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Absturzstelle von MH 17 wird zur Kampfzone

Eine internationale Delegation musste einen Besuch des Absturzortes von Flug MH 17 aus Sicherheitsgründen abbrechen. Die Armee lieferte sich heftige Gefechte mit Separatisten, auch Zivilisten wurden getötet.

Er soll wissen, wer geschossen hat: 33 Angehörige von MH17-Opfern fordern von Russland und Wladimir Putin über 6 Millionen Euro Schmerzensgeld. Sie reichten 2016 vor dem Europäischen Gerichtshof für Menschenrechte Klage ein.
Er soll wissen, wer geschossen hat: 33 Angehörige von MH17-Opfern fordern von Russland und Wladimir Putin über 6 Millionen Euro Schmerzensgeld. Sie reichten 2016 vor dem Europäischen Gerichtshof für Menschenrechte Klage ein.
Aleksey Babushkin, Keystone
Die Boeing 777 der Fluggesellschaft Malaysia Airlines war am 17. Juli 2014 über der Ostukraine von einer Boden-Luft-Rakete getroffen und zerstört worden: Trümmerteile an der Absturzstelle bei Rassipnoe. (15. Oktober 2014)
Die Boeing 777 der Fluggesellschaft Malaysia Airlines war am 17. Juli 2014 über der Ostukraine von einer Boden-Luft-Rakete getroffen und zerstört worden: Trümmerteile an der Absturzstelle bei Rassipnoe. (15. Oktober 2014)
AFP
Ein Bild der Verwüstung: Das Flugzeug wurde völlig zerstört. (17. Juli 2014)
Ein Bild der Verwüstung: Das Flugzeug wurde völlig zerstört. (17. Juli 2014)
Dmitry Lovetsky, Keystone
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Wegen einer neuen Militäroffensive der Regierungstruppen in der Ostukraine kommt die internationale Untersuchung am Absturzort der Malaysia-Airlines-Maschine nicht voran. Ein erster Besuch unbewaffneter Polizisten in dem Trümmerfeld sei aus Sicherheitsbedenken abgesagt worden, erklärten die Beobachter der Organisation für Sicherheit und Zusammenarbeit.

Es sei zu gefährlich für eine unbewaffnete Delegation von Donezk aus zu dem Absturzort rund 60 Kilometer östlich der von Separatisten gehaltenen Provinzhauptstadt zu reisen, sagte der stellvertretende Teamleiter Alexander Hug. Sollte sich die Lage ändern, werde es am Montag einen neuen Versuch geben, mit den niederländischen und australischen Experten und Polizisten zum Unglücksort zu gelangen.

USA legen Satellitenaufnahmen vor

Eine solche Entspannung zeichnete sich allerdings nicht ab. Nach Angaben aus dem Verteidigungsministerium in Kiew wollen die Regierungstruppen die Separatisten aus der Gegend um den Absturzort vertreiben. Erst am Samstag hatte auch eine Offensive gegen Donezk begonnen, die Regierungstruppen waren dabei bis nach Horliwka, nördlich der Eine-Million-Einwohner-Stadt, vorgerückt. Zusätzlich warfen die USA Russland vor, Raketen mehrere Kilometer weit auf ukrainisches Staatsgebiet abgefeuert zu haben. Das Aussenministerium berief sich dabei auf Satellitenaufnahmen.

Die vom Geheimdienst stammenden und vom Aussenministerium in Washington veröffentlichten Bilder zeigen unter anderem mehrere Raketenwerfer und Haubitzen an der Grenze auf russischem Gebiet sowie Einschlagkrater auf der ukrainischen Seite. Weiterhin ist Artillerie auf ukrainischem Boden zu sehen, die Russland nach US-Angaben den prorussischen Separatisten in der Ostukraine zur Verfügung gestellt habe.

Am Donnerstag hatten die USA Moskau unter Verweis auf Geheimdienstangaben vorgeworfen, auf ukrainischen Gebiet militärisch aktiv zu sein sowie weitere Waffenlieferungen an die Rebellen zu planen. Die russische Regierung wies die Vorwürfe umgehend zurück und warf den USA Verleumdung vor.

Rund um Horliwka, aber auch nahe dem Ort Debalzewe, 25 Kilometer vom Absturzort, sei es am Sonntag zu Gefechten gekommen, sagte der Sprecher des nationalen Sicherheitsrates, Andrej Lysenko. Allein in Horliwka seien 20 Rebellen getötet worden. Auch ein Rebellenvertreter in Donezk bestätigte die Kämpfe in dem Ort, erklärte aber, die Separatisten würden ihre Stellungen halten.

Zwei Kinder kamen ums Leben

Die aus Donezk vertriebene Regionalregierung warf den Rebellen vor, im Kampf um Holiwka auch auf Wohnhäuser zu feuern, um die Armee zu diskreditieren. 13 Menschen, darunter zwei Kleinkinder, seien dabei ums Leben gekommen.

Die russische Nachrichtenagentur Ria Nowosti berichtete zudem, dass ukrainische Truppen mit Panzern in Schachtarschk eingerückt seien, einer strategisch wichtigen Stadt an der Autobahn zwischen Donezk und der russischen Grenze und nur 15 Kilometer westlich vom Absturzort von Flug MH17. Örtliche Medien berichten auch von Kämpfen in den nahe gelegenen Orten Snischne und Tores.

Das Vorrücken der Regierungstruppen könnte auch eine Einigung gefährden, die der malaysische Ministerpräsident Najib Razak nach eigenen Angaben mit Separatistenführer Alexander Borodaj getroffen hatte. Borodaj habe der internationalen Polizeimission eigentlich freien Zugang zum Absturzort nahe der Ortschaft Grabowo zugesagt, erklärte Najib am Sonntag. 68 malaysische Polizisten sollten am Mittwoch in die Ukraine reisen und dort ihre niederländischen und australischen Kollegen unterstützen.

Australien entsendet unbewaffnete Beamte

Die Aufgabe der Polizisten soll es sein, den Absturzort abzusichern, um eine Untersuchung der Wrackteile zu gewährleisten und weitere Leichenteile zu bergen. Australien wollte ursprünglich auch bewaffnete Polizisten einsetzen, dafür wäre allerdings eine Ratifizierung durch das Parlament in Kiew nötig. Premierminister Tony Abbott kündigte daraufhin an, nur unbewaffnete Beamte zu entsenden.

Alle bisher geborgenen Leichen wurden bereits in die Niederlande ausgeflogen. Am Samstag wurde mit einer Person aus den Niederlanden erstmals eines der Opfer identifiziert. Von wie vielen Menschen sich sterbliche Überreste in den insgesamt 227 in eine Kaserne in Hilversum gebrachten Särgen befinden, muss erst von Experten geklärt werden. Insgesamt waren 298 Menschen an Bord der Maschine, als diese nach Angaben der USA und der Ukraine aus den Separatistengebieten mit einer Rakete abgeschossen wurde.

Kerry und Lawror für schnelle Waffenruhe

Der russische Aussenminister Sergej Lawrow und sein US-Amtskollege John Kerry haben sich nach Angaben der Regierung in Moskau für eine schnelle Waffenruhe in der Ukraine ausgesprochen. Dies hätten beide in einem Telefongespräch am Sonntag deutlich gemacht, teilte das russische Aussenministerium mit.

In der Erklärung war von einer «innerstaatlichen Auseinandersetzung» die Rede, obwohl der Westen Russland verdächtigt, den Rebellen zu helfen.

Die russische Regierung hat erklärt, sie helfe den Separatisten nicht direkt. Die Rebellen kämpfen seit Monaten gegen Regierungstruppen und wollen eine Abspaltung der Ostukraine erreichen.

AP/sda/wid/thu

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