Verdächtiger im Fall Nemzow offenbar gefoltert

Der Tschetschene, der nach dem Mord am russischen Oppositionspolitiker Boris Nemzow die Tat gestanden hat, könnte dies unter Folter getan haben. Die russische Menschenrechtskommission hat dafür deutliche Hinweise.

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Der Hauptverdächtige im Fall des ermordeten Kreml-Kritikers Boris Nemzow ist bei seinen Vernehmungen nach Angaben der russischen Menschenrechtskommission möglicherweise gefoltert worden. «Es gibt Grund zu der Annahme, dass Saur Dadajew unter Folter gestanden hat», sagte Andrej Babuschkin, Mitglied des Menschenrechtsrats beim Kreml, am Mittwoch der Nachrichtenagentur AFP. Dadajew bezeichne sich als «unschuldig». Die russischen Behörden hatten am Wochenende insgesamt fünf Verdächtige festgenommen.

Der Tschetschene, ein früherer Vize-Kommandeur einer tschetschenischen Polizeispezialeinheit, weise «zahlreiche Verletzungen» auf, sagte Babuschkin, der den Hauptverdächtigen am Dienstag in seiner Gefängniszelle besucht hatte. Ausserdem seien an den Hand- und Fussgelenken von Handschellen verursachte «Abschürfungen» zu erkennen; auch Finger und Zehen seien verletzt. «Wir können nicht bestätigen, dass er gefoltert wurde, aber wir haben zahlreiche Verletzungen an seinem Körper entdeckt», sagte Babuschkin.

Freilassung von Freund gegen Geständnis

Der 31-jährige Dadajew habe ihm und einer begleitenden Journalistin und Menschenrechtsaktivisten bei dem Haftbesuch erzählt, dass er nach seiner Festnahme «zwei Tage, in Handschellen und mit einem Stoffsack über dem Kopf» verbringen musste. «Man hat mich die ganze Zeit angeschrien: 'Du hast Nemzow getötet?' Ich habe 'nein' geantwortet», zitierte Babuschkin den Angeklagten.

Dadajew habe weiterhin angegeben, zusammen mit einem früheren Kollegen in der Kaukasusrepublik Inguschetien festgenommen worden zu sein. Die Ermittler hätten ihm die Freilassung seines Freundes versprochen, wenn er gestehe. «Ich habe eingewilligt. Ich dachte, ich würde ihn retten und sie würden mich lebend nach Moskau bringen. Ich dachte, sie würden mich nach Moskau bringen und ich wäre imstande, dem Gericht die volle Wahrheit zu sagen», zitierte Babuschkin weiter aus dem Gespräch mit dem Häftling.

Ermittlungskomitee protestiert

Das einflussreiche russische Ermittlungskomitee verurteilte Babuschkins Äusserungen als Gesetzesverstoss und kündigte an, ihn und seine Begleiterin wegen einer möglichen «Einmischung in eine Strafsache» vernehmen zu wollen. Es werde ermittelt, um ihre Motive zu klären, teilte das Komitee mit.

Der 55-jährige Nemzow war am 27. Februar auf einer Brücke im Zentrum Moskaus erschossen worden. Die Ermordung des Regierungsgegners löste in Russland und weltweit Bestürzung aus. Der frühere Vize-Ministerpräsident war einer der prominentesten Widersacher von Staatschef Wladimir Putin und ein entschiedener Kritiker der russischen Ukraine-Politik.

Der Tschetschene Dadajew gestand nach Justizangaben eine Beteiligung an der Tat. Er und ein weiterer Tschetschene wurden wegen Mordes angeklagt und ebenso wie die drei weiteren Verdächtigen in Untersuchungshaft genommen.

(rub/AFP)

Erstellt: 11.03.2015, 15:01 Uhr

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