Wird Berlusconi mit Ex-Junkies arbeiten?

Berichten zufolge wird Silvio Berlusconi seinen Sozialdienst in einem Zentrum für ehemalige Drogenabhängige leisten. Bei «guter Führung» könnte er die Dauer seines Einsatzes auf neun Monate verringern.

Auf ihn warten noch weitere Gerichtstermine: Silvio Berlusconi.

Auf ihn warten noch weitere Gerichtstermine: Silvio Berlusconi. Bild: Reuters

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Italiens ehemaliger Regierungschef Silvio Berlusconi will nach seiner Verurteilung in einer Steueraffäre die verhängte Strafe als Sozialdienst ableisten. Berlusconi habe bei der italienischen Justiz einen entsprechenden Antrag gestellt, teilten seine Anwälte mit. Der 77-jährige Milliardär war am 1. August wegen Steuerbetrugs rund um seinen Medienkonzern Mediaset erstmals rechtskräftig verurteilt worden. Seine vierjährige Haftstrafe wurde wegen einer Amnestieregelung automatisch auf ein Jahr verkürzt. Wegen seines Alters muss er diese Strafe nicht im Gefängnis verbüssen. Berlusconi konnte wählen, ob er beantragt, die Strafe in Hausarrest abzusitzen oder Sozialdienst zu leisten – er entschied sich jetzt für Letzteres.

Mit dem Antrag muss sich nun die Justiz in Mailand befassen. Sollte sie ihn positiv bescheiden, ist die Reihe am Gericht in Rom festzulegen, in welcher Einrichtung der «Cavaliere» seinen Sozialdienst verrichten soll. Berlusconi will ihn in Rom ableisten und hat deshalb seinen Hauptwohnsitz in die Hauptstadt verlegt. Bis die endgültige Entscheidung fällt, können jedoch noch einige Monate vergehen.

Verlust des Sitzes droht

Medienberichten zufolge gilt als wahrscheinlich, dass Berlusconi eine Tätigkeit in einem Hilfszentrum für ehemalige Drogenabhängige in Rom aufnimmt. Dort hatte schon sein wegen Korruption verurteilter früherer Verteidigungsminister, Cesare Previti, Sozialdienst geleistet. Bei «guter Führung» könnte Berlusconi die Dauer seines Sozialdiensts von einem Jahr auf neun Monate verringern.

Berlusconi droht derzeit auch der Verlust seines Sitzes im Senat. Ein Ausschuss der Kammer hat bereits dafür gestimmt, ihm das Mandat zu entziehen. Die endgültige Entscheidung dürfte das Senatsplenum bis Ende des Monats treffen. Gegen Berlusconi sind noch weitere Verfahren anhängig, darunter eines wegen Amtsmissbrauchs und Sex mit einer minderjährigen Prostituierten.

Die Pläne zum Senatsausschluss hatten Italien in eine politische Krise gestürzt. Denn Berlusconi hatte versucht der Entscheidung zuvorzukommen, indem er versuchte, die Regierung zu stürzen und Neuwahlen herbeizuführen. Er scheiterte jedoch am Widerstand in seiner eigenen Partei Volk der Freiheit (PdL) gegen das Manöver. Ministerpräsident Enrico Letta, dessen Demokratische Partei (PD) mit der Berlusconi-Partei die Regierung stellt, konnte Vertrauensabstimmungen in Senat und Abgeordnetenkammer mit klarer Mehrheit für sich entscheiden. (mw/kle/sda)

Erstellt: 11.10.2013, 20:31 Uhr

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