AfD-Zeitung fällt durch im Faktencheck

Der neue «Deutschland-Kurier» liefert abenteuerliche Zahlen, wie die Rechercheure von Correctiv zeigen.

«Neue Stimme gegen den medialen Linksrutsch»: Den «Deutschland-Kurier» gibt es auch in einer Onlineausgabe. Screenshot: deutschland-kurier.org

«Neue Stimme gegen den medialen Linksrutsch»: Den «Deutschland-Kurier» gibt es auch in einer Onlineausgabe. Screenshot: deutschland-kurier.org

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«Masseneinwanderung, Sozialabbau, Eurokrise, Bildungsmisere, Gender-Irrsinn und noch vieles mehr»: Glaubt man David Bendels, befindet sich Deutschland im Niedergang. Bendels ist Chefredaktor der AfD-nahen Zeitung «Deutschland-Kurier», die seit Mitte Juli erscheint. Das neue rechte Boulevardblatt hat den Anspruch, über das zu berichten, «was von den Mainstream-Medien totgeschwiegen oder einseitig dargestellt wird». Der «Deutschland-Kurier» werde Fakten zum Durchbruch verhelfen und kritische Stimmen zu Wort kommen lassen, schreibt Bendels im Editorial der ersten Ausgabe.

Das Recherchekollektiv Correctiv ist auf Faktenchecks spezialisiert. Es hat nun die erste Nummer des «Deutschland-Kuriers» unter die Lupe genommen. Das Fazit: Viele Fakten stimmen nicht.

Mär von 1783 Terroropfern in Deutschland

Der «Deutschland-Kurier» stellt unter anderem die Behauptung auf, dass es in Deutschland allein im letzten Jahr 1783 Terroropfer gegeben hat. Dem islamistischen Terror können allerdings nur fünf Anschläge zugeordnet werden. Zwölf Menschen starben beim Lastwagenattentat von Anis Amri in Berlin, damals wurden auch 55 Personen verletzt. Bei den anderen Anschlägen gab es mit Ausnahme von drei Attentätern keine Toten, sondern Verletzte. Das Recherchekollektiv Correctiv zählt insgesamt 79 Verletzte. Das Total der Terroropfer in Deutschland beträgt also 94. Wie der «Deutschland-Kurier» auf 1783 Terroropfer kommt, erklärt das Blatt nicht. Chefredaktor Bendels reagierte offenbar nicht auf Anfragen von Correctiv.

Der «Deutschland-Kurier» widmet sich auch der EU – ebenfalls mit abenteuerlichen Zahlen. Um die angebliche Steuergeldverschleuderung in der EU zu dokumentieren, operiert das AfD-nahe Blatt mit überholten und falschen Zahlen. Die Rechercheure von Correctiv legen zum Beispiel dar, wie der «Deutschland-Kurier» Informationen aus Internetdebattenforen aufgreift und ungeprüft verwendet sowie Zahlen verwechselt.

Polemiken gegen alles links von der AfD

Viel mehr als Fakten liefert der «Deutschland-Kurier» kommentierende Artikel. Das Blatt polemisiert gegen alles, was links von der AfD ist. Ein sehr beliebtes Feindbild ist Kanzlerin Angela Merkel wie auch das gesamte Polit-Establishment Deutschlands sowie der EU. So tragen die Artikel Titel wie «Der grosse Einwanderungsbetrug», «Angriff auf die Meinungsfreiheit» und «Merkel irrer als Trump?». Zur Lancierung der zweiten Ausgabe machte sich der «Deutschland-Kurier» die Gewaltexzesse von Hamburg zunutze. Dabei stellte er linke Politiker und Journalisten an den Pranger.

Hinter dem «Deutschland-Kurier» steht der sogenannte Verein zur Erhaltung der Rechtsstaatlichkeit und der bürgerlichen Freiheiten, der angeblich durch Spenden finanziert wird. Vorsitzender des Vereins ist der Chefredaktor des Blatts, David Bendels. «Der Verein ist parteiunabhängig. Es gab und gibt keinerlei Absprachen mit der AfD», sagte der 32-jährige Bendels in einem Interview mit der «Jungen Freiheit». Dabei erklärte er aber auch, dass «die AfD die einzig wählbare konservativ-bürgerliche Partei ist».

Unterstützung von SVP-Werber Segert

Medienberichten zufolge gibt es sehr wohl Verbindungen zur AfD. Und wie die «NZZ am Sonntag» berichtete, ist auch die in Dübendorf beheimatete PR-Agentur Goal des SVP-nahen Politwerbers Alexander Segert am Projekt «Deutschland-Kurier» beteiligt.

Für den «Deutschland-Kurier» arbeiten angeblich 20 Redaktoren, «die den Linksrutsch in den deutschen Medien nicht mehr hinnehmen wollen». Namen der Journalisten werden nicht bekannt gegeben. Mit Namen und Foto treten aber die Kolumnisten im Blatt auf, etwa die aus der CDU ausgetretene Bundestagsabgeordnete Erika Steinbach oder der frühere «Bild»-Chefredaktor Peter Bartels. Der «Deutschland-Kurier» will sich als rechtsnationales Boulevardblatt etablieren. (Tages-Anzeiger)

Erstellt: 24.07.2017, 19:39 Uhr

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