Schweizer Betrüger hat die BBC hereingelegt

Jean-Claude B. wurde verurteilt, weil er die Jury einer englischen TV-Show getäuscht und sie dazu gebracht hatte, in seine Firma zu investieren.

Geld verschwunden: Jean-Claude B. machte nach seinem BBC-Auftritt Schlagzeilen.<br />
(Screenshot: thesun.co.uk)

Geld verschwunden: Jean-Claude B. machte nach seinem BBC-Auftritt Schlagzeilen.
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In den Londoner Medien ist Jean-Claude B. zurzeit zweifelsohne der bekannteste Gauner. Und das aus gutem Grund: Der Businessmann mit Schweizer Wurzeln, der früher Geschäfte in Verbier und Val d’Isère (F) machte, ist am Freitag zu 2 Jahren und 8 Monaten Gefängnis verurteilt worden, weil er die Jurymitglieder einer der beliebtesten Reality-Shows in England hinterging.

Im Jahr 2009 wird der Sohn eines Schweizer Bankiers ausgewählt, um an «Dragon’s Den» teilzunehmen. Bei der Show der BBC stellen Unternehmer ihr Projekt einer Jury von Investoren vor. Der in London wohnhafte 47-jährige Jean-Claude B. ist mit Satski am Start, einem GPS für Skifahrer, das unter anderem erlaubt, Karten von Skigebieten in Echtzeit herunterzuladen. Dank der ausgezeichneten Präsentation sind die Jury-Mitglieder einverstanden, 230'000 Pfund (332'000 Franken) in B.s Projekt zu investieren, gegen das Versprechen einer Rendite.

Böse Überraschung in Val d’Isère

Der Mann, der die Erfolgsstory aber verdirbt, heisst Piers William. Der britische Immobilienagent in Val d’Isère fällt aus allen Wolken, als er Jean-Claude B. auf dem Bildschirm entdeckt. Er erkennt in ihm den zweifelhaften Unternehmer wieder, der zwei Jahre vorher vergebens sein GPS in Skiorten der Alpen loswerden wollte. Ein Unternehmen, das mit dem Konkurs der Firma Piste Activities endete – und einem Schuldenberg von über 100'000 Pfund.

William warnt die Medien in England, denen bestätigt wird, dass Jean-Claude B. alles andere als der vorbildliche Geschäftsmann ist, der er zu sein vorgibt. Bald stellt sich heraus, dass er bei «Dragon’s Den» falsche Dokumente präsentiert hat. Und vor allem, dass er das von der Jury geliehene Geld nur dazu verwendet hat, in seinem luxuriösen Londoner Haus auf grossem Fuss zu leben.

Enthüllungen, die zur Verurteilung führen

Auf Anfrage von «Le Matin» sagt Piers William, er sei mit dem Ausgang der Sache zufrieden. Jean-Claude B., der ihn ebenfalls betrogen habe, hätte Dutzende Opfer im Alpenraum: «Er etablierte sich im Jahr 2006 mit seiner Firma Piste Activities in Val d’Isère», erzählt William. «Er kam mit etwa 30 Angestellten und etwa 15 neuen Mini Cooper mit dem Firmenlogo. Alle nahmen ihn ernst, aber am Ende merkten wir, dass es nur eine Fassade war. Das GPS stellte sich als fehlerhaft heraus, niemand wollte es. Und vor allem verprasste Jean-Claude B. viel Geld, aber bezahlte niemanden. Ich habe nie einen Rappen gesehen für die Wohnungen, die ich bereitstellte. Ich habe etwa 49'000 Franken verloren!»

Die gleiche Ratlosigkeit herrscht bei Susan Dunn, der Besitzerin einer Marketingfirma in Val d’Isère: «Wir hatten seine Internetseite geschaffen, unter anderen Mandaten für Kommunikationsmarketing. Er hat nie bezahlt. Ich habe über 26'500 Franken verloren wegen dieses Betrügers.»

Schlechtes Gefühl auch im Wallis

In Verbier ist der Ruf von Jean-Claude B. nicht besser. Im Walliser Skiort erinnert man sich an ihn als den, der mit seiner Firma Piste Activities die sogenannten Picnics on the Piste ins Leben gerufen hat. Die Idee bestand darin, den Skifahrern Luxuspicknicks zu liefern. Auch da gingen die Mitarbeiter leer aus. «Ich hatte ein schlechtes Gefühl mit Jean-Claude B., und das hat sich bestätigt», erzählt Nicky Blake, ein Ex-Angestellter. «Als ich keinen Lohn bekam, habe ich gekündigt. Zwei Wochen später, im Februar 2008, hat Piste Activities Konkurs angemeldet.»

Ein Konkurs, der offensichtlich keine Auswirkung hatte auf die Dreistigkeit von Jean-Claude B. Wusste er nicht, dass er mit dem Feuer spielte, als er ein Jahr später bei «Dragon’s Den» anklopfte?

Übersetzung: Sibylle Bühler Beltran

Erstellt: 22.02.2012, 11:16 Uhr

«Dragon's Den»: In der Höhle der Drachen

Führt Skifahrer über die Piste: Satski. (Screenshot)

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