Wie ein Klotz am Bein

Dominique Strauss-Kahn ist zurück in seiner Heimat. Für die Sozialisten wird der ehemalige Chef des Internationalen Währungsfonds zur Hypothek.

Feedback

Tragen Sie mit Hinweisen zu diesem Artikel bei oder melden Sie uns Fehler.

Knapp vier Monate nach seiner Festnahme in New York ist Dominique Strauss-Kahn, in seine Heimat Frankreich zurückgekehrt. Zusammen mit seiner Ehefrau Anne Sinclair landete er am Sonntagmorgen auf dem Pariser Flughafen Roissy Charles de Gaulle. Was kann der ehemalige Chef des Internationalen Währungsfonds nach seiner Rückkehr in die Heimat Frankreich eigentlich noch werden? Bei den Linken, die Strauss-Kahn schon als nächsten Präsidenten Frankreichs sahen, herrscht eine seltsame Mischung aus Genervtheit und Fremdschämen. Die anfängliche Erleichterung, dass der Justizkrimi in den USA nun ein Ende hat, ist der Sorge um den eigenen Wahlkampf gewichen.

Was, wenn Strauss-Kahn sich nun wieder in die Politik hineindrängen will? Vielen Sozialisten wäre es vermutlich am liebsten, ihr einstiger Star würde sich mindestens bis nach den Wahlen in seine Ferienresidenz in Marrakesch zurückziehen und in den Medien möglichst nicht mehr auftauchen. Parteichefin Martine Aubry hatte hartnäckig auf die Unschuldsvermutung verwiesen, solange das Gerichtsverfahren wegen versuchter Vergewaltigung in den USA noch lief. Doch nun distanzierte sie sich deutlich: «Ich denke dasselbe wie viele Frauen, mit Blick auf Strauss-Kahns Verhältnis zu den Frauen», sagte sie.

Kein Respekt gegenüber Frauen

Denn auch wenn das Verfahren wegen Zweifel an der Glaubwürdigkeit der Zeugin eingestellt wurden, bleiben die Fakten: eine sexuelle Begegnung des damaligen IWF-Chefs, die mit Spermaflecken auf der Uniform des Zimmermädchens und dem Teppich endete. «Man kann wohl davon ausgehen, dass eine Dauer von «sieben bis neun Minuten» keine Zeit zum Flirten lässt, und wenn es ein Einverständnis gegeben hat, dann waren die Verhandlungen wohl äusserst kurz», kommentiert Christophe Barbier, Chefredaktor der linken Zeitschrift «L'Express», trocken.

Strauss-Kahn habe es in jedem Fall an Respekt gegenüber Frauen mangeln lassen und ausserdem das Ansehen Frankreichs im Ausland beschädigt, schreibt er. Gerettet habe ihn allein das Schweigerecht. Wenn er in Frankreich je wieder ernst genommen werden wolle, dann müsse er sich endlich zu dem Fall äussern, sich reumütig zeigen und Besserung geloben. «Das Wählergedächtnis ist so kurz, das es manchmal einer Amnestie gleichkommt», meint Barbier.

Anhänger wenden sich ab

Allzu schnell dürfte Strauss-Kahn die Rückkehr in die Politik nicht wagen. Zunächst mal stehen weitere juristische Scherereien an: In Frankreich laufen Vorermittlungen wegen versuchter Vergewaltigung einer jungen Autorin vor acht Jahren. Und in der New Yorker Zimmermädchen-Affäre steht noch der Zivilprozess aus.

Das grösste Problem für Strauss-Kahn dürfte aber der massive Schwund seiner Anhänger sein. Denn die haben sich mittlerweile zu grossen Teilen auf die beiden verbliebenen Anwärter auf die Präsidentschaftskandidatur der Linken verteilt: Martine Aubry und François Hollande.

Kein Wunder, dass sogar seine politischen Freunde nun vorsichtig sind, was die Zukunft ihres Übervaters angeht: «Er wird erst in einigen Monaten in das klassische politische Leben zurückkehren», sagt beispielsweise der Abgeordnete Jean-Maire Le Guen, der sich inzwischen dem Hollande-Lager angeschlossen hat.

(jak/Ulrike Koltermann, dpa, sda)

Erstellt: 04.09.2011, 15:27 Uhr

Artikel zum Thema

Strauss-Kahn in Paris gelandet

Der frühere Chef des Internationalen Währungsfonds ist am Morgen in Frankreich eingetroffen. Am Flughafen Roissy-Charles de Gaulle war ein Grossaufgebot der Polizei im Einsatz. Mehr...

Zimmermädchen von DSK behält den Job

Die Hotelangestellte, die Ex-IWF-Chef Dominique Strauss-Kahn einen sexuellen Übergriff vorwirft, muss nicht um ihren Job bangen. Das New Yorker Hotel hat «keine Absicht», Nafissatou Diallo zu entlassen. Mehr...

Strauss-Kahn verabschiedet sich von IWF-Mitarbeitern

IWF Washington Der frühere IWF-Direktor Dominique Strauss- Kahn hat am Montag die IWF-Zentrale in Washington besucht, um sich von seinen ehemaligen Mitarbeitern zu verabschieden. Mehr...

Bildstrecke

Der Fall Strauss-Kahn

Der Fall Strauss-Kahn IWF-Chef Dominique Strauss-Kahn wurde wegen eines Sexualdelikts in New York angeklagt und trat zurück. Mittlerweile wurde die Anklage fallen gelassen.

Paid Post

Power und Passion in Ihrer Tasse

Von Venedig bis Palermo ist Kaffee mehr als nur ein Getränk. Er ist eine Kunst. Mit der Kollektion «Ispirazione Italiana» bringt Nespresso ein Stück Italien in Ihr Ritual.

Blogs

Selbstverwirklichung für alle!

Mamablog Gamen statt spielen?

Werbung

Weiterbildung

Ausbildung & Weiterbildung Finden Sie die passende Weiterbildung Technischer Kaufmann, Deutsch lernen, Coaching Ausbildung, Präsentationstechnik, Persönlichkeitsentwicklung

Die Welt in Bildern

Man soll die Feste feiern, wie sie fallen: Menschen in «Txatxus»-Kostümen nehmen am traditionellen ländlichen Karneval in Lantz, Nordspanien, teil. (24. Februar 2020)
(Bild: Villar Lopez) Mehr...