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Abaaoud soll Schlüsselrolle bei Attentaten gespielt haben

Der in Saint-Denis getötete Abdelhamid Abaaoud ist laut französischem Innenminister nicht nur der Verantwortliche für die Anschläge in Paris.

Mutmasslicher Kopf der Anschläge in Paris: Abdelhamid Abaaoud mit einer Fahne des Islamischen Staats.
Mutmasslicher Kopf der Anschläge in Paris: Abdelhamid Abaaoud mit einer Fahne des Islamischen Staats.
AP, Keystone
Explosionen und Schüsse: Die Polizei stürmt die Wohnung in Saint-Denis, in der sich der Terrorist versteckt hält.
Explosionen und Schüsse: Die Polizei stürmt die Wohnung in Saint-Denis, in der sich der Terrorist versteckt hält.
Keystone
Nach der Razzia: Experten der Polizei untersuchen das Versteck des Paris-Attentäters.
Nach der Razzia: Experten der Polizei untersuchen das Versteck des Paris-Attentäters.
Keystone
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Die französischen Behörden haben Beweise, dass der am Mittwoch bei der Razzia in Saint-Denis getötete Abdelhamid Abaaoud «eine Schlüsselrolle» bei den Attacken vom 13. November gespielt hat. Ausserdem sehen die Ermittler in dem Belgier nicht nur den Verantwortlichen für die Anschläge in Paris. Er habe vermutlich auch bei vier von sechs seit Anfang 2015 in Frankreich vereitelten Anschlägen die Fäden gezogen, sagte Frankreichs Innenminister Bernard Cazeneuve.

Die Behörden hätten nicht gewusst, dass sich der mutmassliche Drahtzieher der Anschläge von Paris in Europa aufgehalten habe, berichtete Cazeneuve weiter. Die Rückkehr des belgischen Jihadisten aus dem Gebiet des sogenannten Islamischen Staates sei erst nach der Terrorwelle mit 129 Toten bekannt geworden.

Als Kämpfer in Syrien

Doch bereits vor dem 13. November befand sich Abaaoud im Visier der Ermittler. Das erste Mal sei er im Februar 2014 als islamistischer Kämpfer auf dem internationalen Radar erschienen, zitiert die «Denver Post» Jasmine Opperman vom unabhängigen Terrorism Research & Analysis Consortium. Im Rahmen einer IS-Kampagne, die westliche Unterstützer nach Syrien locken sollte, war Abaaoud in einem Video zu sehen: Darin rühmt er sich seiner Grausamkeiten, während er einen Wagen fährt, der mehrere verstümmelte Leichname hinter sich herschleift.

Zudem soll er Anfang 2014 seinen erst 13 Jahre alten Bruder Younes mit nach Syrien genommen haben. Diesen titulierten einige Medien danach als «jüngsten Jihadisten der Welt». Im Oktober 2014 lokalisierten Ermittler den Jihadisten gemäss Opperman zuletzt in Syrien, wo er in einer libyschen Gruppe namens Katiba al Bittar gekämpft haben soll.

Abaaouds Vater liess über seine Anwältin verlauten, sein Sohn habe sich im Gefängnis radikalisiert. Der 28-Jährige sass wegen kleinerer Delikte in mindestens drei verschiedenen Haftanstalten ein, unter anderem 2010 zusammen mit Salah Abdeslam, dem Verdächtigen, der noch von der Polizei gesucht wird. Abaaoud liess sich Berichten belgischer Medien zufolge auch Abu Omar Soussi nennen, nach der Region in Marokko, aus der seine Familie stammt, oder Abu Omar al-Baljiki, was «Abu Omar, der Belgier» bedeutet.

Verbindung zu «Charlie Hebdo»-Attentat

In Belgien wird der Islamist seit diesem Jahr vor allem mit der Gruppe von Verviers in Verbindung gebracht. Am 15. Januar, wenige Tage nach den Attentaten auf die Satire-Zeitung «Charlie Hebdo» und einen jüdischen Supermarkt in Paris, hatte die Polizei in dem ostbelgischen Örtchen ein Haus gestürmt. Zwei Verdächtige, die Anschläge gegen die Polizei geplant haben sollen, wurden dabei getötet.

Abaaoud war nicht dabei. Kurze Zeit später gab er aber in einem Magazin des IS an, die vereitelten Attentate geplant zu haben. Eine Razzia in Athen, von wo aus er Medienberichten zufolge mit den in Verviers Getöteten in Verbindung stand, schlug fehl. «Ich wurde sogar von einem Beamten angehalten, der mich betrachtete, als wollte er mich mit dem Bild vergleichen», prahlte Abaaoud in der Propagandazeitschrift. «Aber er liess mich gehen, weil er keine Ähnlichkeit erkennen konnte.»

20 Jahre Haft

Auch hinter den im April gescheiterten Anschlägen auf Kirchen nahe Paris und der im August von Passagieren gestoppten Attacke eines schwer bewaffneten Extremisten im Hochgeschwindigkeitszug Thalys nach Paris soll Abaaoud nach Informationen französischer Ermittler stecken.

Im Juli verurteilte ein Brüsseler Gericht Abaaoud wegen seiner Rolle bei der Rekrutierung von Syrien-Kämpfern in Abwesenheit zu 20 Jahren Haft. Auch in Spanien soll er nach Angaben der dortigen Regierung versucht haben, neue IS-Anhänger anzuwerben. Über soziale Netzwerke habe er gezielt Frauen angesprochen, damit diese in die vom IS kontrollierten Gebiete in Syrien und im Irak reisen, wie das Innenministerium in Madrid mitteilte.

Besuche in Deutschland

In Deutschland war Abaaoud ebenfalls kein unbeschriebenes Blatt. Der Islamist sei am 20. Januar vergangenen Jahres am Flughafen Köln/Bonn von der Bundespolizei kontrolliert worden, sagte ein Sprecher des Präsidiums der Behörde in Potsdam. «Es gab keinen Hinweis an die Bundespolizei, dass wir die Reise untersagen oder ihn festnehmen sollten», fügte er hinzu. Als belgischer Staatsbürger habe für Abaaoud die Freizügigkeit im europäischen Reiseverkehr gegolten. Den Angaben zufolge gab Abaaoud bei der Kontrolle an, nach Istanbul weiterreisen zu wollen. Über eine Rückkehr nach Deutschland sei nichts bekannt, sagte der Sprecher.

Gemäss «Spiegel.de» hatte sich Abaaoud zudem schon 2007 einmal in Köln aufgehalten. Damals soll er ein Ausfuhrkennzeichen für ein grosses Fahrzeug beantragt haben – warum, sei jedoch völlig unklar.

AFP/AP/SDA/mlr

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