«Wir werden ihm seinen Satz nie verzeihen»

Gérard Depardieu ist am Wochenende Russe geworden. Die Reaktionen waren vehement – in Frankreich, aber auch in Russland.

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Depardieus Steuerflucht sorgt in Frankreich seit einem Monat für erhitzte Gemüter. Nun muss sich der Schauspieler auch Kritik von russischer Seite stellen.

«Haben wir nicht schon genug Alkoholiker?»

Während die Kreml-treuen Sender Pervyi Canal und Rossiya TV den Schauspieler als neuen Bürger Russlands begrüssten und dabei die Gelegenheit nutzten, um die Vorteile des russischen Steuersystems zu loben, rief die Opposition Depardieu dazu auf, die «grosse Demokratie» einmal «persönlich zu testen». So schrieb der Autor Eduard Limonow: «Lieber Gérard! Komm am 31. Januar um 18 Uhr mit deinem neuen Pass nach Moskau zum Triumfalnaja-Platz. Jeden Monat treffen sich dort russische Bürger, um für die Versammlungsfreiheit zu demonstrieren. Wir erwarten dich!», rapportierte das «Arte Journal».

Auch Journalist und Regimekritiker Matvei Ganapolski zeigt kein Verständnis für Depardieus angebliche Liebe zu Russland: «Wir werden ihm den Satz ‹Russland ist eine grosse Demokratie› nie verzeihen.» Ähnlich kritisch äusserte sich der Dichter Lew Rubinstein: «Lieber Herr Depardieu, zögern Sie nicht, kommen Sie nach Russland. Ihre Steuern werden dem guten Zweck dienen: Lohnerhöhungen für die Tschekisten, die Richter und die bewaffneten Gorillas, die in jungen Leuten und alten Damen eine Gefahr für die Stabilität unseres Landes sehen.» Auch auf russischen Blogs blieben die Reaktionen nicht aus. Auf dem Portal Echo Mosky fragte User «sparky»: «Haben wir denn nicht schon genug Alkoholiker?», während ein anderer schreibt: «Er verlässt sein Land für Geld... Er ist ein richtiger Russe.»

«Wer solche Dummheiten erzählt, ist krank»

Auch in Frankreich hagelt es weiter Kritik: Der grüne Europaparlamentarier Daniel Cohn-Bendit bezeichnete Depardieu als «ausgesprochenen Dummkopf» und sagte weiter: «Dieser Verrückte bezeichnet Russland als grosse Demokratie – wer solche Dummheiten erzählt, ist krank.» Der sozialistische Abgeordnete Cambadélis zeigte sich gemässigter: «Er wollte ja auch schon Belgier werden. Aber Putin ist nicht Katharina die Grosse und Depardieu nicht Diderot... Man darf dieses Thema nicht allzu stark gewichten. Es geht hier um eine Staatsbürgerschaft auf dem Papier und ich glaube, dass Depardieu im Herzen Franzose bleiben wird», sagte er gegenüber dem Radiosender RTL.

Die Senatorin Chantal Jouanno sieht Depardieus Pass als PR-Aktion für Putin: «Für Putin handelt es sich um einen grossen politischen Coup, weil er wieder an das Bild vom Einwanderungsland Russland anknüpfen will. Es hätte mich weniger gestört, wenn Depardieu Belgier geworden wäre», sagte sie dem Sender Radio Classique. Laurence Parisot, Präsidentin des Arbeitgeberverbands Medef, rief beim Fernsehsender BFM-TV zu mehr Gelassenheit auf: «Es wäre gut, wenn sich die Gemüter beruhigen würden, sodass Gérard Depardieu eines Tages gelassen sagen kann: ‹Ich komme zurück›.»

Auch Bardot liebäugelt mit russischem Pass

Anfang Dezember wurde bekannt, dass der Schauspieler und Geschäftsmann sich ein Haus in Belgien gekauft hatte, um weniger Steuern zahlen zu müssen. Am vergangenen Wochenende ist «Gégé» nun Russe geworden – zuvor hatte Depardieu einen Brief verfasst, in dem er Russland als «grosse Demokratie» würdigte.

Die zahlreichen Kritiken scheinen auch andere französische Schauspieler nicht daran zu hindern, den russischen Pass zu beantragen: Nach Depardieu liebäugelt nun auch Brigitte Bardot mit der russischen Staatsbürgerschaft. (cor)

Erstellt: 07.01.2013, 12:49 Uhr

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