Varoufakis bei Jauch – war da ein Mittelfinger?

Der griechische Finanzminister trat in der ARD-Sendung auf. Der Moderator spielte eine umstrittene Szene ein.

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Nach den jüngsten Spannungen zwischen Athen und Berlin hat der griechische Finanzminister Giannis Varoufakis für eine Deeskalation geworben. In der ARD-Sendung «Günther Jauch» rief er am Sonntagabend dazu auf, «Stereotype abzubauen» und «Schritte zurück von der Konfrontation» zu gehen. In der umstrittenen Reparationsfrage zeigte sich Varoufakis kompromissbereit, er beharrte aber auf seiner Forderung nach einer neuen Lösung für das griechische Schuldenproblem.

Bei seinem ersten Live-Auftritt im deutschen Fernsehen gab sich Varoufakis teilweise versöhnlich und hob die Bedeutung der europäischen Idee hervor, vermied aber konkrete Festlegungen. «Europa ist unser Haus», betonte er mehrfach und warnte vor einem Auseinanderbrechen der Eurozone durch einen Austritt oder Ausschluss Griechenlands. Fragen nach der konkreten Finanzlage seines Landes, das Berichten zufolge in akuter Zahlungsnot ist, beantwortete der Finanzminister nicht konkret. Er versicherte: «Es ist unsere Absicht, alles zu unternehmen, um jeden Euro zurück zu zahlen.» Die Finanznöte seines Landes bezeichnete er als «unbedeutende kleine Liquiditätsprobleme».

Der Minister bekräftigte zugleich seine Forderung nach einer Umstrukturierung der griechischen Schulden und nach einem neuen Vertrag mit den Euro-Partnern. «Helft uns zu wachsen, damit wir die Schulden zurückzahlen können», sagte er.

Hochachtung vor Schäuble

Nach den Irritationen der vergangenen Wochen betonte Varoufakis seine Hochachtung vor dem deutschen Finanzminister Wolfgang Schäuble. Er habe diesen «niemals beleidigt», versicherte er und fügte hinzu: «Es war ein Privileg für mich, Dr. Schäuble zu treffen.» Zwischen Varoufakis und Schäuble hatte es zuletzt auch öffentlich ungewöhnlich deutliche Wortwechsel gegeben. Die griechische Regierung hatte vor wenigen Tagen einen formellen Protest wegen angeblich herabsetzender Äusserungen Schäubles eingereicht.

Eine bei Jauch eingespielte Aufnahme, die zeigt, wie Varoufakis bei einem Vortrag 2013 Deutschland den Mittelfinger zeigt, bezeichnete der Minister als Fälschung. Jauch sagte am Schluss der Sendung, die Frage habe in der kurzen Zeit nicht geklärt werden können.

Finanzminister Giannis Varoufakis bei Günther Jauch. (Video: Youtube/Michael Lang)

Zu Fragen nach deutschen Reparationen für Verbrechen in Griechenland während der Nazi-Zeit sagte Varoufakis, diese sollten getrennt von der griechischen Schuldenkrise behandelt werden. Es gehe dabei nicht um Geld, sondern um moralische Fragen, sagte er. «Von mir aus zahlen Sie einen Euro.»

In scharfer Form verwahrte sich Varoufakis aber gegen Forderungen, den griechischen Verteidigungsminister aus der Regierung auszuschliessen. Zwar distanziere auch er sich von dessen Drohung, Flüchtlinge und womöglich auch potenzielle Islamisten nach Deutschland zu schicken. Aber weder deutsche noch andere Minister hätten das Recht, «hier Instruktionen abzugeben gegenüber einer souveränen Nation». Der deutsche EU-Parlamentspräsident Martin Schulz hatte Athen am Wochenende nahe gelegt, Panos Kammenos aus der Regierung zu entfernen. Auch der bayerische Finanzminister Markus Söder forderte bei «Günther Jauch»: «Schmeissen Sie diesen Minister raus.» (chk/AP/AFP)

Erstellt: 16.03.2015, 04:39 Uhr

Tsipras dementiert Pleite-Gerüchte

Der griechische Regierungschef Tsipras dementierte, dass sein Land vor der Pleite steht. Bei Günther Jauch versicherte Finanzminister Varoufakis seine Hochachtung gegenüber seinem Amtskollegen Schäuble.

Der griechische Regierungschef Alexis Tsipras hat Berichte dementiert, wonach seinem Land noch in diesem Monat die Pleite droht. «Es gibt absolut kein Liquiditätsproblem», sagte Tsipras am Sonntag in Athen nach einem Treffen mit seinem Finanzminister Gianis Varoufakis. Dieser hatte zuvor bereits dem Fernsehsender Alpha TV versichert: «Es gibt kein Problem, die Gelder für Löhne und Renten bereitzustellen.»

Die beiden Politiker reagierten offensichtlich auf Berichte, dass Athen schon Ende des Monats die Pleite drohe. Diese Befürchtung habe Tsipras am Freitag gegenüber EU-Parlamentspräsident Martin Schulz geäussert, berichtete die «Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung» («FAS»).

«Tsipras braucht dringend Geld. Dafür muss er die Eurogruppe und die Europäische Zentralbank von seinem Reformwillen überzeugen, und zwar schon nächste Woche», wurde Schulz von der «FAS» zitiert.

Der Zeitung zufolge muss Athen kommende Woche Kredite von fast einer Milliarde Euro an den Internationalen Währungsfonds (IWF) zurückzahlen sowie für 1,6 Milliarden Euro eine auslaufende Staatsanleihe ersetzen.

Um flüssig zu bleiben, bis die Eurogruppe weitere Hilfe freimacht, will Tsipras neue Schulden bei der EZB aufnehmen. Dem Bericht zufolge fordert er von der Zentralbank, den Rahmen für kurzfristige Anleihen (T-Bills) um zwei bis drei Milliarden Euro zu erhöhen. Das hat die Bank mangels verbindlicher Sparzusagen aus Athen bislang abgelehnt.

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