Untergetauchter Protestführer meldet sich mit Videobotschaft

Der Tod seines Sohnes machte Davor Dragicevic zum Anführer der Protestbewegung «Gerechtigkeit für David» in Bosnien. Kurz vor der Jahreswende tauchte der Mann aus Banja Luka unter.

«Ich bin nicht geflohen, ich bin nur an einem sicheren Ort», sagt Davor Dragicevic in dem Video. (Screenshot Facebook)

«Ich bin nicht geflohen, ich bin nur an einem sicheren Ort», sagt Davor Dragicevic in dem Video. (Screenshot Facebook)

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Der vor acht Tagen untergetauchte Anführer der Protestbewegung in der bosnischen Serben-Republik, Davor Dragicevic, hat sich mit einer Videobotschaft an die Öffentlichkeit gewandt.

«Sie können mich physisch umbringen, aber die Wahrheit über David, die Gerechtigkeit für David können sie mir niemals wegnehmen», sagte der Vater des im März 2018 ermordeten David Dragicevic in dem Video, das die Facebook-Seite «Pravda za Davida» (Gerechtigkeit für David) am Montag veröffentlichte.

Der damals 21-jährige David Dragicevic war am 24. März nahe Banja Luka tot in einem Flussbett aufgefunden worden. Sein Vater war von Anfang an davon überzeugt, dass der Sicherheitsapparat der Republika Srpska (Serbische Republik) für seinen Tod verantwortlich sei. In der Folge formierte sich die Protestbewegung «Gerechtigkeit für David», die eine Aufklärung der Tat fordert.

Die Regierung des serbischen Landesteils bestritt stets die Vorwürfe, dass staatliche Stellen dahinterstecken würden. Im Juli 2018 leitete die Staatsanwaltschaft in Banja Luka Ermittlungen gegen unbekannt wegen Mordes ein. Bislang wurden keine Ergebnisse bekannt.

Die Demonstrationen mit zum Teil Tausenden Teilnehmern richteten sich zunehmend auch gegen die politische Führung unter dem damaligen Republikspräsidenten Milorad Dodik, heute Vertreter der Serben im bosnischen Staatspräsidium. Dodik übt informell weiterhin die Macht in der serbischen Landeshälfte aus.

Die Festnahme von Davor Dragicevic löste Proteste aus. (Video: AP)

Davor Dragicevic tauchte kurz vor der Jahreswende unter, nachdem die Polizei gewaltsam gegen die Protestbewegung vorgegangen war. In dem Video vom Montag sagte er lediglich: «Ich bin nicht geflohen, ich bin nur an einem sicheren Ort. Ich habe gesagt: Sie werden mich in nicht töten wie David. Nicht ohne Kampf.» (nag/sda)

Erstellt: 07.01.2019, 22:01 Uhr

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