Westerwelles Ziehsohn – mit 31 schon fast ganz oben

Als Kind wollte er sein wie James Bond. Mit 22 holte er sich Lorbeeren für ein Buch und nun glättet er, was Guido Westerwelle anrichtet. Wird Christian Lindner eine ganz grosse Nummer?

Der Lehrmeister und sein Schützling: Westerwelle freut sich über den Erfolg Lindners.

Der Lehrmeister und sein Schützling: Westerwelle freut sich über den Erfolg Lindners. Bild: Reuters

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Der smarte Politiker, der mit 14 den Jungen Liberalen und mit 16 der FDP beitrat, war in seiner Laufbahn fast immer der Jüngste. Mit 21 zog er in den Düsseldorfer Landtag ein, mit 25 wurde er nordrhein-westfälischer FDP-Generalsekretär. Nach dem Einzug der FDP in die Bundesregierung nach der Wahl 2009 berief Parteichef Guido Westerwelle den «scharfzüngigen Rhetoriker» zum Generalsekretär der Bundespartei. Auf dem Parteitag in Köln am Samstag wird Lindner, der seit dem 14. Dezember amtiert, offiziell gewählt.

Lindner, der nach eigener Auskunft als Kind so sein wollte wie James Bond, ist im Grunde ein Berufspolitiker. Seine Ausflüge in die Wirtschaft waren nicht von Dauer. Während des Politikstudiums an der Universität Bonn machte er sich für ein paar Jahre mit einer mittelständischen Werbeagentur selbstständig. Ein Internet-Unternehmen, das er nach dem Studium im Jahre 2000 mit drei Partnern gründete, musste nach nur einem Jahr Insolvenz anmelden.

Erneuerung der sozialen Marktwirtschaft

Auf politischem Feld hat das 31-jährige Nachwuchstalent aus dem Bergischen Land hingegen schon viel erreicht. Dass er sich die FDP als politische Heimat ausgesucht hat, begründete Lindner einmal so: «Die Grünen waren mir zu pessimistisch, die CDU zu spiessig und die SPD einfach nur gleichmacherisch.»

Was liberal heisst, ist eine Frage, die ihn bewegt: Mit mehreren Gleichgesinnten seiner Partei fordert er seit 2007 ein neues Grundsatzprogramm, um dem neoliberalen Image der Partei eine soziale Komponente hinzufügen. Zusammen mit Bundesumweltminister Norbert Röttgen von der CDU veröffentlichte er in der «Süddeutschen Zeitung» ein Plädoyer für die Erneuerung der sozialen Marktwirtschaft. Darin forderten beide angesichts der globalen Finanzkrise eine Rückbesinnung auf ethische Massstäbe in der Wirtschaft, die Schonung der natürlichen Lebensgrundlagen und Investitionen in Bildung.

Hartz-IV-Attacken

Der gemeinsame Artikel ist auch ein Beitrag dazu, die wenig harmonische «Wunschkoalition» nach aussen als einig zu präsentieren. Als demonstrativer Schulterschluss war auch ein in der vergangenen Woche veröffentlichtes gemeinsames Interview mit dem CDU-Generalsekretär Hermann Gröhe gedacht.

In seinen vier Monaten als Generalsekretär hatte es Lindner nicht leicht. Er musste zunächst die Wogen glätten, als FDP-Chef Guido Westerwelle mit seinen Äusserungen zu Hartz-IV-Empfängern aneckte. Dann musste er den Aussenminister rechtfertigen, weil der seine Wirtschaftsdelegationen auf Auslandsreisen nach parteipolitischer Nähe zusammengestellt hatte.

«Bambi» macht Familienpolitik

Nicht nur von Politik, auch von Finanzen versteht Lindner einiges. Sein Fachbuch «Die Aktie als Marke - Wie Unternehmer mit Investoren kommunizieren sollen», das er zusammen mit dem Experten Hartmut Knüppel herausgegeben hat, wurde 2001 von der «Financial Times Deutschland» zum «Finanzbuch des Jahres» gekürt. Wenn er könnte, würde er mit Apple-Mitbegründer Steve Jobs mal einen Monat lang tauschen, erklärte Lindner einmal, denn die Computerfirma beeindrucke ihn technologisch und gestalterisch.

In seiner Zeit als Generalsekretär der NRW-FDP kümmerte sich Lindner, der vom inzwischen verstorbenen FDP-Spitzenpolitiker Jürgen Möllemann den Spitznamen «Bambi» verpasst bekam, vor allem um die Kinder-, Jugend- und Familienpolitik. Als Hochschulpolitiker sprach er sich für Studiengebühren und für mehr Autonomie der Hochschulen aus. Nach dem Motto «Koalitionen sind keine Fusionen» betonte er die Eigenständigkeit der FDP. Und er versuchte besonders, den Grünen Stimmen abzujagen.

Erstellt: 23.04.2010, 10:15 Uhr

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