Putin droht Europa mit teurem Gas

Dem russischen Premier Wladimir Putin platzte gestern der Kragen: Sollten die Europäer weiterhin die geplante Gaspipeline durch die Ostsee kritisieren, will Russland diese nicht bauen.

Hahn auf!: Europa ist auf russisches Gas angewiesen.

Hahn auf!: Europa ist auf russisches Gas angewiesen. Bild: Keystone

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An einer Pressekonferenz in Helsinki, die er nach einem Gespräch mit dem finnischen Premier Matti Vanhanen gab, konnte sich Putin nicht mehr halten. Auf Fragen von Journalisten nach der geplanten russischen Gaspipeline Nord Stream in der Ostsee reagierte er schroff. «Was haben wir nicht bereits alles im Zusammenhang mit der Ökologie abgeklärt: die Schifffahrt, die Vögel, die Pipeline am Meeresgrund, Blindgänger aus dem Zweiten Weltkrieg.» Die russische Zeitung «Kommersant» bringt es auf den Punkt: «Wladimir Putin konnte sich nicht zügeln».

Putins Lieblingsprojekt

Darauf liess es sich Putin nicht nehmen, Europa einmal mehr zu drohen: «Wenn die Europäer die Gaspipeline nicht brauchen, werden wir uns vom Projekt zurückziehen», sagt er und präsentierte sogleich die Alternative: Teureres verflüssigtes Gas, das via Tanker an Europa geliefert werde. Kein Wunder, dass Putin so entnervt war: Nord Stream ist eines seiner Lieblingsprojekte. Er rief es noch als russischer Präsident zusammen mit dem damaligen deutschen Bundeskanzler Gerhard Schröder ins Leben.

Bei Nord Stream, die ihren Sitz im Zug hat, will man die politischen Dimensionen nicht kommentieren und hält an der Pipeline fest. Sprecher Jens Müller sagt auf Anfrage von Tagesanzeiger.ch/Newsnet einzig: «Das Projekt läuft und wird umgesetzt».

Europa abhängig von russischem Gas

Europa muss Putins Aussetzer wohl oder übel ernst nehmen, denn der Kontinent ist abhängig von Russland, das zurzeit etwa ein Drittel des benötigten Gases liefert – und auf den weltweit grössten Gas-Reserven sitzt. Diese Abhängigkeit wird sich in Zukunft noch verschärfen: Experten glauben, dass der Gas-Verbrauch bis 2020 um fast ein Drittel steigen wird. Die europäischen Gasförderer – Deutschland, Norwegen und die Niederlande – werden gleichzeitig immer weniger Gas liefern können.

Die neue Gaspipeline Nord Stream ist für Europa umso wichtiger, weil heute 80 Prozent des benötigten Erdgases durch die Ukraine geliefert wird. Das Verhältnis zwischen Russland und der Ukraine ist jedoch alles andere als gut: So hatte der russische Energiekonzern Gasprom der Ukraine im März dieses Jahres und im Januar 2006 den Gashahn zugedreht – wegen eines Streits um Gaspreise und offene Rechnungen. Das bekamen auch viele EU-Länder zu spüren; sie kämpften mit Lieferengpässen.

Keine Alternativen

Alternativen zu russischem Gas gibt es für Europa zurzeit jedoch keine. Zwar erklärte die EU das Projekt Nabucco – eine Gaspipeline, die Russland umgeht und Gas vom Kaspischen Meer via die Türkei nach Europa liefern soll – für prioritär, doch noch mangelt es an Lieferanten. Bis jetzt sagten nur Aserbaidschan und Turkmenistan zu, Gas zu liefern. In Frage kommen noch der Iran oder der Irak, doch die USA haben wegen des Atomstreits mit dem Iran bereits ein Veto für Gaslieferungen aus dem Gottesstaat eingelegt.

Russland konkurriert Nabucco zudem mit der eigenen Pipeline South Stream, die Gasprom zusammen mit dem italienischen Energieversoger Eni plant. Diese Pipeline soll ab 2013 russisches Gas unter dem Schwarzen Meer hindurch nach Bulgarien und Italien führen. Bereits haben Länder wie Griechenland, Bulgarien, Serbien und Ungarn ihre Unterstützung zugesagt. (Tagesanzeiger.ch/Newsnet)

Erstellt: 13.11.2008, 14:04 Uhr

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