«Unser Gott ist eine Frau»

Eine Gruppe ukrainischer Frauen protestiert mit nackten Brüsten und anderen Provokationen gegen Sextourismus und Diskriminierung. Jetzt hat sie eine Klage am Hals.

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Mitglieder der Frauenrechtsgruppe Femen haben in Kiew tagelang gegen die Verhaftung einer ihrer Mitstreiterinnen am 15. Januar protestiert. Die Aktivistin Inna Shevchenko war festgenommen worden, weil sie gemeinsam mit anderen Frauen in der Innenstadt von Kiew Passanten umarmte und so auf ihre Anliegen aufmerksam machte. Inzwischen ist Shevchenko zwar freigelassen worden. Doch gegen Femen wird nun wegen unbewilligter Demonstration ermittelt.

Femen, das inzwischen rund 300 Mitglieder hat, setzt sich nach eigenen Angaben gegen den Sextourismus und die Diskriminierung von Frauen in der Ukraine ein. Das selbst gesetzte Ziel der 2008 gegründeten Gruppe: «Frauen in der Führung, in ihren intellektuellen Fähigkeiten und moralischen Werten zu stärken.» Ihr Leitspruch: «Unser Gott ist eine Frau, unsere Mission der Protest, unsere Waffen sind nackte Brüste.»

«Die Behörden haben Angst vor dem Anblick nackter Brüste»

Entsprechend ihrem Motto hat die Gruppe in den vergangenen Jahren mehrmals international für Aufsehen gesorgt. Wenn die Frauen auf die Strasse gehen, tun sie dies oft mit nacktem Oberkörper, farbenfrohen Plakaten und lautem Singsang. Im Dezember hielten sich die Aktivistinnen Wasserflaschen in den Schritt und liessen das Wasser wie einen Urinstrahl zu Boden laufen – aus Protest gegen das rein männliche Regierungskabinett. «Unsere Regierung ist eine Herrentoilette» skandierten sie dazu.

Die Präsidentin der Gruppe, die 26-jährige Anna Gutsol, kommt aus der Theaterszene und weiss, wie man Botschaften in Szene setzt. «Die Behörden haben Angst vor dem Anblick nackter Brüste», sagte Gutsol gegenüber CNN – denn sie sorgten für Medienaufmerksamkeit. «Sie haben Angst davor, dass wir uns ausziehen.» Die Aktivistinnen von Femen sind schon mehrmals festgenommen worden und werden nach eigenen Angaben regelmässig von Polizisten festgehalten.

In den Jahren seit ihrer Gründung 2008 hat Femen seine Ziele ständig ausgeweitet: Die Frauen gingen gegen den ihrer Meinung nach hysterischen Umgang mit der Schweinegrippe auf die Strasse, gegen den Einfluss Russlands auf die Ukraine oder gegen staatliche Medienzensur. Seit letztem April hat es sich Femen zum Ziel gesetzt, in das Parlament gewählt zu werden. (oku)

Erstellt: 21.01.2011, 16:17 Uhr

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