Was darf Politik?

Die deutsche Satirepartei «Die Partei» hat durchaus eine politische Berechtigung. Eine Replik.

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Man kann «Die Partei» entweder als Satire verstehen, oder als Politik. TA-Redaktor Linus Schöpfer kann sich in seiner Analyse aber nicht wirklich entscheiden. Soll er «Die Partei» als Satire überholt finden – oder als Partei demokratieschädigend? Versuchen wir mal beides.

Darf man der Partei von Satiriker Martin Sonneborn also seine Stimme geben? Oder ist es, wie Schöpfer schrieb, in Zeiten der AfD politisch verwerflich? Erinnern wir uns: «Die Partei» war, Satire hin oder her, tatsächlich die einzige Partei im Wahlkampf 2017, die nicht glamourös in die Falle der AfD tappte. Während Union, FDP, SPD, Linke und Grüne immer mehr nach rechts drifteten, kaperte «Die Partei» Dutzende von rassistischen Facebook-Seiten, nahm unermüdlich AfD-Parolen auseinander und sorgte nicht zuletzt dafür, dass staatliche Zuschüsse zur Parteienfinanzierung nun neu geregelt werden müssen.

Das kann man inhaltlich finden wie man will, aber für eine lumpige Spasspartei mit den Human Resources einer mittleren Dorfmetzgerei sind das ziemlich handfeste politische Aktionen. Ob es generell Sinn macht, winzigen Splitterparteien ohne Aussicht auf Regierungsbildung seine Stimme zu geben, ist eine andere Diskussion.

Aufmerksamkeitsökonomie mit öffentlichen Mitteln

Aber wie ist es mit der Satire? Darf ein Spasstrupp mit Mitteln der öffentlichen Hand Aufmerksamkeitsökonomie betreiben? Nicht erst im Wahlkampf für die Bundestagswahl 2017 bewiesen Sonneborn & Co., wie erschreckend leicht es immer noch ist, noch mit den kindischsten und läppischsten Kunstgriffen die Widersprüchlichkeiten und Idiotien des ernst gemeinten Wahlkampfs freizulegen.

Die Spitzenkandidaten von «Die Partei» sind ja allesamt gestandene Politkabarettisten, deren Kerngeschäft es gerade ist, stets dialektische Verwirrung zu stiften darüber, was nun wie ernst genommen werden soll. Es mag schmerzen, aber es liegt im Wesen der Satire, dass sie sich selten abschliessend und zweifelsfrei moralisch verorten lässt.

Wenn 450'000 mündige Bürger Satiriker wählen, dann hat die Politik ein Problem.

Jan Böhmermann sagte nach dem Skandal um sein Erdogan-Gedicht: «Wenn ein Witz eine Staatskrise auslöst, dann ist das nicht das Problem des Witzes, sondern das des Staates.» Dasselbe gilt auch hier. Wenn sich 450'000 mündige Bürger dazu entscheiden, Satiriker zu wählen statt Politiker, dann hat nicht die Satire ein Problem, sondern die Politik.

In Anbetracht von 1 Prozent «Die Partei» und 13 Prozent AfD müsste die richtige Frage also für einmal nicht «Was darf Satire?» lauten, sondern: «Was darf Politik?» (Tages-Anzeiger)

Erstellt: 02.10.2017, 20:47 Uhr

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