Zehntausende verabschieden sich von Terroropfern

Ein Land trägt Trauer – und steht vereint gegen den Terror. Tausende Menschen nahmen an der Gedenkfeier für die zwei Opfer der Anschläge in Kopenhagen teil. US-Präsident Barack Obama kondolierte am Telefon.

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Nach den Anschlägen von Kopenhagen haben zahlreiche Menschen bei der zentralen Trauerfeier ein Zeichen gegen Terrorismus gesetzt. Trotz bitterer Kälte versammelten sich am Montagabend rund 30'000 bis 40'000 Bürger vor dem Kulturzentrum Krudttønden, dem ersten Tatort der Terrorattacken vom Wochenende.

Auch Ministerpräsidentin Helle Thorning-Schmidt und ihr schwedischer Kollege Stefan Löfven und andere ausländische Würdenträger fanden sich dort ein. Über den Attentäter kamen am Montag immer mehr Details ans Licht.

Grosse Anteilnahme: Dänemark und Ministerpräsidentin Thorning-Schmidt gedenken der Opfer. (Quelle: Reuters; 16. Februar 2015)

US-Präsident Barack Obama hat der dänischen Regierungschefin Helle Thorning-Schmidt nach den Terroranschlägen in Kopenhagen sein Beileid ausgedrückt. In dem Telefonat vom Montag habe er seiner Kollegin zudem die Unterstützung der USA angeboten, teilte das Weisse Haus mit. Obama und Thorning-Schmidt hätten sich ausserdem auf ein gemeinsames Vorgehen gegen jene verständigt, die die freie Meinungsäusserung oder Religionsausübung untergraben wollten.

Schlimmste Anschläge seit 30 Jahren

Dänemark war am Wochenende von den schlimmsten Terroranschlägen seit 30 Jahren erschüttert worden. Am Samstag feuerte ein Attentäter auf das Kulturcafé Krudttønden und tötete dabei den 55-jährigen Filmemacher Finn Nørgaard. Vor einer Synagoge im Stadtzentrum erschoss der Angreifer später einen jüdischen Wachmann. Bei einem Feuergefecht mit einer Spezialeinheit der Polizei wurde er am frühen Sonntagmorgen getötet.

(Video: Instagram/ianappelquist)

Dänische Medien identifizierten den Attentäter als Omar Abdel Hamid El-Hussein. Laut Polizei handelt es sich um bei ihm um einen in Dänemark geborenen Mann, der bereits wegen Bandenkriminalität, Gewalt- und Waffendelikten aufgefallen war. Erst vor zwei Wochen sei der 22-Jährige aus dem Gefängnis entlassen worden, sagte ein mit den Ermittlungen betrauter Beamte der Nachrichtenagentur AP. Anfang 2014 war El-Hussein wegen einer schweren Messerattacke auf einen 19 Jahre alten Zugpassagier festgenommen worden.

Täter liess sich von Anschlägen in Paris inspirieren

In der Untersuchungshaft radikalisierte sich der junge Mann offenbar. Im vergangenen Sommer habe er Verhaltensauffälligkeiten gezeigt, was die «Alarmglocken» bei der Gefängnisbehörde habe schrillen lassen, sagte der Gewährsmann. Schliesslich wurde El-Hussein beim dänischen Inlandsgeheimdienst PET gemeldet. Dessen Chef Jens Madsen hatte schon am Sonntag eingeräumt, dass er der Behörde bekannt gewesen sei. Der Täter habe sich offenbar von den Anschlägen von Paris im vergangenen Monat inspirieren lassen, sagte Madsen weiter.

Nach ersten Erkenntnissen gehörte El-Hussein zu keiner grösseren Terrorzelle. Thorning-Schmidt sagte, es gebe keine Anzeichen dafür, dass hinter den tödlichen Angriffen vom Wochenende eine Gruppe stehe. Die Orte, die er sich ausgewählt habe, deuteten aber auf Terrorakte hin, sagte sie.

(Video: Instagram/rikkelarsen3)

Zwei mutmassliche Helfer festgenommen

Die Polizei nahm zudem zwei Verdächtige als mutmassliche Helfer El-Husseins fest. Ein Richter ordnete für sie am Montag zehn Tage Untersuchungshaft an. Den beiden Festgenommenen wird vorgeworfen, dem Attentäter auf der Flucht Unterschlupf gewährt zu haben, wie Verteidiger Michael Juul Eriksen sagte. Zudem sollen sie ihm geholfen haben, sich einer Waffe zu entledigen.

In der dänischen Hauptstadt wurden die Landesfahnen auf Halbmast gesetzt. An den Tatorten legten viele Menschen Blumen nieder. Doch auch an der Stelle, wo der Attentäter am Sonntag von der Polizei getötet wurde, fanden sich Blumen. Am Rande der Gedenkfeier für die Opfer fanden Bürger bewegende Worte. «Ich bin heute mit meiner Tochter hier, um zu zeigen, dass wir in einem freien Land leben. Das darf keiner ruinieren», sagte die aus Somalia stammende Aisha Abdi. (chk/AP/sda)

Erstellt: 17.02.2015, 04:05 Uhr

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