«Gauland ist komplett falsch verstanden worden»

«Aber sie wollen einen Boateng nicht als Nachbarn haben» – ein rassistischer Kommentar des AfD-Vizechefs sorgt für Aufruhr. Jetzt antwortet die Parteispitze.

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Ein Zitat in der «Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung» (FAS) schlägt in Deutschland hohe Wellen. Die FAS hatte den Vizechef der deutschen Partei AfD, Alexander Gauland, mit der Aussage zitiert: «Die Leute finden ihn als Fussballspieler gut. Aber sie wollen einen Boateng nicht als Nachbarn haben». Der in Berlin geborene Boateng ist der Sohn einer deutschen Mutter und eines ghanaischen Vaters.

Wie mehrere deutsche Medien berichten, hat Gauland selbst mittlerweile abgestritten, Boateng beleidigt zu haben. In einer Erklärung von heute Mittag heisst es: «Ich habe nie, wie die FAS insinuiert, Herrn Boateng beleidigt. Ich kenne ihn nicht und käme daher auch nicht auf die Idee, ihn als Persönlichkeit abzuwerten». Er habe, sagt Gauland nun, in einem vertraulichen Hintergrundgespräch die Einstellung mancher Menschen beschrieben, «aber mich an keiner Stelle über Herrn Boateng geäussert, dessen gelungene Integration und christliches Glaubensbekenntnis mir aus Berichten über ihn bekannt sind».

Auf der Website der «Frankfurter Allgemeinen Zeitung» (FAZ) erläuterte die Politikredaktion der FAS, die Äusserung Gaulands sei in einem Gespräch gefallen, das der AfD-Vize mit den Berliner Korrespondenten der FAZ und der FAS, Eckart Lohse und Markus Wehner, am Mittwoch in Potsdam geführt habe. «Beide Kollegen haben die Passage aufgezeichnet, ihre Aufzeichnungen stimmen überein.»

Scharfe Kritik

Der Deutsche Fussball-Bund (DFB) hatte auf die ursprüngliche Meldung empört reagiert. DFB-Präsident Reinhard Grindel äusserte, es sei «einfach geschmacklos», die Popularität Boatengs und der Nationalmannschaft «für politische Parolen zu missbrauchen».

Auch mehrere deutsche Politiker und Prominente hatten deutliche Worte für die Äusserung des Politikers gefunden. Bundesinnenminister Thomas de Maizière (CDU) sagte der «Bild»-Zeitung: «Jeder Deutsche kann sich glücklich schätzen, solche Leute zu haben, als Teamgefährte, deutscher Staatsbürger und als Nachbar.»

Auch Vizekanzler Sigmar Gabriel sagte gegenüber der «Bild», viele Menschen seien über diese Bemerkung empört, ihn störe dabei aber, dass in diesem Zusammenhang häufig vom Begriff Fremdenfeindlichkeit die Rede sei. «Boateng ist aber kein ‹Fremder›, sondern Deutscher», so der Vizekanzler und SPD-Parteivorsitzende. Und weiter: «Das zeigt, Gauland ist nicht nur gegen Fremde, sondern auch gegen das Gute an Deutschland: Modernität, Weltoffenheit und Liberalität. Gaulands AfD ist auch deutschlandfeindlich.»

Auch Justizminister Heiko Maas meldet sich über den Mediendienst Twitter zu Wort:

Partei für Boateng ergriffen auch der deutsche TV- und Radiomoderator Micky Beisenherz und Mannschaftskollege Benedikt Höwedes:

Über Erinnerungslücken und eine Entschuldigung

Nach dem Bericht der «Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung» über die Beleidigung bemüht sich jetzt auch Parteichefin Frauke Petry um Schadensbegrenzung. Gauland könne sich «nicht erinnern, ob er diese Äusserung getätigt hat», sagte Petry der «Bild»-Zeitung (Montagsausgabe). «Ich entschuldige mich unabhängig davon bei Herrn Boateng für den Eindruck, der entstanden ist».

AfD-Chef verteidigt Gauland

AfD-Chef Jörg Meuthen hat sich hinter seinen Parteikollegen gestellt. Gauland sei «komplett falsch verstanden worden und hat das inzwischen richtiggestellt», sagte Meuthen dem «Handelsblatt (Montagausgabe). »Damit sollte die Sache erledigt sein«, fügte Meuthen hinzu.

(jros/AFP)

Erstellt: 29.05.2016, 14:16 Uhr

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