Vorerst keine Schweizer Hilfe für Luhansk

Die Behörden der ostukrainischen Stadt Luhansk lassen den Schweizer Hilfskonvoi abblitzen. Das SKH zieht dennoch eine positive Bilanz des Einsatzes.

Trotz ausgefallener Gespräche in Luhansk: Das SKH zieht eine positive Bilanz des Ukraine-Einsatzes.

Trotz ausgefallener Gespräche in Luhansk: Das SKH zieht eine positive Bilanz des Ukraine-Einsatzes. Bild: Michael Fichter/SKH

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Nachdem der Schweizer Konvoi mit Hilfsgütern für die Ostukraine in mehreren Städten beidseits der Front mit offenen Armen empfangen worden war, haben die Behörden in Luhansk im Separatistengebiet dem Korps für humanitäre Hilfe (SKH) die kalte Schulter gezeigt: Ein ursprünglich mit dem zuständigen Ministerium geplantes Treffen fand nicht statt.

Vorgesehen war die Abklärung des Angebots an ein Kinderspital in der Hauptstadt der selbst ernannten separatistischen Volksrepublik Luhansk nahe der russischen Grenze. Das als pro-russisch geltende Gebiet hat kürzlich der Organisation Ärzte ohne Grenzen (MSF) ihre Arbeitserlaubnis entzogen.

SKH-Teamleiter Dieter Dreyer ist dennoch zufrieden mit dem Verlauf der neuesten Schweizer Hilfslieferung: 31 Lastwagen mit gut 500 Tonnen Ladung hatten am Sonntag Dnipropetrowsk in der Zentralukraine verlassen – sechs von ihnen für Krasnoarmejsk und weitere fünf für Mariupol, beides Städte auf Gebiet, das von der ukrainischen Regierung kontrolliert wird.

Die Grenze zum ostukrainischen Separatistengebiet überquerten am Montag schliesslich weitere 20 Lastwagen für die Millionenstadt Donezk.

Geladen waren für die Donbass-Metropole über 300 Tonnen Desinfektions- und Säuberungschemikalien zur Wasseraufbereitung in den Wasserwerken der Region Donezk sowie Medikamente und Verbrauchsmaterial für vier Spitäler.

Trinkwasser für drei Millionen Menschen

Das von der Schweiz gelieferte Chlorpulver reicht für die Trinkwasseraufbereitung für drei Millionen Menschen auf beiden Seiten, wie Dreyer vor Ort einem Reporter der Nachrichtenagentur sda sagte - und zwar bis zum kommenden Frühjahr.

Die Medikamente wiederum garantieren unter anderem 300 Patienten die Fortführung ihrer Chemotherapie für die nächsten drei Monate. Ausserdem können wieder wesentlich mehr Röntgenbilder und Labor-Analysen gemacht werden.

Seit am 21. Juli die meisten Hilfsaktionen in den Separatistengebieten von Donezk und Luhansk von den dortigen De-facto-Behörden gestoppt wurden, warten laut dem UNO-Büro zur Koordination humanitärer Aktionen (OCHA) 16'000 Tonnen an Medikamenten, Nahrungsmitteln, Decken und Gerät in Lagerhäusern darauf, an die Notleidenden verteilt zu werden. Dies entspricht etwa 800 Lastwagen-Ladungen.

Privilegierter Zugang für die Schweiz

Die Schweiz ist derzeit neben dem IKRK und einer tschechischen Organisation die einzige Hilfebringerin. Experten des SKH waren im März dieses Jahres auch die ersten Vertreter eines westlichen Staates, die sich im Ukraine-Konflikt vor Ort ein Bild von der Lage in der Region von Donezk machen konnten.

Sie kamen zum Schluss, dass die Gesundheit von über drei Millionen Menschen durch ungenügend aufbereitetes Trinkwasser gefährdet ist. Erste Schweizer Hilfskonvois für die Ostukraine hatten bereits im Mai und Juni 740 Tonnen Chemikalien zur Trinkwasseraufbereitung sowie medizinische Güter ins Konfliktgebiet gebracht.

Vom Konflikt zwischen ukrainischer Regierung und pro-russischen Separatisten in der Ostukraine sind auf beiden Seiten über 5 Millionen Menschen betroffen, 1,4 Millionen sind als innerukrainische Vertriebene registriert und über eine Million Ukrainer sind in umliegende Länder geflüchtet.

Eine Feuerpause seit Anfang September hat die Lage inzwischen beruhigt. Und eine Vereinbarung von Anfang Oktober sieht den Abzug schwerer Waffen, von Panzern und Artillerie aus einem Streifen von je 15 Kilometern beidseits der Frontlinie vor. (ofi/sda)

Erstellt: 28.10.2015, 18:43 Uhr

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