Richter zeigt Merkel an – wegen Freude über Bin Ladens Tod

Angela Merkel hat sich über die Liquidierung von Osama Bin Laden gefreut. Darf man das? Ein Hamburger Richter findet nein – und zeigt die deutsche Bundeskanzlerin an.

Unglückliche Aussage: Angela Merkel wurde angezeigt – hier im Gespräch mit dem griechischen Premierminister George Papandreou in Brüssel.

Unglückliche Aussage: Angela Merkel wurde angezeigt – hier im Gespräch mit dem griechischen Premierminister George Papandreou in Brüssel. Bild: Keystone

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Der Hamburger Richter Heinz Uthmann hat Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) wegen ihrer umstrittenen Äusserung zur Tötung des Al-Qaida-Terroristen Osama Bin Laden angezeigt. Gemäss Paragraf 140 des Strafgesetzbuches werfe der Richter der Bundeskanzlerin Belohnung und Billigung von Straftaten vor, bestätigte der Hamburger Oberstaatsanwalt Wilhelm Möllers.

Merkel hatte am vergangenen Montag erklärt, sie freue sich darüber, «dass es gelungen ist, Bin Laden zu töten». Damit hatte sie auch innerhalb der CDU für Kritik gesorgt. Unions-Fraktionschef Volker Kauder (CDU) hingegen verteidigte Merkel: «Als Christ gibt es für mich das Böse in der Welt. Osama war böse. Und man darf sich als Christ freuen, wenn es weniger Böses auf der Welt gibt», sagte der CDU-Politiker dem Nachrichtenmagazin «Der Spiegel».

Überzeugt, dass die Äusserung eine Straftat ist

«Ich habe die Strafanzeige gestellt, da ich davon überzeugt bin, dass die Äusserung der Kanzlerin eine Straftat ist», sagte Uthmann. Anhand der Reaktionen der Kirchen könne man sehen, dass eine solche Äusserung in Mitteleuropa nicht erlaubt sein könne. «Ausserdem zahle ich keine Steuern für jemanden, der so etwas von sich gibt», sagte Uthmann weiter.

«Diese Äusserung – für die Tochter eines christlichen Geistlichen verwunderlich und abseits aller Werte wie Menschenwürde, Barmherzigkeit und Rechtsstaat – begründet den Anfangsverdacht einer Straftat nach Paragraf 140 des Strafgesetzbuches», heisst es in der Anzeige, die am Donnerstag bei der Staatsanwaltschaft einging. Merkels Äusserung war zur bundesweiten Verbreitung bestimmt, was keiner Begründung bedürfe.

Wie Uthmann weiter ausführte, hat sich «der Erfolgswert der Straftat bestimmungsgemäss nicht nur in Berlin, sondern in allen Bezirken aller deutschen Staatsanwaltschaften realisiert». Damit sei auch die Hamburger Anklagebehörde zuständig. Möllers geht dennoch davon aus, dass die Hamburger Staatsanwaltschaft das Verfahren an die zuständige Behörde in Berlin abgeben werde.

Juristische Erfolgschancen gering

Uthmann ist seit 1987 Richter. Zunächst arbeitete er am Landgericht als Richter für Wirtschaftsstrafrecht. Danach war er im Arbeitsrecht tätig. Die juristischen Erfolgschancen seiner Strafanzeige stuft der 54-Jährige aus dem Hamburger Stadtteil Rotherbaum jedoch gering ein. «Kein deutscher Staatsanwalt wird den Mut haben, Frau Merkel deswegen anzuklagen», sagte Uthmann.

Nach Ansicht des Richters wird die Äusserung aber Konsequenzen für die Kanzlerin haben. Immerhin habe bereits der Vorsitzende des Rechtsausschusses und CDU-Bundestagsabgeordnete, Siegfried Kauder, die Äusserungen der Kanzlerin als mittelalterlich bezeichnet. «Ein Ausschussvorsitzender der Regierungsfraktion äussert sich zur Bundeskanzlerin in der Regel nicht so», sagte Uthmann. (bru/dapd)

Erstellt: 06.05.2011, 12:39 Uhr

Ist überzeugt, dass die Äusserung von Merkel eine Straftat ist: Hamburger Richter Heinz Uthmann.

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