Putin war für einen Atomschlag bereit

Er sei während des Konflikts um die Krim kurz davor gewesen, sein Atomwaffenarsenal in Alarm zu versetzen, sagt der russische Präsident in einem Interview.

«Niemand wollte einen dritten Weltkrieg»: Wladimir Putin am russischen Fernsehen. (15. März 2015)

«Niemand wollte einen dritten Weltkrieg»: Wladimir Putin am russischen Fernsehen. (15. März 2015) Bild: AFP

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Russland war während des Konfliktes um die ukrainische Halbinsel Krim vor einem Jahr kurz davor, sein Atomwaffenarsenal für den Fall eines Militärangriffs des Westens in Alarmbereitschaft zu versetzen. Das sagte der russische Präsident Wladimir Putin in Äusserungen, die am Sonntagabend im russischen Fernsehsender Rossia 1 schriftlich gezeigt wurden.

«Wir waren bereit, es zu tun», sagte Putin demnach. Die russische Führung sei bereit gewesen, sich der «schlimmsten Wendung zu stellen, welche die Ereignisse hätten nehmen können».

Die russischen Streitkräfte hatten laut Putin damals auf der Krim Raketenabwehrsysteme vom Typ Bastion positioniert, die im Falle eines Angriffs durch ein US-Kriegsschiff im Schwarzen Meer einsatzbereit gewesen wären.

«Niemand wollte einen Weltkrieg auslösen»

Damals sei es unklar gewesen, ob der Westen militärisch in den Konflikt eingreifen würde. Er habe die Haltung Russlands, wonach die Krim «historisches Gebiet» Russlands sei und dort Russen lebten, seinen westlichen Kollegen mitgeteilt, sagte Putin weiter. «Das war eine ehrliche und offene Haltung. Und ich glaube, niemand wollte einen Weltkrieg auslösen.»

Die Äusserungen wurden am Sonntagabend vor der Ausstrahlung eines Dokumentarfilms über die Annexion der Krim durch Russland gezeigt.

Nach dem Sturz der prorussischen Regierung in Kiew hatte am 27. Februar 2014 ein prorussisches Kommando die Kontrolle über das Regionalparlament der Schwarzmeer-Halbinsel übernommen. Am 16. März wurde dann auf der Krim ein Referendum abgehalten, in dem sich die überwiegende Mehrheit der Bewohner für einen Anschluss an Russland aussprach. Daraufhin annektierte Russland das Gebiet.

«Blutbad verhindern»

In der Fernsehsendung wurde Putin mit den Worten zitiert, die Entsendung russischer Soldaten habe auf der Krim ein «Blutbad» verhindert. «Wir waren gezwungen, Massnahmen zu ergreifen, um sicherzustellen, dass die Bewohner der Krim ihren Willen frei ausdrücken können», sagte der russische Staatschef.

«Wir mussten unsere militärische Präsenz auf der Krim erhöhen, damit unsere Soldaten günstige Bedingungen für ein Referendum ohne Blutvergiessen schaffen konnten.»

Er sei sich sicher, dass sich ohne dieses Vorgehen «ein ähnliches Szenario abgespielt» hätte «wie heute im Donbass» in der Ostukraine, sagt Putin. Dort wurden bei Kämpfen zwischen prorussischen Separatisten und ukrainischen Soldaten seit April 2014 fast 6000 Menschen getötet. (chk/sda)

Erstellt: 16.03.2015, 04:59 Uhr

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