Russland feiert Sieg im weltweiten Gaspoker

Der Bau der Gazprom-Pipeline South Stream hat offiziell begonnen. Russland festigt damit seine Position als Energiegrossmacht. Europas Konkurrenzprojekt Nabucco hingegen kommt nicht vom Fleck.

Gigantische Leitung von Bulgarien nach Italien: Ein Arbeiter bereitet Teile der South-Stream-Pipeline in Anapa, Russland, für den Baustart vor. (7. Dezember 2012)

Gigantische Leitung von Bulgarien nach Italien: Ein Arbeiter bereitet Teile der South-Stream-Pipeline in Anapa, Russland, für den Baustart vor. (7. Dezember 2012) Bild: Keystone

Feedback

Tragen Sie mit Hinweisen zu diesem Artikel bei oder melden Sie uns Fehler.

Die Energiegrossmacht Russland hat offiziell mit dem Bau der rund 2380 Kilometer langen Pipeline South Stream vom Schwarzen Meer bis nach Italien begonnen. Damit kann der staatliche Gaskonzern Gasprom die Ukraine umgehen, die in der Vergangenheit immer wieder mal den Gashahn zugedreht hatte.

Mit dem Baustart der 16 Milliarden Euro teuren Gaspipeline stösst die Energiegrossmacht Russland weiter auf den europäischen Energiemarkt vor. Der russische Präsident Wladimir Putin und Gazprom-Chef Alexej Miller gaben den Startschuss für die gigantische Leitung.

«Wir haben Gas, wir haben Abnehmer»

Miller feierte den Baubeginn nahe der südrussischen Stadt Anapa auch als «Sieg» über das von der EU unterstützte Konkurrenzprojekt Nabucco. «Wir haben Gas, wir haben Abnehmer, bei uns ist alles fertig», sagte Miller dem russischen Staatsfernsehen. Das erste Gas soll 2015 durch die Leitung fliessen. Nabucco kommt hingegen seit Jahren nicht recht voran.

Das Megaprojekt sei nicht nur für Russland, sondern für ganz Europa wichtig, sagte Putin bei dem Festakt. «South Stream schafft die Voraussetzung für eine zuverlässige Versorgung unserer Kunden in Europa», betonte der Präsident.

Die Ukraine wird umgangen

Durch die insgesamt vier South-Stream-Stränge sollen ab 2019 bis zu 63 Milliarden Kubikmeter Gas jährlich strömen. Das entspricht etwa dem Verbrauch von 38 Millionen Haushalten. Russland will sich aber auch weiter von seinem bislang wichtigsten, aber unberechenbaren Transitland Ukraine für den Gasverkauf in der EU lösen.

Mit South Stream will der Gasriese Gasprom – wie mit der Pipeline Nord Stream durch die Ostsee nach Deutschland – den wachsenden Energiehunger in Europa stillen, der durch den Atomausstieg entsteht. Herzstück der South-Stream-Leitung ist ein 925 Kilometer langer Abschnitt durch das Schwarze Meer.

Die 1455 Kilometer lange Landleitung beginnt im bulgarischen Badeort Warna, führt durch Serbien, Ungarn und Slowenien und endet an der norditalienischen Grenze in Tarvisio. Das massgeblich von Putin vorangetriebene Projekt geht auf eine Initiative von Gasprom und dem italienischen Energieversorger Eni von 2007 zurück.

An der Firma South Stream Transport mit Sitz in den Niederlanden ist Gasprom zu 50 Prozent und Eni mit 20 Prozent beteiligt. Die BASF-Tochter Wintershall und der französische Stromkonzern EDF halten je 15 Prozent.

Düstere Perspektiven für Nabucco

Experten sehen angesichts von South Stream kaum Chancen für die Nabucco-Pipeline, die Gas unter Umgehung Russlands aus dem Kaspischen Meer über die Türkei nach Europa transportieren soll. Als wichtigster Partner hatte die Ex-Sowjetrepublik Aserbeidschan im Südkaukasus zuletzt eine kleinere Variante des Vorhabens ins Spiel gebracht.

Die EU wirft Gasprom Missbrauch der Marktstellung vor und hat deswegen im September eine Untersuchung eingeleitet. Zudem pocht Brüssel darauf, dass Gasverkäufer wie Gasprom nicht zugleich Besitzer der Transportwege sein dürfen. (fko/sda)

Erstellt: 08.12.2012, 17:03 Uhr

Die wichtigsten Gaspipeline-Projekte
in Europa

Die Europäische Union will für ihre Gaslieferungen eine zu grosse Abhängigkeit von einzelnen Transportwegen vermeiden. Die wichtigsten Pipeline-Projekte im Überblick:

South Stream plant der russische Gasmonopolist Gazprom gemeinsam mit der italienischen Eni. Die BASF-Tochter Wintershall ist an dem Projekt ebenfalls beteiligt, genauso der französische Energiekonzern EDF. Die Pipeline soll von der russischen Küste durch das Schwarze Meer bis nach Bulgarien und von dort aus nach Ungarn und Kroatien sowie nach Slowenien und Italien führen. Die Kosten betragen rund 16 Milliarden Euro. Die Kapazität soll ab 2019 jährlich bei etwa 63 Milliarden Kubikmetern liegen. Von der russischen Schwarzmeerküste führt bereits eine Gasleitung in die Türkei (Blue Stream).

Nabucco ist als Alternative zu russischen Gasleitungen nach Europa geplant. Am Konsortium ist der deutsche RWE-Konzern massgeblich beteiligt. Allerdings kommt das von der EU massiv unterstützte Projekt nicht recht voran. Zuletzt kürzte das Konsortium die geplante Pipeline von knapp 4000 Kilometern drastisch auf 1300 Kilometer. Der ursprüngliche Plan sieht jährliche Lieferungen bis zu 23 Milliarden Kubikmeter Gas vom Kaspischen Meer vor. In der Region lagern riesige unerschlossene Gasreserven.

Nord Stream hat Gazprom mit Partnern aus Deutschland, den Niederlanden und Frankreich schon in Betrieb genommen. Durch zwei Stränge dieser 1224 Kilometer langen Pipeline fliesst bereits Gas, Gazprom kündigte konkrete Planungen für zwei weitere Röhren durch die Ostsee an. Jährlich können durch die Leitung, die vom russischen Wyborg durch die Ostsee bis Lubmin bei Greifswald verläuft, 55 Milliarden Kubikmeter Gas gepumpt werden - genug für 26 Millionen Haushalte. Die Baukosten liegen bei 7,4 Milliarden Euro. Kremlchef Wladimir Putin hatte mit Blick auf den Ausstieg Deutschlands aus der Kernenergie erklärt, Nord Stream werde eine Leistung von elf Atomkraftwerken haben.

Die Trans Adriatic Pipeline (TAP) soll ab 2018 Gas aus Aserbaidschan von Griechenland durch die Adria nach Italien und weiter in die Schweiz transportieren und damit einen strategischen Beitrag zur Gasversorgungssicherheit Italiens und der Schweiz leisten. Mit 42,5 Prozent namhaft am Projekt beteiligt ist das Schweizer Energiehandelsunternehmen EGL, eine Tochter der Axpo. Weitere Anteile halten Statoil aus Norwegen (42,5 Prozent) und die deutsche E.On Ruhrgas (15 Prozent). (sda)

Artikel zum Thema

Grösste Gaspipeline der Welt ist in Betrieb

Heute eröffneten Angela Merkel und Dmitri Medwedew ihr gemeinsames Megaprojekt: Die Gasleitung Nord Stream ist 1224 Kilometer lang und soll jährlich 55 Milliarden Kubikmeter Gas liefern. Mehr...

Die Russen auf Einkaufstour in Griechenland

Die staatliche Energieindustrie Griechenlands steht zum Verkauf, russische Investoren wittern ihre grosse Chance. Warum die EU skeptisch ist, obwohl sie die Privatisierung im beinahe bankrotten Land vorantreiben will. Mehr...

Eine Gaspipeline mit Schweizer Beteiligung

Doris Leuthard möchte mit Griechenland die Zusammenarbeit in Energiefragen intensivieren. Dabei geht es auch um eine neue Gaspipeline, an der eine Schweizer Firma massgeblich beteiligt ist. Mehr...

Die Redaktion auf Twitter

Stets informiert und aktuell. Folgen Sie uns auf dem Kurznachrichtendienst.

Paid Post

Rioja fasziniert mit neuer Vielfalt

Die Winzer aus der Region Rioja glänzen mit stetig zunehmender Finesse und Vielfalt. Neben Weissweinen sind auch Einzellagen, Orts- und Gebietsweine auf dem Vormarsch.

Kommentare

Newsletter

Der ideale Start in den Tag

Sie wollen täglich die besten Beiträge aus der Redaktion?
Dann abonnieren Sie jetzt unseren Newsletter «Der Morgen».

Die Welt in Bildern

Feueralarm: Ein Lufttanker lässt Flammschutzmittel auf die Brände in den Gospers Mountains in New South Wales fallen. Durch die hohen Temperaturen und starke Winde ist in Australien die Gefahr von Buschfeuer momentan allgegenwärtig. (15. November 2019)
(Bild: Dean Lewins) Mehr...