Wie im Videogame

Silvio Berlusconi mag im Ausland vielen wie ein Clown vorkommen. Doch politisch ist er nicht totzukriegen.

Wegen «guter Führung» rehabilitiert: Silvio Berlusconi, Chef der Partei Forza Italia. Foto: Antonio Masiello (Getty Images)

Wegen «guter Führung» rehabilitiert: Silvio Berlusconi, Chef der Partei Forza Italia. Foto: Antonio Masiello (Getty Images)

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Gerade als die Italiener dachten, Silvio Berlusconi habe kapituliert, diesmal endgültig, ist er wieder da. Und lacht. Es ist ein bisschen wie bei diesen Videogames, bei denen die Spieler mehrere Leben haben: Seit einem Vierteljahrhundert dauert das Game mit Berlusconi nun schon. Tod und Auferstehung, in einer Dauerschlaufe. Ein Mailänder Gericht hat jetzt überraschend seinen Ämterbann aufgehoben, und bereits scheinen sich die politischen Gleichgewichte des Moments zu verschieben.

«Faktor B.» verändert mal wieder die Dynamik, obschon er ja längst nicht mehr so stark ist wie früher. Sollten die Populisten von der rechtsnationalen Lega und von der Protestbewegung Cinque Stelle tatsächlich eine Regierung bilden, dann wäre Berlusconi zunächst ihr widerwilliger Geburtshelfer gewesen und könnte dann sehr schnell ihr Totengräber werden. Im Senat hätten die beiden Parteien nämlich nur eine dünne Mehrheit, der Sturz hinge wie eine ständige Möglichkeit im Raum. Zumal, wenn Berlusconi etwas nachhilft. Es wäre nicht das erste Mal in der Geschichte.

Sozialdemokraten sind mit sich selbst beschäftigt

Berlusconi bietet sich nun die unverhoffte Chance, sich als Gegner der Populisten zu gerieren – als Moderater, als Europafreund. In Italien verläuft der politische Kampf nicht mehr zwischen links und rechts, sondern zwischen nationalistisch und welt­offen, zwischen europakritisch und europafreundlich. Das, etwas verkürzt gesagt, ist die neue Dichotomie der Politik in postideologischen Zeiten. Nicht nur in Italien, aber hier bereits in ausgereifter Form. Natürlich ist Berlusconi keine sonderlich ideale Besetzung für die Rolle des Chefgemässigten. Aber solange die Sozialdemokraten mehr mit sich selber beschäftigt sind als mit dem Kontrastieren der Populisten, ist die Rolle eben gerade frei.

Im Ausland mag er vielen wie ein Clown vorkommen, wie eine groteske Figur aus einer schrägen Operette, und dafür gibt es auch gute Gründe. Politisch aber ist Silvio Berlusconi nicht totzukriegen. Mittlerweile, mit 81, ist er gar ein teuflischer Meister des Games.

(Tages-Anzeiger)

Erstellt: 13.05.2018, 22:02 Uhr

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