Weshalb Uli Hoeness verhaftet wurde

Bayern-Präsident Uli Hoeness soll nur aufgrund einer Kaution in Millionenhöhe auf freiem Fuss sein. Inzwischen gerät auch sein enger Vertrauter, der CSU-Politiker Horst Seehofer, unter Beschuss.

Feedback

Tragen Sie mit Hinweisen zu diesem Artikel bei oder melden Sie uns Fehler.

Gestern sass Uli Hoeness scheinbar gut gelaunt in der Münchner Allianz-Arena und bejubelte den ungefährdeten Sieg seiner Mannschaft Bayern München gegen das überraschend harmlose Barcelona. Doch in der Zwischenzeit dreht der Fall um seinen Steuerbetrug weiter und immer mehr Details werden bekannt.

So befindet sich Hoeness, laut einem Bericht der «Süddeutschen Zeitung» nur wegen einer Millionenzahlung auf freiem Fuss. Hoeness sei am 20. März vorläufig festgenommen worden. Gegen Zahlung einer Kaution in Höhe von fünf Millionen Euro sei der Haftbefehl kurz darauf aber wieder ausser Vollzug gesetzt worden.

Dem Bericht zufolge kamen die Ermittler am 20. März mit einem Haftbefehl gegen Hoeness zu einer Hausdurchsuchung. Die Justiz soll ursprünglich sieben Millionen Euro an Kaution gefordert haben, damit der 61-Jährige frei bleiben kann. Hoeness habe sich dann in den vergangenen Wochen zweimal pro Woche bei den Behörden melden müssen. Die Auflage sei aber inzwischen ausser Kraft gesetzt worden.

Inzwischen ist auch bekannt, weshalb es zur Verhaftung kam. Die «Süddeutsche Zeitung» berichtet unter Berufung auf «gut informierte Kreise», dass Hoeness in seiner Selbstanzeige eines Schweizer Kontos «nicht alle Geschäfte lückenlos aufgeführt» habe. Die vorläufige Festnahme gilt als ernster Hinweis, dass eine Selbstanzeige von Hoeness wegen unversteuerter Spekulationsgewinne möglicherweise nicht strafbefreiend sein wird.

Adidas streitet Zusammenhang ab

Der Sportartikelhersteller Adidas hat inzwischen einen Zusammenhang zwischen einer 20-Millionen-Zahlung seines ehemaligen Chefs Robert Louis-Dreyfus an Hoeness und seinem Einstieg als Aktionär beim Münchner Verein bestritten. Fünf Millionen Mark seien von Louis-Dreyfus direkt überwiesen worden, fünfzehn Millionen seien eine Bürgschaft für einen Kredit gewesen, hiess es zuvor in Medienberichten.

Hoeness selber sagte gestern gegenüber dem «Tages-Anzeiger», er habe einen Riesenfehler gemacht, der aber seine private Angelegenheit sei und nichts mit dem FC Bayern oder mit seiner Wurstfabrik zu tun habe. Von gewissen Politikern, die zuvor zum Teil mit ihm in engem Kontakt gestanden hätten, fühlte er sich fallen gelassen. Sogar Bundeskanzlerin Angela Merkel hatte ausrichten lassen, sie gehöre «zu den vielen Menschen», die «enttäuscht» seien von Hoeness.

Hingegen nahm Franz Beckenbauer Hoeness in Schutz. «Die Börse war sein Spielzeug, sein Hobby», erklärte der Ehrenpräsident des FC Bayern. «Aber Uli Hoeness ist kein Betrüger. Er hat einen Fehler gemacht.»

Hoeness-Vertrauter Seehofer unter Druck

Unter Druck gerät nun auch der bayerische Ministerpräsident Horst Seehofer (CSU), dem ein enges Verhältnis zu Hoeness nachgesagt wird. Der Vorsitzende der SPD-Bundestagsfraktion, Frank-Walter Steinmeier, forderte von Seehofer Aufklärung, wann und auf welchem Weg er vom Fall Hoeness erfahren habe. «Warum ausgerechnet hat sich der bayerische Ministerpräsident so lange für das Steuerabkommen mit der Schweiz eingesetzt?», sagte Steinmeier in Berlin. «Sind möglicherweise aus der CSU an Herrn Hoeness Informationen geflossen, dass und wann das deutsch-schweizerische Steuerabkommen scheitern würde?» Er wolle auch wissen, ob Hoeness zu den Spendern der CSU gehöre.

Diese Fragen werde die SPD noch in dieser Woche im Bundestag stellen. «Ich kann Herrn Seehofer nur raten, jetzt nicht in ein Versteckspiel einzutreten, sondern öffentlich Farbe zu bekennen und die Fragen zu beantworten», sagte Steinmeier. Die Bayerische Staatskanzlei in München räumte unterdessen ein, Ministerpräsident und CSU-Chef Horst Seehofer habe von den Ermittlungen gegen Hoeness nach dessen Selbstanzeige Kenntnis erlangt, sei aber über Details nicht informiert worden.

Deutsche Opposition fordert härten Umgang

SPD, Grüne und Linke fordern in Deutschland derweil einen härteren Umgang mit Steuerbetrügern. Nach der Affäre um den Präsidenten des FC Bayern München, Uli Hoeness, wollen Sozialdemokraten und Grüne die Hürden für strafbefreiende Selbstanzeigen reuiger Steuerbetrüger weiter erhöhen.

Bisher ermöglichen diese Schwarzgeldanlegern bei voller Aufklärung und Nachzahlung Straffreiheit. Nach Ansicht von SPD-Chef Sigmar Gabriel sollte eine strafbefreiende Selbstanzeige auf Bagatelldelikte begrenzt und das Privileg deutlich eingeengt werden. Eine sofortige und komplette Abschaffung schloss Gabriel aus.

Selbstanzeige soll bleiben

«Trotzdem muss es die Möglichkeit geben für Menschen, die einmalig eine Steuerstraftat begangen haben, auch wieder rauszukommen und nicht jedes Jahr erneut in der Falle zu bleiben», sagte er. Jeder sollte in den nächsten ein, zwei Jahren die Chance haben, sich zu offenbaren. Wichtiger sei, Konten vor dem Fiskus offenzulegen und das Steuergeheimnis fallen zu lassen.

Auch SPD-Kanzlerkandidat Peer Steinbrück verteidigte das Prinzip der Straffreiheit bei einer Selbstanzeige wegen Steuerbetrugs. «Ich bin dafür, dass das Recht auf Selbstanzeige bleibt», sagte er im RBB-Inforadio.

Union und FDP für Fortbestand geltender Regeln

Grünen-Spitzenkandidat Jürgen Trittin sprach sich gegen Straffreiheit bei schweren Betrugsfällen aus. Die bestehende Regelung möge passend sein für Bagatelldelikte, sagte er der Deutschen Presse-Agentur.

Anders sei dies bei der Hinterziehung von mehr als einer Million Euro. Hier sollte eine Strafbefreiung durch Selbstanzeige nicht mehr wirken. Nötig sei mehr Ausgewogenheit.

Die Linke fordert eine komplette Abschaffung des Privilegs. Union und FDP sprachen sich am Dienstag in Berlin für den Fortbestand der geltenden Regeln aus. Sie verwiesen darauf, dass die christlich-liberale Koalition die Vorgaben bereits im Jahr 2011 verschärft habe.

(mrs/AFP/sda)

Erstellt: 24.04.2013, 08:47 Uhr

Bildstrecke

Uli Hoeness – ein Leben für den FC Bayern

Uli Hoeness – ein Leben für den FC Bayern Bayern-Präsident Uli Hoeness gehört zu den Grossen des Weltfussballs.

Artikel zum Thema

Was Schweizer Hoeness-Kenner zur Steueraffäre sagen

Reaktionen «Ich habe einen schweren Fehler gemacht», zitiert «Sport Bild» heute Uli Hoeness vorab. Ex-Bayern-Star Ciriaco Sforza und der Zürcher Fussballexperte Erich Vogel können kaum fassen, was sich um den Präsidenten des deutschen Rekordmeisters abspielt. Mehr...

«Habe schweren Fehler gemacht»

Uli Hoeness bedauert sein Schweizer Konto. Der Präsident des FC Bayern will «reinen Tisch machen». Mehr...

Hoeness' Millionen kamen vom Adidas-Chef

Für Börsenspekulationen zahlte Robert Louis-Dreyfus seinem Freund, dem Bayern-Präsidenten Uli Hoeness, Geld bei der Bank Vontobel ein. Wenig später stieg der Sportartikelhersteller beim Fussballclub ein. Mehr...

Die Redaktion auf Twitter

Stets informiert und aktuell. Folgen Sie uns auf dem Kurznachrichtendienst.

Weiterbildung

Lohncheck in Pflegeberufen

Qualifiziertes Pflegepersonal ist rar. Eine Pflegeinitiative setzt sich darum für höhere Löhne ein.

Kommentare

Weiterbildung

Banken umwerben Frauen

Weltweit steigt das Privatvermögen von Frauen. Banken zeigen, wie dieses gewinnbringend anzulegen ist.

Die Welt in Bildern

Heftiges Wortgefecht: Ein palästinensischer Mann und ein israelischer Soldat geraten aneinander wegen der israelischen Order, eine Schule bei Nablus zu schliessen. (15. Oktober 2018)
(Bild: Mohamad Torokman) Mehr...