«Sie riefen: ‹Das ist für Allah!›, und stachen zu»

Passanten und Reporter berichten vom brutalen Terroranschlag in der britischen Hauptstadt.

«Ich war wehrlos»: Gerard berichtet, wie er die Angreifer zu stoppen versuchte. (3. Juni 2017) Video: Tamedia/BBC

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Ein Lieferwagen fuhr am Samstagabend kurz nach 22 Uhr (Ortszeit) in Fussgänger. Dann verliessen drei Täter das Fahrzeug und stachen beim nahe gelegenen Borough Market auf Menschen ein. Mindestens sechs Menschen kamen ums Leben, zahlreiche wurden verletzt. Der britische Sender BBC hat verschiedene Augenzeugen interviewt.

Gerard versuchte nach eigenen Angaben, die Angreifer zu stoppen. «Ich hab ihnen Flaschen, Gläser und Stühle angeworfen. Aber schlussendlich war ich wehrlos. Wäre ich umgefallen, hätten sie mich auch noch umgebracht.» Die Angreifer hätten auf wahllos auf alle Passanten eingestochen. «Sie riefen: ‹Das ist für Allah!›, und erstachen ein Mädchen. Ich weiss nicht mehr wie oft, zehn, fünfzehn Mal. Sie schrie nach Hilfe, aber ich konnte einfach nichts machen.»

«Fahrer wollte möglichst viele Menschen erwischen»

Laut Augenzeugen steuerte der Lieferwagen gezielt auf Passanten zu. BBC-Reporterin Holly Jones berichtete, der Wagen sei rund 80 Stundenkilometer schnell gewesen und auf dem Trottoir in eine Menschenmenge gefahren. Sie habe mehrere Verletzte gesehen. Ein weiterer Augenzeuge sagte dem Sender BBC, der Lieferwagen sei im Zickzack-Kurs gefahren, «er hat versucht, so viele Menschen wie möglich zu erwischen».

Der Lieferwagen kam laut einer weiteren Augenzeugin am Geländer der Brücke zum Stehen. Anschliessend sei ein Mann mit einem Messer herausgekommen und in Richtung einer nahe gelegenen Bar gerannt. Andere Zeugen berichteten, es seien mehrere Männer aus dem Fahrzeug gesprungen.

Mit 30 Zentimeter langen Klinge bewaffnet

«Ein Koch mit Blut auf der Schulter hat mir erzählt, dass drei Leute sein Restaurant mit Messern und Macheten angegriffen haben», berichtet Anwohner Gerard Kavanar. Das Ehepaar Ben und Natalie stand vor dem Lebensmittelmarkt Borough Market nahe der Brücke: «Wir haben Leute wegrennen sehen, und dann habe ich einen rot gekleideten Mann mit einer langen Klinge – schätzungsweise 30 Zentimeter lang – gesehen, der mehrmals auf einen Mann einstach», schilderten sie dem Sender BBC das Geschehen. Das Opfer sei zu Boden gesunken. «Dann haben wir drei Schüsse gehört und sind gerannt.»

CNN zufolge drangen im Bereich Borough Market zwei Männer in ein Restaurant ein und stachen einer Kellnerin in den Hals und einem Mann in den Rücken. «Das war wie ein Amoklauf», zitierte der britische Nachrichtensender BBC einen Zeugen. Anschliessend seien die Täter zu Bars und Restaurants in der Umgebung gelaufen und hätten gerufen: «Dies ist für Allah».

Gemäss dem «Wall Street Journal», dem ein entsprechendes Video zugespielt wurde, wurden drei Männer mit an ihren Oberkörpern angeschnallten Kanistern gesichtet. Einer soll zudem mit einer Machete bewaffnet gewesen sein.

Wenige Monate nach Westminster-Bridge-Attacke

Bei den Bewohnern Londons wecken die Vorfälle düstere Erinnerungen: Am 22. März war ein Angreifer auf der Westminster Bridge in eine Menschenmenge gerast, vier Menschen starben. Anschliessend erstach der Mann vor dem Parlamentsgebäude einen Polizisten, bevor er erschossen wurde.

«Es ist furchtbar, dass sich das so schnell wiederholt und dass solche Vorfälle so häufig geworden sind», sagt der 23-jährige Londoner Jacob Chick nahe der London Bridge.

Und erst vor knapp zwei Wochen gab es in Manchester einen weiteren Terroranschlag mit über 20 Toten. (roy/sda/afp)

Erstellt: 04.06.2017, 09:43 Uhr

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