Roma von Ozd sollen wieder Wasser bekommen

Wasserverschwendung lautete der Vorwurf von Ozds Gemeindepräsident gegenüber Roma in seinem Dorf. Deshalb kappte er ihnen die Wasserzufuhr. Nun hat sich Ungarns Innenminister eingeschaltet.

Ein Hitzewelle rollt auf den Ort zu: Roma-Jungen bei einem der wenigen Hydranten, welche der Gemeindepräsident von Ozd nicht abgeschaltet hatte. (5. August 2013)

Ein Hitzewelle rollt auf den Ort zu: Roma-Jungen bei einem der wenigen Hydranten, welche der Gemeindepräsident von Ozd nicht abgeschaltet hatte. (5. August 2013) Bild: Keystone

Feedback

Tragen Sie mit Hinweisen zu diesem Artikel bei oder melden Sie uns Fehler.

Die Roma im nordungarischen Ozd sollen wieder Trinkwasser bekommen, nachdem die Stadt die Zufuhr bei vielen öffentlichen Hydranten wegen angeblicher Wasserverschwendung gekappt hatte. Gemeindepräsident Pal Fürjes sagte, die meisten Hydranten würden wieder geöffnet.

Angesichts der grossen Hitze habe Innenminister Sandor Pinter ihn dazu aufgefordert. Pinter hatte damit auf eine Forderung der sozialistischen Opposition reagiert, wie sein Ministerium bestätigte. In Ungarn wurden für Donnerstag mehr als 40 Grad im Schatten erwartet.

Versorgung über Brunnen

Ob die Öffnung der Hydranten endgültig ist oder nur vorübergehend während der Hitzewelle, war zunächst unklar. Pinter hatte dem Gemeindepräsidenten geschrieben, er möge den Beschluss zur Schliessung der Wasserzufuhr «in Anbetracht der Durchschnittstemperatur suspendieren».

In der betroffenen bitterarmen Roma-Siedlung haben die Menschen kein fliessendes Wasser in ihren Wohnungen. Sie versorgen sich deshalb ausschliesslich an öffentlichen Brunnen.

Schweiz hält an Projekt fest

Die Stadt soll deshalb eine neue Trinkwasseranlage bekommen. Im Rahmen des Erweiterungsbeitrags für Ungarn steuert die Schweiz sieben Millionen Franken zum Projekt bei.

Das Departement für auswärtige Angelegenheiten (EDA) erklärte zu Medienberichten vom Mittwoch, die Schweiz beobachte die jüngsten Ereignisse in Ozd. Man gehe aber davon aus, dass die Bauarbeiten zum Projekt planmässig beginnen könnten.

Das Projekt besteht gemäss EDA aus der Sanierung und Modernisierung des Wassernetzes, welche sämtlichen 38'000 Bewohnern von Ozd zugute komme, sowie der Verlängerung des Netzes um fünf Kilometer, von welcher wiederum rund 3500 Einwohner profitierten.

Es werde darauf geachtet, dass das Projekt den mit den ungarischen Behörden vereinbarten Zielen entspreche, schrieb das EDA weiter. Des Weiteren warte man nun das Ergebnis der bereits eingeleiteten Untersuchung des ungarischen Ombudsmanns für Grundrechte ab.

Der Gesellschaft für bedrohte Völker ist das zu wenig. Die Organisation forderte die Schweizer Behörden am Mittwoch auf, sich selber ein Bild zu machen und gegebenenfalls diplomatisch zu intervenieren, sollte die Wasserversorgung in den Roma-Quartieren nicht gewährleistet sein.

Unter Verwaltung der Fidesz

In Ozd regiert die rechtsnationale Partei Fidesz des Ministerpräsidenten Viktor Orban und des Ministers Pinter. Kritiker werfen Fidesz seit langem vor, den im Land grassierenden Rassismus gegen Roma zu fördern. (kpn/sda)

Erstellt: 07.08.2013, 19:43 Uhr

Artikel zum Thema

Kein Wasser für Roma – Schweiz will trotzdem Millionen zahlen

Hintergrund Der Bericht über Roma-Diskriminierung im ungarischen Ozd erregt international Aufsehen. Das Deza will dort dennoch Millionen investieren. Kurios: Über die Schweizer Hilfe ist kaum jemand informiert. Mehr...

Stadtregierung kappt Roma die Wasserleitungen

37 Grad und kein Wasser: Die ungarische Stadt Ozd hat den Roma den Wasserhahn zugedreht. Die Schweiz unterstützt die Wasserversorgung der Gemeinde mit einem Hilfsprojekt über sieben Millionen Franken. Mehr...

Roma-Mörder verliessen während Urteilsbegründung den Saal

Die Mörder zeigen keine Reue, zum Tathergang sind noch Fragen offen: Nach der Verurteilung zu lebenslanger Haft bleibt die grausame Mordserie an Roma in Ungarn weiter ein Thema – auch für die Politik. Mehr...

Die Redaktion auf Twitter

Stets informiert und aktuell. Folgen Sie uns auf dem Kurznachrichtendienst.

Blogs

Geldblog Sichere Anlagestrategie? Gibts nicht!

Sweet Home 10 blitzschnelle Znachtideen

Werbung

Weiterbildung

Ausbildung & Weiterbildung Finden Sie die passende Weiterbildung Technischer Kaufmann, Deutsch lernen, Coaching Ausbildung, Präsentationstechnik, Persönlichkeitsentwicklung

Die Welt in Bildern

Handarbeit: Schauspieler des Kote Marjanishvili Theaters in Tiflis während einer Probe des Tolstoi-Stücks «Die Kreutzersonate». (18. Februar 2020)
(Bild: Zurab Kurtsikidze) Mehr...