Wut der Griechen richtet sich gegen Deutschland

In die Proteste gegen den Sparkurs der griechischen Regierung mischen sich Ressentiments gegen die EU. Vor allem Deutschland soll schuld sein, dass auf die Griechen harte Zeiten zukommen.

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Der griechische Ministerpräsident Giorgos Papandreou kämpft in seinem Kabinett um Unterstützung für neue Sparpläne. Morgen Mittwoch soll die sozialistische Regierung über die Weiterleitung der umstrittenen Vorlage an das Parlament entscheiden. Derweil dauern die am Wochenende angelaufenen Grossproteste an, wie Nachrichtenagenturen berichten. Zehntausende Griechen protestieren auf den grossen Plätzen in Athen und Thessaloniki gegen die Sparpläne der Regierung. In die Proteste mischen sich Ressentiments gegen die EU und insbesondere gegen Deutschland. Das angeblich schuld ist an den harten Sparmassnahmen der griechischen Regierung.

Bei den gestrigen Demonstrationen wurden mit Hakenkreuzen verunstaltete EU-Flaggen mitgeführt und Anti-Merkel-Parolen skandiert, wie «Welt online» berichtet. Der Protest der Bewegung der Empörten Bürger richtet sich insbesondere gegen den Verkauf von Teilen der griechischen Telefongesellschaft OTE an die deutsche Telekom. Die Liebe der Griechen für die Deutschen schlage nun in Hass um.

Griechische Regierung erwägt Referendum über Sparpläne

Die neusten Sparvorhaben des griechischen Regierungschefs Papandreou sind selbst in seiner eigenen Partei nicht unumstritten. Die geplanten Sparmassnahmen sind Bedingung dafür, dass Griechenland weitere Hilfe aus einem milliardenschweren Rettungspaket aus der EU und dem Internationalen Währungsfonds (IWF) bekommt. Gemäss einer Meldung der Nachrichtenagentur dapd hat Papandreou angedeutet, dass er über ein Referendum über die Sparpläne seiner Regierung nachdenkt.

Gleichzeitig wächst in Deutschland der Widerstand gegen erneute milliardenschwere Hilfen für Griechenland. In den Bundestagsfraktionen von Union und FDP wird gewarnt, dass Athen zu einem Milliarden-Fass ohne Boden werden könnte. Es gibt immer mehr Stimmen, die eine stärkere Beteiligung privater Gläubiger wie Banken fordern. Kanzlerin Angela Merkel muss um die Zustimmung im Parlament zittern.

«Wofür geben die Griechen unsere Milliarden aus?»

Auch in den deutschen Medien wächst die Skepsis gegenüber den Rettungspaketen für Griechenland. «Wofür geben die Griechen unsere Milliarden aus?» fragt die Zeitung «Bild». Anlass für die Frage ist nicht zuletzt die Tatsache, dass in Griechenland Renten an rund 4500 verstorbene Pensionäre bezahlt werden. Die fehlerhaften Überweisungen kosten den Staat jährlich fast 16 Millionen Euro.

Vergangene Woche haben Experten des Internationalen Währungsfonds (IWF) und der EU entschieden, dass Griechenland Anfang Juli die nächste Tranche in Höhe von zwölf Milliarden Euro aus dem insgesamt 110 Milliarden Euro umfassenden Rettungspaket erhält. Dafür müssen aber die zusätzlichen Spar- und Privatisierungspläne Athens als angemessen eingestuft werden. Die endgültige Entscheidung soll Ende Juni fallen. (vin)

Erstellt: 07.06.2011, 12:20 Uhr

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