Silvio Berlusconi ist plötzlich lammfromm

Italiens Ex-Premier gibt den Tierschützer und Vegetarier – allerdings nicht ganz zufällig.

Herzerwärmend fürsorglich: Silvio Berlusconi. Video: Lega Italiana Difesa Animali e Ambiente

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Silvio Berlusconi ist wieder da, wie neu erfunden, mit 80 Jahren. Die Italiener erleben ihren früheren Premier gerade in einer herzerwärmend fürsorglichen Pose, die nicht so gut zu seinem alten Image passt. Ein Video zeigt ihn mit einem seiner fünf Lämmer, die er vor dem «Blutbad des Osteressens» gerettet hat und im satten Gras vor seiner Villa San Martino in Arcore weiden lässt. Es muss Fiocco di Neve sein, Schneeflocke. Er wiegt das zarte Geschöpf im Arm, gibt ihm Milch mit dem Fläschchen. Bukolischer geht es kaum. Vor nicht so langer Zeit war San Martino noch das Set für «Bunga-bunga» gewesen. Nun blüht da die Unschuldsidylle.

Die Bilder sind Teil einer Kampagne der Liga für Tier- und Umweltschutz. «Entscheide dich für das Leben», heisst der Slogan daraus, «entscheide dich für ein vegetarisches Osterfest.» Vegetarisch war «Pasqua» in Italien bislang nie. Nach alter Tradition gibt es an Ostern immer Lamm, vom Grill oder aus dem Ofen mit Kartoffeln an Rosmarin und Thymian. Fast eine Million Tiere wird dafür jeweils geschlachtet. Und wie bei allem, das so ist, wie es immer war, lässt sich auch diese Tradition hinterfragen. Nur wirkt die Rolle des Tierschützers mit Silvio Berlusconi irgendwie fragwürdig besetzt.

«Da ist er wieder»: Silvio Berlusconi und die geretteten Lämmer. Video: Michela Vittoria Brambilla, Youtube

Im Video treten auch die beiden Frauen auf, die für die plötzliche Verwandlung verantwortlich sein sollen: Berlusconis tierliebe Verlobte Francesca Pascale und Michela Vittoria Brambilla, Präsidentin der Tierschützer und Abgeordnete von Forza Italia. Im Haushalt Berlusconis tummeln sich mittlerweile acht Hunde, von denen manche aus nicht so schönen Tierheimen befreit wurden. Die Zeitung «Corriere della Sera» weiss die Namen der meisten: Dudù, Dudina, Wendy, Trilly, Marley und Sole. Hört sich verspielt an. Dass die Öffentlichkeit davon erfährt, ist eher nicht zufällig. Tierschutz ist offenbar ein politischer Markt mit wachsendem Potenzial.

Hoffen auf die Macht

Unlängst hörte man Berlusconi sagen, in Italien lebten acht Millionen Hunde und zwölf Millionen Katzen, die ihren Herrchen alles bedeuteten. Frage man Italienerinnen, wen sie vorzögen, ihr Hündchen oder ihren Ehemann, würden 73 Prozent den Hund nennen. Die Quelle für diese erschütternde Erkenntnis nannte er nicht. Einmal sagte Berlusconi, wer Haustiere quäle, gehöre ins Gefängnis. Auch dafür gab es viel Applaus. Der «Corriere» schreibt nun: «Wenn man ihn so sieht, wie er ein Lamm herzt, kann man nicht anders, als ihn wenigstens ein bisschen zu mögen.» Die Operation scheint also zu gelingen.

«Da ist er wieder», titelt auch das Nachrichtenmagazin «L’Espresso». Gemeint ist Berlusconis Comeback als Makler der Macht. Von allen Parteiführern ist er der einzige, der für die Wahlen 2018 mehrere Optionen zu haben scheint. Er kann es erneut als Chef des rechten Lagers versuchen, obschon seine Forza Italia auf zwölf Prozent abgesackt ist: Noch immer ist er da die prägende Figur. Oder er kann sich als Partner einer Grossen Koalition mit der linken Mitte empfehlen, um die Protestpartei Cinque Stelle zu verhindern. Sollte der Europäische Gerichtshof in Strassburg auch seine Unwählbarkeit aufheben, die er sich durch eine definitive Verurteilung wegen Steuerbetrugs eingehandelt hatte, könnte Berlusconi sogar auf eine Rückkehr an die Macht hoffen. In neuer Rolle, mit Lamm im Arm.

(Tages-Anzeiger)

Erstellt: 10.04.2017, 23:50 Uhr

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