Pussy-Riot-Mitglied muss in Lagerhaft bleiben

Nadeschda Tolokonnikowa, Sängerin der Punkband, wird nicht frühzeitig aus der Haft entlassen. Der Antrag ihrer Verteidigung wurde abgewiesen, weil sie keine Reue zeige und im Gefängnis gegen Regeln verstossen habe.

Ihre kleine Tochter muss noch einmal eineinhalb Jahre auf die Mutter warten: Nadeschda Tolokonnikowa. (26. April 2013)

Ihre kleine Tochter muss noch einmal eineinhalb Jahre auf die Mutter warten: Nadeschda Tolokonnikowa. (26. April 2013) Bild: Keystone

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Ein russisches Gericht hat die vorzeitige Haftentlassung eines Mitglieds der Frauen-Punk-Band Pussy Riot heute abgelehnt. «Eine vorzeitige Entlassung aus dem Gefängnis wäre verfrüht», sagte Richterin Lidia Jakowlewa bei der Anhörung zum Fall Nadeschda Tolokonnikowas in Subowo-Poljanski in der russischen Republik Mordwinien. Die 23 Jahre alte Wortführerin der Punk-Band hatte ihren Antrag damit begründet, dass sechs Monate Lagerhaft als Strafe ausreichend seien.

Jakowlewa monierte jedoch, dass Tolokonnikowa keine Reue gezeigt, dafür aber im Gefängnis gegen Regeln verstossen habe. Im Übrigen seien die Argumente der Verteidigung «wenig überzeugend» gewesen. Bei der Verkündung des Urteils schallten «Schande!»-Rufe durch den Gerichtssaal, in dem Tolokonnikowas Vater und Ehemann sassen. Die Inhaftierte selbst verfolgte die Verhandlung schweigend aus einem Metallkäfig heraus.

Tolokonnikowas Anwältin hatte darauf verwiesen, dass ihre Mandantin eine Familie und ein kleines Kind habe. Die laut Gesetz mögliche Entlassung unter Auflagen nach Verbüssen der Hälfte der Haftstrafe sei zum Wohl des Kindes unerlässlich. Ausserdem verlas die Verteidigung ein Plädoyer zugunsten Tolokonnikowas, das unter anderen die ehemalige sowjetische Dissidentin Ljudmilla Alexejewa und der Vorsitzende der Nichtregierungsorganisation Memorial, Oleg Orlow, unterzeichnet hatten. Gegen die Ablehnung des Antrags legte die Verteidigung umgehend Einspruch ein.

Klage weitergezogen

Tolokonnikowa war vergangenen August zusammen mit ihrer Bandkollegin Maria Alechina wegen einer kritischen Aktion gegen den heutigen Präsidenten Wladimir Putin in der Moskauer Christ-Erlöser-Kathedrale zu zwei Jahren Lagerhaft verurteilt worden. Einen Berufungsantrag der beiden Frauen hatte ein Moskauer Gericht im März abgewiesen. Das dritte Bandmitglied Jekaterina Samuzewitsch war ebenfalls zu einer Haftstrafe verurteilt worden, die später aber zur Bewährung ausgesetzt wurde. Tolokonnikowa und Alechina klagen weiterhin vor dem Europäischen Gerichtshof für Menschenrechte in Strassburg gegen ihre Haftbedingungen.

Die russische Gesellschaft ist über Pussy Riot und ihre Aktionen tief gespalten. Die Punk-Band wurde zum Symbol des Protests gegen die Regierung von Präsident Putin, dem sowohl die Opposition als auch andere Staaten und internationale Menschenrechtsorganisationen eine systematische Einschränkung der Bürgerfreiheiten vorwerfen. (rbi/AFP)

Erstellt: 26.04.2013, 21:57 Uhr

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