Trifft es diese Oligarchen, tut es Putin wirklich weh

Nach dem Giftanschlag droht die britische Regierung reichen Kreml-Verbündeten mit Konsequenzen. Kreml-Kritiker Alexei Nawalny sagt, wen es treffen müsste.

Zwei Oligarchen in London: Alischer Usmanow und Roman Abramowitsch.

Zwei Oligarchen in London: Alischer Usmanow und Roman Abramowitsch. Bild: AFP

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In der Affäre um den Giftanschlag auf den Ex-Doppelagenten Sergei Skripal und seine Tochter ist das Ultimatum Londons an Moskau letzte Nacht abgelaufen – und dies ohne Ergebnis. Nach der Ankündigung, 23 russische Diplomaten auszuweisen, erwägt die britische Regierung weitere Sanktionen. Aussenminister Boris Johnson spricht von möglichen Strafaktionen gegen Personen aus Wladimir Putins Umfeld, die in Grossbritannien leben oder Vermögen auf dem Finanzplatz London gelagert haben.

Die britischen Behörden könnten von solchen Personen Auskunft über die Herkunft ihres Vermögens verlangen, sagte Johnson im BBC-Fernsehen. Gegebenenfalls würden diese Personen dann wegen Korruption zur Rechenschaft gezogen. Denkbar wären auch das Einfrieren von Bankkonten oder Einreisesperren. Grossbritannien und insbesondere London ist ein beliebter Wohn- und Rückzugsort von Oligarchen. Man spricht darum auch von Londongrad.

Abramowitsch, Usmanow, Schuwalow

Der bekannte russische Oppositionelle und Kreml-Kritiker Alexei Nawalny hat sich mit einem Vorschlag zur Affäre um den Giftanschlag in Salisbury eingeschaltet. Die Abschaltung des TV-Senders Russia Today oder das Fernbleiben von Offiziellen aus der britischen Politik bei der Fussball-WM in Russland, wie dies von der Regierung in London erworgen wird, würden Putin nicht beeindrucken. Solche Sanktionen würde der russische Präsident vielmehr propagandistisch zu seinem eigenen Vorteil ausnützen.

Nach Ansicht von Nawalny bestehen die einzigen effektiven Sanktionen gegen die Putin-Regierung darin, die in Grossbritannien lebenden Oligarchen mit guten Kreml-Verbindungen des Landes zu verweisen und die Gelder von Putin-Verbündeten bei Banken in London ins Visier zu nehmen. Damit spricht Nawalny die Sanktionen an, die der britische Aussenminister Johnson ins Spiel gebracht hat. Nawalny nennt drei Personen, die die Sanktionen treffen müssten: Abramowitsch, Usmanow, Schuwalow.

Roman Abramowitsch lebt in London. Bekannt ist der Milliardär vor allem als Besitzer des FC Chelsea. Vor einigen Wochen sorgte Abramowitsch für Schlagzeilen. Der Oligarch hatte die Absicht, seinen Wohnsitz in die Schweiz zu verlegen, wie die «SonntagsZeitung» berichtete.

Milliardenschwer ist auch der Geschäftsmann Alischer Usmanow. Er ist unter anderem Generaldirektor eines Gazprom-Tochterunternehmens, Eigentümer des russischen Verlagshauses Kommersant sowie Mitbesitzer beim FC Arsenal London. Igor Schuwalow schliesslich amtiert als erster Stellvertreter des Ministerpräsidenten Russlands. Auch der langjährige enge Putin-Gefährte Schuwalow hat offenbar Reichtum angehäuft, ein Teil seiner Gelder befindet sich auf dem Finanzplatz London.

Freunde seit vielen Jahren: Wladimir Putin und Igor Schuwalow. Foto: Reuters

In der Affäre um den Giftanschlag in Salisbury wird der nationale Sicherheitsrat Grossbritanniens am heutigen Tag über das weitere Vorgehen beraten. Sanktionen gegen Personen der russischen Geld- und Machtelite, die etwa im Zuge der Ukrainekrise ausgesprochen wurden, haben zwar zu Unmut bei den Betroffenen geführt. Sie hatten allerdings keine entscheidenden Konsequenzen auf die Politik des russischen Präsidenten Putin. Relativ schwach blieben auch die Wirtschaftssanktionen, die London nun verstärken könnte. Dabei müssten aber auch andere EU-Mitglieder mitmachen.

Russland wird bald britische Diplomaten ausweisen

Nach der Ausweisung von 23 russischen Diplomaten durch Grossbritannien will Russland offenbar Vergeltungsmassnahmen beschliessen. Moskau wird nach Angaben des russischen Aussenministers Sergei Lawrow bald britische Diplomaten ausweisen, wie «Sputnik News» heute berichtete. Im Fall Skripal beteuert Russland seine Unschuld.

Die britische Premierministerin Theresa May erklärte am Montag, Russland sei «höchstwahrscheinlich» für den Nervengift-Angriff auf den russischen Ex-Agenten Skripal und seine Tochter Julia verantwortlich. Der 66-Jährige und die 33-Jährige waren am 4. März mit lebensgefährlichen Vergiftungserscheinungen in ein Spital eingeliefert worden. Die Täter verwendeten das sehr gefährliche Nervengift Nowitschok. (Tages-Anzeiger)

Erstellt: 15.03.2018, 21:07 Uhr

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