreitungen. In einem Vorort warfen Jugendliche Steine und zündeten Mülleimer an.

Flammen vor dem Polizeirevier: Strassenszene in Trappes. (19. Juli 2013)

Flammen vor dem Polizeirevier: Strassenszene in Trappes. (19. Juli 2013) Bild: Screenshot 1Télé

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Die Kontrolle einer voll verschleierten Frau in einem Vorort von Paris hat zu wütenden Protesten geführt. Das Polizeirevier in Trappes sei am Freitagabend von Jugendlichen «belagert» worden, sagte der Präfekt des Départements Yvelines, Erard Corbin de Mangoux. Die Demonstranten hätten Steine gegen das Gebäude und in Richtung der Beamten geworfen. Zudem seien Mülleimer angezündet und Buswartehäuschen zerstört worden.

Der Ehemann einer komplett verschleierten Muslima hatte sich am Donnerstag gegen die Kontrolle seiner Frau durch die Polizei zur Wehr gesetzt. Laut Staatsanwaltschaft ging er dabei auf einen der Beamten los und versuchte, ihn zu erwürgen. Er muss sich nun vor Gericht verantworten. Das Bündnis gegen Islamophobie in Frankreich (CCIF) zweifelte den Tathergang an. Laut einer Zeugenaussage habe sich der Mann gegen eine Provokation der Polizisten gewehrt.

Nicht der erste Vorfall

Ein 14-Jähriger sei bei den Zusammenstössen vom Freitagabend schwer am Auge verletzt worden, erklärte der zuständige Staatsanwalt Vincent Lesclous. Zeugen zufolge wurde er von einem Hartgummigeschoss der Polizei getroffen. Interne Ermittlungen sollen diese Vorwürfe klären. Laut Staatsanwaltschaft waren 250 Jugendliche an den Ausschreitungen beteiligt. Sechs von ihnen seien festgenommen worden.

Innenminister Manuel Valls kündigte an, die Sicherheitsvorkehrungen in Trappes zu verstärken. Die öffentliche Ordnung werde wieder hergestellt. «Nichts rechtfertigt eine solche Gewalt, das ist inakzeptabel», sagte er. In Frankreich ist die Verschleierung des Gesichts in der Öffentlichkeit seit April 2011 verboten. Seitdem kam es bereits mehrfach zu Zwischenfällen bei Kontrollen.

(AFP)

Erstellt: 20.07.2013, 18:59 Uhr

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