So titeln Zeitungen: «Stinkefinger für Renzi»

Von der «Financial Times» bis zur «Frankfurter Allgemeinen»: Das «No» in Italien wird kritisch kommentiert.

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Italiens Presse spricht auch von einem Votum gegen Renzi. Eine Übersicht mit Kommentaren aus Online-Berichten:

ITALIEN:

«La Stampa»: «Es war ein Votum gegen das Establishment (...). Es haben die Leute gewonnen, das Meer an Leuten, die kein Vertrauen mehr haben, (...) aus der innerlichen und stärker werdenden Überzeugung heraus, dass da draussen irgendwo irgendjemand ist, der an ihrem Unglück Schuld hat, weil die Arbeit fehlt, weil die Garantien aufgeweicht sind, aus sozialem Neid, weil die Geldanlage in der Bank schiefgelaufen ist, weil es die starken Mächte gibt, weil da Europa ist (...). Jeder Einzelne nimmt aus einem anderen Grund an dieser Masse teil, die harte Ablehnung des Establishments der Gauner ist der kleinste gemeinsame Nenner, ein Zustand, der nicht nur Italien betrifft, sondern von der auch der Brexit und Donald Trump erzählen. (...) Es wird für jede Führungsfigur schwierig sein, den Protest in Konsens zu verwandeln.»

«La Repubblica»: «Noch nie hat eine Regierung so viele Reformen in so kurzer Zeit durchgesetzt, es waren ein bisschen mehr als tausend Tage. Noch nie seit 1948 hat ein Premier die Marke von 40 Prozent für seine Partei durchbrochen. Trotzdem kann die herbe Niederlage von Matteo Renzi im Referendum nicht erklärt werden, ohne einen dritten Rekord zu erwähnen: Noch nie hat es ein Politiker so schnell geschafft, ein parteiübergreifendes Gefühl erwachsen zu lassen (...), das von der extremen Rechten bis zur extremen Linken reichte und schliesslich in der Spaltung der eigenen Partei mündete: den Anti-Renzismus.»

«Corriere della Sera»: «Es war nicht unmöglich, das vorherzusehen. (...) Der Fehler von Renzi war nicht nur, das Referendum über «seine» Reform zu personalisieren; es überhaupt zu machen oder besser gesagt, die Abstimmung zu erbeten, war der Fehler. Es ist nicht zwecklos, daran zu erinnern, dass das Referendum nicht obligatorisch war. (...) Doch Renzi wollte nicht darauf warten, bis die Opposition eine Antwort des Volkes verlangt; er hat sie selbst eingefordert, um seinen seit Beginn da gewesenen Schwachpunkt gutzumachen, die Erbsünde, nie eine politische Wahl gewonnen zu haben. Aber es ist das eine, seine eigene Arbeit gegen die oppositionellen Kräfte zu verteidigen (...). Das andere ist, eine Volksabstimmung über sich selbst auszurufen.»

ÖSTERREICH

«Der Standard»: «Italien - das hat auch Renzi erkannt und danach, wenngleich unglücklich, gehandelt - muss dringend und im grossen Stil reformiert werden...Doch nun wurde auf einem im Wesentlichen guten Weg viel Zeit verloren - im besten Fall. Im schlechtesten Fall droht Europa ein Problem, zu dem Griechenland im Vergleich leicht zu managen war.»

SPANIEN

«El Pais»: «Ein Stinkefinger für Matteo Renzi. Die Eitelkeit und Mehrdeutigkeit des Referendums besiegen den persönlichen Volksentscheid des Ministerpräsidenten.»

GROSSBRITANNIEN

«Financial Times»: «Bei den Regierungen und auf den Finanzmärkten der EU wird sich angesichts des Debakels Matteo Renzis mit Italiens Verfassungsreform die Unruhe wegen des Risikos politischer und finanzieller Instabilität im drittgrössten Land der Eurozone intensivieren.»

«The Times»: «Der weltweite Backlash gegen das Establishment hat mit einem Ergebnis, dass heute Schockwellen durch die Finanzmärkte und Hauptstädte Europas senden wird, einen weiteren Skalp gefordert.»

«The Guardian»: «Das Ergebnis des Referendums in Italien könnte für die Fünf-Sterne-Bewegung und die Lega Nord zu nichts führen...Es ist klar, dass viele Italiener, die im Referendum mit «Nein» gestimmt haben, keine der beiden Parteien bei einer Parlamentswahl unterstützen würden.»

NIEDERLANDE

«De Telegraaf»: «Das Nein der italienischen Wähler stellt die EU vor ein grosses Dilemma. Durchwursteln ist immer weniger eine Option, aber mehr Schlagkraft würde eine weitere politische Integration bedeuten und die können die meisten Regierungschefs daheim nicht verkaufen.»

BELGIEN

«De Tijd»: «Das ist ein dicker Strich durch die von Berlin gewollte EU-Reform, bei der eine «tatkräftige» Regierungspolitik die Erlasse aus der deutschen Hauptstadt auszuführen hätte. Mit dem Brexit und dem italienischen Nein ist dieses Modell an seine Grenzen gestossen.»

USA

«Washington Post»: «Europas bedrängtes politische Establishment hat am Sonntag erneut eine Runde im Kampf gegen die Anti-Eliten-Bewegung verloren...»

DEUTSCHLAND

«Süddeutsche»: «Renzis Fiasko» lautete die Überschrift in der Süddeutschen. Italiens Premier hätte sich mit dem Referendum verzockt. Sein Rücktritt berge grosse Gefahren für das Land.

«Frankfurter Allgemeine»: «Zu kühn oder zu dumm» titelt die FAZ. Italien habe sich gegen eine Verfassungsreform entschieden – und gegen seinen Regierungschef. Das sei tragisch, denn die Reform wäre sinnvoll gewesen, für Italien und für Europa. Italien stünden wieder einmal unsichere Zeiten bevor. (nag/sda)

Erstellt: 05.12.2016, 10:09 Uhr

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