Wo ist der Gerry?

Jörg Haiders abgetauchter Sekretär könnte Auskunft über die Geheimkonten geben.

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Lebt er tatsächlich an den Gestaden des Genfersees? Besucht er regelmässig seine Tochter in Kärnten? Oder hat er sich nach Paraguay abgesetzt, wie eine Boulevardzeitung behauptet? Hat er zuvor Millionen verspekuliert? Oder sie mitgenommen? Wer diese Fragen über Gerald Mikscha beantworten könnte, wüsste auch mehr über die mysteriösen Konten des vor zwei Jahren verstorbenen Rechtspopulisten Jörg Haider.

Das österreichische Nachrichtenmagazin «profil» behauptet, in Liechtenstein seien Konten von Briefkasten­firmen gefunden worden, auf denen Haider in den vergangenen 15 Jahren 45?Millionen Euro deponiert hatte. Allerdings hätten die Sonderermittler nurmehr 5 Millionen Euro gefunden.

Zwei dementieren, einer ist verschwunden

Neben Haider sollen Mikscha und zwei weitere Vertraute Zugang zu den Konten gehabt haben. Die zwei anderen dementieren heftig. Und Gerald Mikscha ist verschwunden.

Unbestritten ist, dass Mikscha lange Zeit Haiders Freund und engster Mitarbeiter war. Im inneren Führungs­zirkel der FPÖ habe er «den grössten Einfluss auf Haider», schrieb «profil» im Herbst 1999. Damals war Haider auf dem Höhepunkt seiner Popularität, seine Freiheitliche Partei stand kurz vor der Machtübernahme als Juniorpartner von Wolfgang Schüssels ÖVP. Und «der Gerry», wie Mikscha in der Partei genannt wurde, wich als persönlicher Sekretär niemals von der Seite seines Herrn, ob der nun eine Pressekonferenz in Wien gab oder die amerikanische Eliteuniversität Harvard besuchte. Sie verbrachten auch die Ferien gemeinsam. Haider lernte den damals 22-jährigen Mikscha 1994 kennen und nahm ihn sofort in seine sogenannte «Buberlpartie» auf, zu der auch der spätere Finanzminister Karl-Heinz Grasser oder Pressesprecher Karl-Heinz Petritz gehörten. Die enge Beziehung Haiders zu Mikscha schürte bald die Spekulationen, dass sie auch ein sexuelles Verhältnis hätten. Haider spiele wie Hitler mit «homophilen Codes», erklärte die Schriftstellerin Elfriede Jelinek in einem Interview. Sie entfachte damit eine «Ist Haider schwul?»-Debatte, die auch in Deutschland und der Schweiz aufgegriffen wurde. Haider und Mikscha aber blieben still, sie dementierten nicht, sie klagten nicht.

Stets an Haiders Seite

Durch seinen Sekretär lernte Haider auch Saif al-Islam Ghadhafi kennen. Mikscha und der Sohn des libyschen Diktators sind gleich alt und studierten gemeinsam an einer Wiener Privatuniversität. Bei Haiders Libyenbesuchen war Mikscha stets an dessen Seite, er soll auch die libyschen Geldgeschenke, in Plastik verschweisste Dollarpakete, angenommen haben.

Nachdem er seine Partei im Februar 2000 in die Regierung geführt hatte, machte Haider seinen Sekretär zum Geschäftsführer der FPÖ. Doch als der Chef dann im März 2001 den Partei­vorsitz abgab, trat auch Mikscha zurück. Gemeinsam mit Karl-Heinz Petritz betrieb er noch einige Jahre eine Consultingfirma und wurde an Haiders Seite in Libyen und in Liechtenstein gesehen.

Mikscha in Paraguay?

Ende 2004 verschwand Mikscha plötzlich spurlos. Die Zeitung «Österreich» will ihn nun in Paraguay entdeckt haben, 70 Kilometer ausserhalb der Hauptstadt Asuncion bewohne er eine «wunderschöne Hacienda mit Tausenden Hektar Land». Jörg Haider habe zweimal in den vergangenen Jahren Emissäre ausgeschickt, um Mikscha zur Rückkehr zur überreden, zum letzten Mal kurz vor seinem Tod im Oktober 2008. Doch Mikscha bleibe lieber in Sicherheit. Österreich und Paraguay haben kein Auslieferungsabkommen. (Tages-Anzeiger)

Erstellt: 03.08.2010, 22:39 Uhr

Treuer Weggefährte: Gerald Mischka

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