Vom Boulevard-Thron direkt ins Gefängnis

Rebekah Brooks, die «Königin der Boulevardblätter», ist tief gefallen. Die Medienmanagerin und enge Vertraute von Medienmogul Rupert Murdoch wurde im Zuge der Ermittlungen zum Abhörskandal festgenommen.

Von der Jägerin zur Gejagten: Paparazzi-Aufnahme von Rebekah Brooks. (15. Juli 2011)

Von der Jägerin zur Gejagten: Paparazzi-Aufnahme von Rebekah Brooks. (15. Juli 2011) Bild: Reuters

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Die 43-Jährige mit den markanten roten Locken steht im Verdacht, in ihrer Zeit als Chefredaktorin des Boulevardblatts «News of the World» das Abhören von Mailboxen und die Bestechung von Polizisten wenn nicht in Auftrag gegeben, so doch zumindest gedeckt zu haben.

Im Medienimperium Murdochs hat Rebekah Brooks einst klein angefangen. Doch über die Jahre brachte es die begnadete Netzwerkerin nicht zuletzt dank der Protektion Murdochs bis an die Spitze seiner britischen Zeitungsgruppe News International.

Auch als Anfang Juli Brooks nach Enthüllungen, wonach «News of the World» die Mailboxen eines entführten und später ermordeten Mädchens sowie von Angehörigen getöteter Soldaten abgehört hatte, unter Druck geriet, hielt Murdoch weiter die Hand schützend über sie.

Murdochs schützende Hand

Als er in Grossbritannien eintraf, um die Wogen im Abhörskandal zu glätten, wurde der Medienmogul von Reportern nach seiner Priorität gefragt. «Die da», antwortete der 80-Jährige und zeigte auf die fast 40 Jahre jüngere Brooks an seiner Seite. Als der Druck weiter stieg, schloss Murdoch die «News of the World» und zog sein Übernahmeangebot für den britischen Bezahlsender BSkyB zurück.

Doch am Ende reichte es alles nichts: Brooks war nicht länger zu halten und trat am Freitag von ihrem Posten zurück. Ein Absturz sondersgleichen, der nun am Sonntag noch tiefer ging: Die 43-Jährige wurde von der Polizei vorgeladen und sofort festgenommen.

Brooks hatte im Murdoch-Konzern einen steilen Aufstieg hingelegt: Bereits als Teenager soll sie den Wunsch gehegt haben, Journalistin zu werden. Nach einem Studium an der Sorbonne in Paris und ersten Stationen bei Provinzblättern fing sie mit 20 Jahren bei der «News of the World» an.

In Kürze ganz nach oben

Dort arbeitete sie sich binnen weniger Jahre ganz nach oben: Im Jahr 2000 wurde Brooks die jüngste britische Chefredaktorin aller Zeiten. Bis 2003 stand sie an der Spitze der «News of the World» - zur Zeit der Abhöraktionen. Eine Mitwisserschaft weist sie zurück.

Nach dem Chefposten bei «News of the World» leitete Brooks die Redaktion des Massenblatts «The Sun», ehe sie 2009 an die Spitze von News International rückte. Während ihrer journalistischen Karriere stiess sie mit umstrittenen Kampagnen immer wieder auf Kritik.

So rief sie etwa ihre Leser auf, verurteilte Sexualstraftäter in ihrer Nachbarschaft an den Pranger zu stellen. Ihr eigenes Privatleben schirmt sie dagegen weitgehend ab. (pbe/sda)

Erstellt: 17.07.2011, 23:30 Uhr

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