«Sinnlos und gefährlich»

Bei seinem Besuch in Wien hat der russische Ministerpräsident Wladimir Putin das von der EU favorisierte Gaspipeline-Projekt Nabucco scharf kritisiert.

Nicht ganz einverstanden: Russland Premierminister Wladimir Putin im Gespräch mit Österreichs Bundeskanzler Werner Faymann.

Nicht ganz einverstanden: Russland Premierminister Wladimir Putin im Gespräch mit Österreichs Bundeskanzler Werner Faymann. Bild: Reuters

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Bei seinem Besuch in Wien hat der russische Ministerpräsident Wladimir Putin das von der EU favorisierte Gaspipeline-Projekt Nabucco scharf kritisiert. Danach unterzeichnete Putin mit Österreich ein Abkommen zum Bau eines Teilstücks der Konkurrenz-Pipeline South Stream.

Österreich ist am Nabucco-Projekt wie an South Stream beteiligt. «Wir sehen da keinen Interessenkonflikt», sagte der österreichische Bundeskanzler Werner Faymann (SPÖ) am Samstag. Österreich habe mehrere Möglichkeiten und spiele diese nicht gegeneinander aus. Zudem wisse man noch nicht, wie die Gaslieferungen bei Nabucco zustande kommen sollen.

Harsche Kritik am Nabucco-Projekt äusserte Putin: Es sei sinnlos und gefährlich, eine Pipeline zu bauen, ohne Lieferverträge zu haben, sagte der russische Ministerpräsident bei der gemeinsamen Pressekonferenz mit Faymann.

Kein Verständnis aus Moskau

Putin äusserte Unverständnis darüber, dass Länder bestrebt sein könnten, von russischen Energielieferungen unabhängig zu sein. Weltweit gebe es kein Land mit ähnlichen Gasvorräten wie in Russland, sein Land könne die Interessen der Energieabnehmer auf Jahre befriedigen. Nabucco sei sicherlich eine Konkurrenz zu South Stream, «aber wir haben nichts dagegen».

Die Gaspipeline South Stream wird von dem russischen Gasmonopolisten Gasprom gemeinsam mit der italienischen Eni geplant. Die Leitung soll von Beregowaja an der östlichen Schwarzmeerküste durch das Schwarze Meer bis nach Bulgarien und von dort aus in zwei Strängen nach Ungarn und Österreich sowie nach Griechenland und Italien führen.

EU favorisiert Nabucco

Die EU favorisiert das Nabucco-Projekt, mit dem die Abhängigkeit von russischen Energielieferungen verringert werden soll. Durch Nabucco soll ab 2014 Gas vom Kaspischen Meer nach Europa strömen - unter Umgehung Russlands. Die Pipeline kostet rund 8 Milliarden Euro.

Russland setzt alles daran, um das Gas über South Stream liefern zu lassen. Die Kapazität von South Stream liegt zunächst bei 31, später bei bis zu 63 Milliarden Kubikmetern pro Jahr. Die ersten Lieferungen sind für 2013 geplant.

Im Anschluss an seinen offiziellen Besuch wollte Kampfsport-Fan Putin am Abend die Judo-Europameisterschaft in Wien besuchen. Der Politiker trägt selbst den schwarzen Gürtel und ist grosser Anhänger der japanischen Sportart. Er hat auch schon eine Anfänger-DVD aufgenommen, in der er verschiedene Griffe präsentiert. (jak/sda)

Erstellt: 24.04.2010, 19:48 Uhr

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