Schweizer OSZE-Botschafter erhebt Vorwürfe gegen Separatisten

Zum ersten Mal seit dem Absturz von Flug MH 17 konnte eine OSZE-Expertengruppe über längere Zeit den Unglücksort besichtigen. Ein Schweizer Beteiligter berichtet von den schwierigen Bedingungen vor Ort.

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Im Osten der Ukraine hat eine OSZE-Expertengruppe erstmals über längere Zeit den Unfallort der am Donnerstag abgestürzten malaysischen Passagiermaschine untersuchen können. «Wir waren drei Stunden lang an der Absturzstelle und konnten uns freier bewegen als gestern», berichtete eine Sprecherin der Organisation für Sicherheit und Zusammenarbeit in Europa (OSZE) am Samstagabend aus Donezk. Dies bestätigt der Schweizer OSZE-Botschafter Thomas Greminger im Interview mit der «Sonntagszeitung».

Nachdem am Freitag 17 OSZE-Mitarbeiter nur 75 Minuten Zeit bekommen hätten und lediglich 200 Quadratmeter der mehrere Quadratkilometer grossen Unglücksstelle besichtigen konnten, sei es am Samstag «besser gelaufen». Doch die Rebellen seien «schwer bewaffnet – und das ist noch ziemlich diplomatisch ausgedrückt.» Zudem habe es «zu viele Leute» vor Ort. «Immerhin wurde am Samstagnachmittag eine Sicherheitsabschrankung eingerichtet.»

Die OSZE wolle weiter mit den Separatisten sprechen, damit sie ihre Versprechen bezüglich Zugang zur Absturzstelle und Zusammenarbeit einhielten. «Das ist eine unerläss­liche Bedingung, damit die internationalen Ermittler ihre Arbeit aufnehmen können», sagt Greminger. Trotz Aufrufen zu einem Waffenstillstand kam es gestern nahe der Unglücksstelle zu weiteren Kämpfen. Die ukrainische Regierung berichtete von mehreren Angriffen der Separatisten. In Lugansk sollen 20 Zivilisten durch ukrainischen Artilleriebschuss umgekommen sowie mehrere Dutzend verletzt worden sein.

Wo ist die Blackbox?

Am Sonntag wollen 132 malaysische Experten, darunter Ärzte und Militärs, zum Absturzort fahren. Sie waren am Samstag in Kiew gelandet. Der niederländische Aussenminister Frans Timmermans kam ebenfalls mit einer Gruppe von 15 Experten in der ukrainischen Hauptstadt an. Auch die Schweiz bot an, Experten zu schicken.

Etwa 100 Tote wurden bislang nicht geborgen. Ihre Leichen dürften in einem Umkreis von vielen Kilometern verstreut liegen. Im Osten der Ukraine herrschen hochsommerliche Temperaturen. Leichensäcke würden am Strassenrand für den Weitertransport deponiert, sagte OSZE-Botschafter Greminger.

Zur Blackbox, welche die Rebellen nach eigenen Angaben besitzen sollen und der OSZE übergeben wollen, sagte Greminger: «Wir versuchen, an die Aufzeichnungen zu gelangen, aber bis jetzt haben wir sie noch nicht.»

Heftige Kritik an Russland

Mehrere Staaten erhöhten derweil ihren Druck auf Russland auf. Der niederländische Regierungschef Mark Rutte sagte am Samstag, er habe mit Russlands Staatschef Wladimir Putin ein «sehr intensives Gespräch». 193 Insassen der Boeing waren Niederländer. Rutte sagte, er habe Putin deutlich gemacht, dass Moskau «jetzt die Verantwortung gegenüber den Rebellen tragen muss». «Ich habe ihm gesagt, dass er der Welt zeigen muss, dass er helfen will.» Der Regierungschef zeigte sich zudem «schockiert» über Bilder von «schamlosen» prorussischen Separatisten, die an der Absturzstelle Habseligkeiten der Opfer in Händen hielten.

Der britische Premierminister David Cameron schrieb in der Zeitung «Sunday Times», Russland solle «den Moment nutzen» und die Krise beenden. «Wenn dies nicht geschieht, müssen wir entschieden antworten», warnte er mit Blick auf mögliche neue Sanktionen gegen Moskau.

US-Aussenminister John Kerry kritisierte in einem Telefonat mit seinem russischen Kollegen Sergej Lawrow die Zustände am Absturzort. Kerry sei «zutiefst besorgt», dass OSZE- und anderen Experten «ein angemessener Zugang» verwehrt werde, wurde nach dem Gespräch mitgeteilt. (fko/sda)

Erstellt: 19.07.2014, 23:25 Uhr

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