Raketen-Poker zwischen Moskau und Washington

Russland, so heisst es in Moskau, würde auf die Stationierung von Raketen verzichten, falls die USA es ihm gleichtun. Keine Chance, tönt es dagegen in Washington.

Der russische Präsident Medwedew will die USA zum Einlenken bewegen.

Der russische Präsident Medwedew will die USA zum Einlenken bewegen. Bild: Keystone

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So sieht russische Raketendiplomatie aus: Moskau sei bereit, auf die Stationierung von Raketen in der russischen Exklave Kaliningrad zu verzichten, sagte Präsident Dmitri Medwedew am Donnerstag in einem Interview. Bedingung sei aber, dass die USA den geplanten Raketenabwehrschirm in Polen aufgäben. Mit anderen Worten: Wenn die Amerikaner einknicken, ist auch Moskau zu Kompromissen bereit. US-Verteidigungsminister Robert Gates nannte den Vorstoss umgehend «inakzeptabel».

Der Kremlchef versuchte offenbar, seine Drohung von letzter Woche in etwas freundlichere Worte zu packen. Russland werde Kurzstreckenraketen des Typs Iskander an seine Westgrenze verschieben, kündigte er damals an. Die Geschosse sollen, wie Medwedew sich ausdrückte, «bei Bedarf» den geplanten US-Raketenschirm in Osteuropa «neutralisieren».

Russische Iskander-Raketen vor der eigenen Haustür: Für die Europäer ist das eine beunruhigende Vorstellung, mindestens auf den ersten Blick. Das System mit dem Nato-Code SS-26 Stone gehört zu den neusten Waffen der russischen Armee. Die Boden-Boden-Geschosse haben eine Reichweite von rund 280 Kilometern. Abgefeuert werden sie von geländegängigen Lastwagen. Nach Angaben des Herstellers, einer Waffenschmiede in der Nähe von Moskau, durchbrechen die Iskander-Raketen jede beliebige Abwehr. Als Gefechtsköpfe stehen zur Auswahl: Panzerminen, Splitter- und Antibunkerbomben, aber angeblich auch nukleare Sprengsätze.

Warnung vor «neuem Blockdenken»

Entsprechend besorgt reagierte die Europäische Union auf Moskaus Rüstungspläne. Diese würden «nicht dazu beitragen, ein Klima des Vertrauens aufzubauen», stand in einer Erklärung der französischen EU-Ratspräsidentschaft. Selbst dem deutschen Aussenminister Frank-Walter Steinmeier, sonst eher ein Russland-Freund, ging das Säbelrasseln zu weit. Es handle sich um «ein falsches Signal zum falschen Zeitpunkt», sagte er und warnte vor einem «neuen Blockdenken».

Mittlerweile haben sich die Wogen wieder etwas geglättet. Am EU-Russland-Gipfel in Nizza von heute Freitag werden die Iskander-Raketen nur am Rande ein Thema sein. Mit der Finanzkrise, der instabilen Lage in Georgien und dem ins Stocken geratenen Partnerschaftsabkommen gibt es genug andere Probleme und Gesprächsthemen.

Mangel an Zielgenauigkeit

Ein Grund dafür, dass die Europäer ihre Gelassenheit nicht verloren haben: In der Realität sind die Iskander-Raketen gar nicht so gefährlich, wie es der Kreml gerne hätte. Das Waffensystem leidet offenbar an mangelnder Zielgenauigkeit. Hochpräzis seien Iskander-Raketen höchstens in prahlerischen Vorträgen russischer Militärs, erklärt Militärexperte Pawel Felgenhauer in der «Nowaja Gaseta». Die zentrale Navigationstechnologie, das russische Satellitensystem Glonass, funktioniere gar nicht richtig.

Die Erfahrungen im Georgienkrieg scheinen Felgenhauer Recht zu geben. Damals hat die russische Armee glaubhaften Berichten zufolge mehrere Iskander-Raketen abgeschossen. Eine hätte offenbar die wichtige Pipeline Baku-Tiflis-Ceyhan treffen sollen, ging aber daneben. Eine andere schlug im Zentrum der georgischen Stadt Gori ein – statt in einer Militärbasis. Beim Raketenangriff ist seinerzeit ein niederländischer Fernsehjournalist ums Leben gekommen.

Eine so ungenaue Waffe könne man nicht brauchen, um die US-Raketenabwehranlagen in Polen und Tschechien zu zerstören, ist Pawel Felgenhauer überzeugt. Er sieht die angekündigte Iskander-Stationierung nicht als militärische Massnahme, sondern als «politische Erpressung». Zu einem ähnlichen Schluss kommt auch der Rüstungsexperte Alexander Goltz. Seinen Angaben zufolge verfügen Moskaus Truppen gerade mal über sechs Iskander-Raketen. Die Serienproduktion sei noch nicht einmal angelaufen. Aus militärischer Sicht, so Goltz, sei die Angelegenheit nichts anderes als ein «weiterer Bluff des Kremls». (Tages-Anzeiger)

Erstellt: 13.11.2008, 22:36 Uhr

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