Vier mögliche Kanzlerkandidaten der Union

Nach dem unerwarteten Rücktritt von CDU-Chefin Annegret Kramp-Karrenbauer stehen bereits vier mögliche Kandidaten bereit. Die Übersicht.

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Armin Laschet


Armin Laschet, 58 Jahre alt, Ministerpräsident von Nordrhein-Westfalen. Foto: Markus Hintzen (Laif)

Als Ministerpräsident des be­völkerungsreichsten deutschen Bundeslandes Nordrhein-Westfalen und stellvertretender Parteivorsitzender ist Armin Laschet sozusagen ein natürlicher Kandidat für die Nachfolge an der Spitze der CDU. Der gebürtige Aachener Jurist hat Angela Merkels Ausrichtung der Partei zur Mitte hin im letzten Jahrzehnt stets verteidigt, sei es in der Flüchtlingspolitik oder bei der Frage des Klimaschutzes.

Er vertritt den rheinisch-katholischen, christlich-sozialen und gesellschaftspolitisch liberalen Flügel der Partei. Durch seine abwägende Art polarisiert er weniger als seine wahrscheinlichen Rivalen Friedrich Merz und Jens Spahn. Schon früh hat er sich für eine Zusammenarbeit mit den Grünen starkgemacht. Falls die beiden in den Umfragen derzeit stärksten Parteien nach der Bundestagswahl koalieren wollten, wäre er der richtige Kanzler – oder Vizekanzler.

Jens Spahn


Jens Spahn, 39 Jahre alt, Gesundheitsminister von Angela Merkel. Foto: Filip Singer (EPA)

Der ehrgeizige junge Gesundheitsminister Jens Spahn stammt aus dem Münsterland, nahe der Grenze zu den Niederlanden. ­Bereits als 22-Jähriger eroberte er einen Sitz im Bundestag. Er entwickelte dabei die Kunst, sich bekannt zu machen, indem er ­regelmässig gegen die Parteimeinung polemisierte, gerne auch als Kritiker von Parteichefin Angela Merkel. So wurde er zu einer Stimme der Jüngeren und Konservativeren in der CDU.

Obwohl er Merkels Flüchtlingspolitik 2015/16 stark kritisiert hatte, nahm ihn die Kanzlerin 2018 ins Kabinett auf, als Gesundheits­minister. Dort war er einer der wenigen, die für Furore sorgten, weil er Gesetze im Akkord entwickelte und Probleme frontal anging. Gleichzeitig zeigte er sich seinen Chefinnen gegenüber stets loyal. Ende 2018 bemühte er sich ebenfalls um die Nachfolge Merkels. Er unterlag in der ersten Runde, galt danach aber trotzdem als einer der Gewinner.

Friedrich Merz


Friedrich Merz, 64 Jahre alt, Finanzexperte, ehemals Generalsekretär. Foto: Dominik Butzmann (Laif)

Wie Laschet und Spahn stammt Friedrich Merz aus einer traditionellen Hochburg der CDU in Nordrhein-Westfalen, dem Sauerland. Der Jurist machte in der CDU nach dem Ende der Ära von Helmut Kohl Karriere und war von 2000 bis 2002 Chef der Bundestagsfraktion. Als ihn die damalige Parteichefin Angela Merkel aus dem Amt drängte, schied er nach und nach aus der Politik aus und wurde ein hoch bezahlter Wirtschaftsanwalt.

Im Dezember 2018 bewarb er sich um die Nachfolge Merkels an der Spitze der Partei, unterlag aber Annegret Kramp-Karrenbauer um wenige Stimmen. Der glänzende Redner ist vor allem bei der konservativen Basis beliebt, in Wirtschafts- und Unternehmerkreisen, bei der Jungen Union und der AfD-nahen Werteunion. Weniger Freunde hat er bei den Delegierten der Partei, die ihm übel nehmen, dass er sich über ein Jahrzehnt lang nicht für die Partei engagiert hat.

Markus Söder


Markus Söder, 53 Jahre alt, Ministerpräsident von Bayern und CSU-Chef. Foto: Xinhua, eyevine, Laif

Der Nürnberger Markus Söder ist seit März 2018 bayerischer Ministerpräsident und seit einem Jahr Chef der CDU-Schwesterpartei CSU. Früher war der Jurist als konservativer Hardliner und Provokateur bekannt, doch seit er Regierungschef ist, hat er an Statur und Gelassenheit gewonnen. Spektakulär waren seine plötzliche scharfe Abgrenzung von der AfD und die Zuwendung zu mehr Umwelt- und Klimaschutz.

Aufgrund der Schwäche von Annegret Kramp-Karrenbauer an der Spitze der CDU wurde Söder zuletzt manchmal als möglicher Kanzlerkandidat der Union ins Spiel gebracht. Der Franke hat dies bisher stets ausgeschlossen – er habe in Bayern noch zu tun. Zudem hätten es Kanzlerkandidaten der CSU im Bund immer schwer gehabt, was sowohl sein Idol Franz Josef Strauss (1980) wie auch sein Mentor Edmund Stoiber (2002) zu spüren bekommen hätten. Aber bei Söder weiss man nie.

Erstellt: 10.02.2020, 23:09 Uhr

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