Zum Hauptinhalt springen

Abfallkrise in Neapel: «Wir sind in einem Notstand»

Experten der EU-Kommission haben das dramatische Müllproblem in der süditalienischen Grossstadt Neapel scharf kritisiert. Sie fordern Massnahmen, ansonsten drohten ernsthafte Gesundheitsrisiken.

Sollen unter Wasser gesetzt werden: Die Müllhalden von Neapel.
Sollen unter Wasser gesetzt werden: Die Müllhalden von Neapel.
AFP
Es stinkt  zum Himmel: Müll in den Strassen Neapels.
Es stinkt zum Himmel: Müll in den Strassen Neapels.
Keystone
Es dampft weiter: Der Müll auf der Strasse verpestet die Luft weiterhin. Der Appell des italienischen Schriftstellers Roberto Saviano zur Krise: «Unterdrückung ist keine Antwort auf die reale Angst dieser Menschen».
Es dampft weiter: Der Müll auf der Strasse verpestet die Luft weiterhin. Der Appell des italienischen Schriftstellers Roberto Saviano zur Krise: «Unterdrückung ist keine Antwort auf die reale Angst dieser Menschen».
Keystone
1 / 16

Angesichts der fortwährenden Müllkrise in Neapel hat eine Delegation von Inspektoren der Europäischen Union in Italien eindringlich zur Beseitigung der Missstände aufgerufen. «Die Situation hat sich nicht gross geändert, auf den Strassen ist immer noch Müll», sagte die Leiterin des Inspektoren-Teams, Pia Bucella, am Montag in Neapel. «Dieses Mal werden sich die Inspektoren nicht damit zufriedengeben, dass ihnen bloss ein Plan präsentiert wird, wir wollen ihn auch in die Tat umgesetzt sehen.»

Italienischen Medienberichten zufolge türmten sich am Montag bis zu 3600 Tonnen Müll in den Strassen Neapels. Anwohner berichteten von einer steigenden Zahl von Ratten, Tauben und Möwen in den am meisten mit Unrat übersäten Strassenzügen. «Es gibt ernsthafte Gesundheitsrisiken, ausgehend von Ratten, Kakerlaken oder anderen Insekten, die von den Abfällen angelockt werden», sagte die Gesundheitsexpertin Maria Triassi der Nachrichtenagentur AFP.

«Wir müssen schnell handeln»

Auch Neapels Bürgermeisterin Rosa Iervolino Russo äusserste sich zutiefst besorgt. «Die Stadt ist nicht nur dreckig, sie ist schmierig», beklagte die Bürgermeisterin. «Wir sind in einem Notstand», sagte auch der Regierungschef der Region Kampanien, Stefano Caldoro, im italienischen Fernsehen. «Wir müssen schnell handeln, denn wir sind bei der Lösung dieses Problems 20 Jahre im Rückstand.»

Der Grossraum Neapel leidet seit mehr als einem Jahrzehnt unter einem chronischen Müllproblem. Deponien und Wiederaufbereitungsanlagen sind überlastet. Zuletzt war die Region ausserdem Schauplatz teils gewaltsamer Zusammenstösse zwischen der Polizei und den Anwohnern von Müllkippen. Diese wenden sich gegen die weitere Benutzung oder Vergrösserung der offenen Deponien, nachdem diese ihren maximalen Füllstand erreicht haben.

Berlusconi unter Druck

Die Müllkrise ist auch eine politische Belastung für Italiens Regierungschef Silvio Berlusconi, der 2008 unter anderem aufgrund seines Versprechens wiedergewählt worden war, die Müllprobleme des Landes in den Griff zu bekommen. Ende Oktober versprach er, dass die Müllkrise in Neapel in drei Tagen gelöst sein werde.

Sollte es den italienischen Behörden weiter nicht gelingen, das Müllproblem zu beseitigen, könnten auf das Land Strafen in Millionenhöhe zukommen. Wenn die EU-Kommission - wie bereits im Jahr 2008 - zu dem Schluss kommt, erneut vor den Europäischen Gerichtshof (EuGH) in Luxemburg zu ziehen, könnte dieser wegen der anhaltenden Müllkrise Bussgelder gegen Italien verhängen.

(SDA)

Dieser Artikel wurde automatisch aus unserem alten Redaktionssystem auf unsere neue Website importiert. Falls Sie auf Darstellungsfehler stossen, bitten wir um Verständnis und einen Hinweis: community-feedback@tamedia.ch