Schädliches Medikament in Pferdefleisch entdeckt

Experten haben in britischem Pferdefleisch, das in Frankreich auf den Markt gelangt ist, ein für Menschen schädliches Schmerzmittel gefunden. Zudem kommt die französische Firma Spanghero weiter in Erklärungsnot.

Pferdefleischskandal hat Europa im Griff: Auch deutsche Labors untersuchen Fleisch auf Pferdespuren, hier in Nordrhein-Westfalen. (13. Februar 2012)

Pferdefleischskandal hat Europa im Griff: Auch deutsche Labors untersuchen Fleisch auf Pferdespuren, hier in Nordrhein-Westfalen. (13. Februar 2012) Bild: Reuters

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Der europäische Pferdefleisch-Skandal erreicht eine neue Dimension: Britische Lebensmitteltester haben in drei nach Frankreich exportierten Pferdekörpern das Medikament Phenylbutazon nachgewiesen. Das Mittel wird bei Pferden auch als Dopingmittel verwendet, bei Menschen kurzzeitig gegen Rheuma.

Die britische Lebensmittelaufsicht FSA testete die Tiere am Tag ihrer Schlachtung. Die Proben seien jetzt ausgewertet worden. Das Fleisch sei von Grossbritannien nach Frankreich verkauft worden, sagte Ernährungsstaatssekretär David Heath im britischen Parlament nach Angaben der BBC. Insgesamt seien 206 geschlachtete Pferde getestet worden, bei acht fielen Spuren des Medikaments auf.

Fünf davon seien nicht in den Nahrungskreislauf gelangt, hiess es von der Lebensmittelaufsicht. Die Tiere seien in Taunton in der Grafschaft Somerset geschlachtet worden. Die Lebensmittelaufsicht arbeite eng mit den französischen Behörden zusammen, um das Fleisch aus der Nahrungskette zurückzuhalten. Tests auf Phenylbutazon in Frankreich seien bislang negativ ausgefallen.

Geringes Risiko

Die Gesundheitsamtschefin für England, Sally Davies, verwies allerdings darauf, dass Phenylbutazon im Fleisch für Menschen ein geringes gesundheitliches Risiko aufweist. Man müsse etwa 600 Hamburger essen, um nur annähernd die Tagesdosis zu erreichen.

Der Umwelt- und Nahrungsmittelausschuss des Unterhauses kritisierte die langsame Reaktion der britischen Regierung auf den Fleischskandal. Es entstehe der Eindruck, dass die Öffentlichkeit systematisch und auf eine zynische Art und Weise hinters Licht geführt worden sei, damit sich Lebensmittel-Hersteller bereichern konnten.

In der Schweiz bisher nur Coop betroffen

In Deutschland entdeckte nach Real auch die Supermarktkette Edeka Pferdefleisch in Fertiggerichten, die eigentlich nur Rind enthalten sollten. Auch der Grosshändler Markant teilte auf Anfrage mit, er habe vergangene Woche «vorsorglich entsprechende Produkte aus dem Vertrieb sowie aus dem Verkauf bei den belieferten Kunden genommen».

Das Ausmass des Skandals für die Schweiz ist noch unklar. Derzeit führen laut dem Bundesamt für Gesundheit mehrere kantonale Labors zusätzliche Kontrollen durch. Ergebnisse werden für Ende Woche erwartet.

Bislang ist bekannt, dass die Lasagne Verdi Bolognese des Coop-Labels Qualité & Prix Anteile von Pferdefleisch enthielt. Dies hätten Labortests ergeben, teilte Coop mit. Das Fleisch für das betroffene Produkt stammte von der französischen Firma Comigel, die beim Pferdefleisch-Lieferanten Spanghero einkaufte.

Französische Firma bezog 42 Tonnen Pferdefleisch

Die französische Firma Spanghero, die im Zentrum des Pferdefleisch-Skandals steht, hat einem Zeitungsbericht zufolge noch Anfang Januar 42 Tonnen Pferdefleisch von einem zypriotischen Händler gekauft. Die Zeitung «Le Parisien» veröffentlichte das Faksimile einer solchen Rechnung, nachdem Spanghero bisher immer versichert hatte, nicht mit Pferdefleisch gearbeitet zu haben. Die Firma widersprach dem Bericht. Die Zeitung meldete, sie habe drei Rechnungen bei den rumänischen Behörden einsehen können, die den Verdacht auf die Firma Spanghero in Südwestfrankreich sowie auf den zypriotischen Zwischenhändler Draap lenkten. Diesen Rechnungen zufolge habe die französische Firma 42 Tonnen Pferdefleisch-Schlachtreste wie Muskelbänder oder Fett am 4., 9. und 12. Januar erhalten.

Ein Vertreter von Spanghero versicherte der Nachrichtenagentur AFP: «Wir haben nie Rechnungen über Pferdefleisch erhalten.» Er habe keine Erklärung für den Bericht von «Le Parisien». Alle betroffenen Rechnungen seien der Antibetrugsbehörde übergeben worden, Ergebnisse der Untersuchungen würden am Nachmittag erwartet. Die Firma hatte bereits am 11. Februar eine Erklärung veröffentlicht, der zufolge sie «keine Geschäftstätigkeit zum Kauf, Wiederverkauf oder der Verarbeitung von Produkten auf der Basis von Pferdefleisch» habe.

«Anteile von Pferdefleisch»

Mehrere Medien berichteten unterdessen, dass der Chef der zypriotischen Firma Draap, Jan Fasen, im Januar 2012 zu einem Jahr Haft, davon drei Monate auf Bewährung, verurteilt worden sei. Grund sei gewesen, dass er amerikanisches Pferdefleisch als Halal-Rindfleisch verkauft habe. Dieses Fleisch soll laut «Financial Times», die sich auf niederländische Medien beruft, in Frankreich verkauft worden sein.

Der europaweite Skandal um Pferdefleisch in Tiefkühlprodukten, das als Rindfleisch etikettiert worden war, hatte am Mittwoch auch Deutschland erreicht. In einem Lasagne-Produkt der Supermarktkette Real wurden «Anteile von Pferdefleisch» gefunden.

Die französische Firma Comigel in Metz hatte europaweit zahlreiche Fertigprodukte geliefert. Das Unternehmen weist aber jede Schuld zurück. Es hatte das Fleisch von Spanghero bezogen. Das Pferdefleisch stammt laut französischen Behörden aus Rumänien und kam über zypriotische beziehungsweise niederländische Zwischenhändler nach Frankreich. Bisher konnte noch nicht geklärt werden, wo das Fleisch umdeklariert worden war. (bru/AFP/sda/AP)

Erstellt: 14.02.2013, 12:12 Uhr

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Der Pferdefleischskandal

Der Pferdefleischskandal Unter anderem in Frankreich, Grossbritannien und in der Schweiz wurde Pferdefleisch in Fertigprodukten gefunden. Eine Spur führt nach Frankreich.

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