Varoufakis beklagt sich über Stinkefinger-Debatte

Er werde in der ARD-Sendung schlecht dargestellt, sagt der griechische Finanzminister. Ausserdem taucht ein neuer Kritikpunkt an Moderator Günther Jauch auf.

Der Finger sei hineinmontiert worden, sagt Giannis Varoufakis. (Video: Youtube/Michael Lang)


Feedback

Tragen Sie mit Hinweisen zu diesem Artikel bei oder melden Sie uns Fehler.

Hat er ihn gezeigt oder nicht? Seit am Sonntagabend Giannis Varoufakis bei Günther Jauch auftrat, läuft die Stinkefinger-Debatte. Moderator Jauch spielte einen Zusammenschnitt von Sequenzen über den griechischen Finanzminister ein, darunter auch die Rede an einer Konferenz in der kroatischen Hauptstadt Zagreb im Jahr 2013. «Griechenland sollte einfach verkünden», sagt Varoufakis da, «dass es nicht mehr zahlen kann, und Deutschland den Finger zeigen und sagen: ‹Jetzt könnt ihr das Problem alleine lösen›.»

In der Sendung damit konfrontiert, beharrte Varoufakis darauf, dass das Video gefälscht sei. Er habe nie den Finger gezeigt. Auch heute blieb er bei seiner Darstellung und wiederholte gegenüber «Spiegel online», dass das Video «ohne jeden Zweifel» unecht sei. Zugleich warf er der Jauch-Redaktion vor, diese habe ihn absichtlich schlecht dargestellt.

Alessandro Del Prete, der Mann, der die Sequenzen aus der Rede zusammengeschnitten hatte, beteuerte später via Twitter, er habe das Video nicht gefälscht.

Auch in der Langversion von Varoufakis’ Rede ist bei Minute 40:30 der gestreckte Mittelfinger klar zu sehen.

(Video: Youtube/SkriptaTV)

Möglicherweise ist aber gar nicht entscheidend, ob das Video echt ist oder nicht. Der deutsche Medienjournalist Stefan Niggemeier weist in einem Blogbeitrag auf einen anderen Punkt hin: dass die Aussage des griechischen Finanzministers aus dem Zusammenhang gerissen wurde. Mit der Aufforderung, Deutschland den Stinkefinger zu zeigen, habe sich Varoufakis auf die Situation Griechenlands im Jahr 2010 bezogen. Angesichts der Forderungen von Deutschland und anderen europäischen Ländern für die Rettung des Landes hätte Varoufakis, der damalige Regierungskritiker, sich lieber ein Beispiel an Argentinien genommen und den Staatsbankrott vorgezogen.

In der ARD-Sendung aber bezieht Günther Jauch die Aussage auf die aktuelle Situation: «Herr Minister, die Deutschen zahlen am meisten und werden dafür mit Abstand am meisten kritisiert. Wie passt das zusammen?», fragt er.

Der verantwortliche ARD-Redakteur, NDR-Chefredakteur Andreas Cichowitz, gab dem Medienjournalisten für dessen Kritik mit einem Tweet teilweise recht und räumte ein, man hätte sagen sollen, dass sich die Aussage von Varoufakis auf 2010 bezog.

(thu)

Erstellt: 16.03.2015, 16:08 Uhr

Artikel zum Thema

Varoufakis bei Jauch – war da ein Mittelfinger?

Der griechische Finanzminister trat in der ARD-Sendung auf. Der Moderator spielte eine umstrittene Szene ein. Mehr...

«Die Politik der EZB nimmt uns die Luft zum Atmen»

Griechenlands Finanzminister Giannis Varoufakis empfängt die Rückkehr der Troika nach Athen mit Misstrauen. Die angereisten Finanzkontrolleure dürften nicht mehr in den Ministerien arbeiten. Mehr...

«Griechenland wird seine Schulden niemals zurückzahlen»

Giannis Varoufakis spricht Klartext zur Schuldensituation seines Landes. In einem Interview von Mitte 2014 wählte der heutige Finanzminister in Athen drastische Worte. Das Gespräch wurde erst jetzt ausgestrahlt. Mehr...

Die Redaktion auf Twitter

Stets informiert und aktuell. Folgen Sie uns auf dem Kurznachrichtendienst.

Service

Ihre Spasskarte

Mit Ihrer Carte Blanche von diversen Vergünstigungen profitieren.

Blogs

Von Kopf bis Fuss Warum die «Ikea-Diät» so erfolgreich ist

Geldblog Bleiben Sie finanziell flexibel

Die Welt in Bildern

Abkühlung: Der kleine Gorilla Virunga wird von seiner Mutter Nalani durch den Biopark Valencia in Spanien getragen. Virunga ist der zweite Gorilla, der im Rahmen des europäischen Artenschutzprogrammes geboren wurde. (17.August 2018)
(Bild: Manuel Bruque/EPA) Mehr...