Serbischer Warlord in Australien gefasst

Der mutmassliche serbische Kriegsverbrecher Dragan Vasiljkovic wurde festgenommen. Er war als Golflehrer in Australien untergetaucht.

Feedback

Tragen Sie mit Hinweisen zu diesem Artikel bei oder melden Sie uns Fehler.

Die australische Polizei hat den mutmasslichen serbischen Kriegsverbrecher Dragan Vasiljkovic festgenommen. Der als Kapetan Dragan bekannte Ex-Milizenführer befand sich seit anderthalb Monaten auf der Flucht. Er sei am Mittwoch im Bundesstaat New South Wales gestellt worden, teilten die australischen Behörden mit. Ende März hatte der Oberste Gerichtshof Australiens entschieden, dass Vasiljkovic nach Kroatien ausgeliefert werden kann. Die kroatische Justiz wirft Vasiljkovic vor, er habe als Chef einer serbischen paramilitärischen Einheit zu Beginn der 90er-Jahre gefangene kroatische Soldaten und Polizisten foltern und ermorden lassen. Zu den mutmasslichen Opfern von Vasiljkovic gehört auch Egon Scotland, der als Reporter der «Süddeutschen Zeitung» am 26. Juli 1991 in der kroatischen Ortschaft Jukinac angeschossen wurde und kurz darauf starb. Der Mord an Scotland sei Gegenstand der Anklage, heisst es im kroatischen Justizministerium.

Der 55-Jährige Vasiljkovic hat sämtliche juristischen Mittel ausgeschöpft, um seine Überstellung nach Kroatien zu verhindern. Nun muss der australische Innenminister einer Auslieferung zustimmen. Die Regierung in Zagreb rechnet damit, dass Vasiljkovic in wenigen Monaten vor Gericht gestellt werden kann. Seine Festnahme erfolgte in enger Zusammenarbeit mit der niederländischen Polizei, die seit Tagen Hinweisen nachgegangen war, wonach sich der gesuchte Ex-Warlord nach Europa abgesetzt habe. Ein Sprecher der niederländischen Generalstaatsanwaltschaft sagte, die Ermittlungen hätten ergeben, dass sich Vasiljkovic in Australien aufgehalten habe. Vasiljkovic ist australischer und serbischer Staatsbürger. Er war bereits 2006 ein erstes Mal festgenommen worden, nachdem eine australische Journalistin ihn aufgespürt hatte.

Ihm drohen 20 Jahre Haft

Vasiljkovic lebte seit 2003 an der australischen Westküste als Golflehrer unter dem Namen Daniel Snedden. In Kroatien drohen ihm 20 Jahre Haft, wenn ihm die Schuld nachgewiesen wird. Vasiljkovic verliess zu Beginn der 90er-Jahre seine Wahlheimat Australien und zog in den Balkan-Krieg, um für ein Grossserbien zu kämpfen. Damals wurde er in Serbien zum Nationalhelden hochgejubelt. In einem Dokumentarfilm des Belgrader Journalisten Filip Svarm über die Kriegsverbrechen und die schmutzigen Geschäfte der serbischen paramilitärischen Einheiten räumt Vasiljkovic bereitwillig ein, dass er vom Regime des Autokraten Slobodan Milosevic nach Kroatien entsandt worden sei, um den Widerstand der dortigen serbischen Minderheit gegen die Abspaltung der Adriarepublik von Jugoslawien zu unterstützen. Beim Sturz von Milosevic im Herbst 2000 half er kurzzeitig der prowestlichen Opposition, indem er in Belgrad ein Fernsehgebäude einnahm. Nach der Festnahme und der Überstellung Milosevics an das UNO-Tribunal in Den Haag wähnte er sich nicht mehr in Sicherheit und reiste zurück nach Australien.

Vasiljkovic lehnt eine Auslieferung an Kroatien ab mit dem Argument, die Justiz des Balkanlandes sei nicht unabhängig. Zu einem anderen Schluss kommt die Organisation für Sicherheit und Zusammenarbeit in Europa: Die kroatische Justiz habe wichtige Fortschritte erreicht und respektiere die Rechte der Minderheiten, heisst es in jüngsten OSZE-Berichten. Massgeblich zu diesem Erfolg des Gerichtswesens hat der bisherige Justizminister Ivan Simonovic beigetragen. Der ehemalige Diplomat und parteilose Politiker wird in diesem Sommer Assistent von UNO-Generalsekretär Ban Ki-moon für die Menschenrechte.

(Tages-Anzeiger)

Erstellt: 13.05.2010, 23:21 Uhr

Lebte jahrelang unbehelligt unter falschem Namen als Golflehrer in Australien: der serbisch-australische
Doppelbürger Dragan Vasiljkovic.

Kommentare

Abo

Abo Digital - 26 CHF im Monat

Den Tages-Anzeiger unbeschränkt digital lesen, inkl. ePaper. Flexibel und jederzeit kündbar.
Jetzt abonnieren!

Die Welt in Bildern

Trigger für Höhenangst: Ein Besucher der Aussichtsplattform des King Power Mahanakhon Gebäudes in Bankok City posiert fürs Familienalbum auf 314 Meter über Boden. (16. November 2018)
(Bild: Narong Sangnak/EPA) Mehr...