Scientology geht in Gefängnissen auf Mitgliederfang

Die Organisation Criminon bietet Gefangenen unentgeltliche Unterstützung bei ihrer Rehabilitation an. Das Problem: Sie ist eine Zweigstelle von Scientology.

Der Weg in ein besseres Leben? Criminon will Strafgefangenen angeblich bei der Resozialisierung helfen.

Der Weg in ein besseres Leben? Criminon will Strafgefangenen angeblich bei der Resozialisierung helfen. Bild: Keystone

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Die ehrenamtlichen Helfer von Criminon wollen Sträflinge dabei unterstützen, den Weg in ein besseres Leben wiederzufinden. Die Resozialisierungsprogramme sollen den Betroffenen helfen, Gutes wieder von Schlechtem unterscheiden zu können und sie von ihrer kriminellen Vergangenheit erlösen. In jedem englischen Gefängnis würden die Insassen regelmässig von Criminon kontaktiert, schreibt die Zeitung «The Sun».

Auf der Homepage gibt Criminon an, Straftäter resozialisieren zu wollen. Das Ziel sei es, den Gefängnisinsassen Werte und Normen wieder vertraut zu machen und sie so nach und nach wieder zu gesellschaftstauglichen Menschen zu «erziehen». Um dies zu erreichen, werden verschiedene Programme angeboten. Das wohl bekannteste darunter heisst «Der Weg zum Glücklichsein» und beinhaltet einen Moralkodex von insgesamt 21 Regeln. Gemäss Criminon soll dieser Kodex von den Sträflingen erlernt und angewandt werden, um den eigenen kriminellen Verhaltenskodex zu verdrängen. Die Häftlinge können das Studium des Regelwerks hinter Gittern als Fernkurs absolvieren, so «The Sun».

Criminon ist kein Einzelfall

Was eigentlich alles gut und schön klingt, hat einen Haken: Die Organisation Criminon mit Hauptsitz in Los Angeles wurde von Scientology-Gründer L. Ron Hubbard ins Leben gerufen. Die Sekte wirbt mit der angeblichen Läuterung von Kriminellen durch Ehrenamtliche – will aber eigentlich vor allem neue Anhänger gewinnen.

Criminon ist nicht die einzige Zweigstelle, welche neue Mitglieder für Scientology gewinnen soll. Auch Narconon ist eine solche Nonprofit-Organisation. Sie schreibt öffentliche Drogenstellen an, um ihre Dienste bei der Rehabilitation von Drogensüchtigen anzubieten. Dabei wird genau gleich verfahren wie bei Criminon. Hinter der grosszügigen Hilfestellung lauert leider nichts weiter als eine gross inszenierte Werbeaktion für Scientology.

Angeblich grosser Erfolg

Allem Anschein nach haben die Organisationen grossen Erfolg mit ihren Rehabilitierungsprogrammen, was das Beispiel von England zeigt: Dort stehen unzählige Inhaftierte mit Criminon in Kontakt. Da es sich um einen legalen Briefverkehr handelt, dürfen die Kontaktgesuche von Criminon den Gefängnisinsassen nicht vorenthalten werden.

Doch warum kann gegen solche Organisationen nichts unternommen werden? Die Gründe liegen darin, dass keine Verletzung der Grundrechte vorliegt, die ein Einschreiten der Behörden erfordern würden. Der Pressesprecher eines Justizministeriums gab der Zeitung «Sun» die Auskunft, dass Criminon und ähnliche Gruppierungen keine nationale Bedrohung der Sicherheit im eigentlichen Sinne darstellten. Ausserdem handle es sich dabei um registrierte Wohltätigkeitsverbände.

Erstellt: 09.04.2010, 20:13 Uhr

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