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Alexis’ Zaubertrank

Das Nein von Griechenland wird von linken und rechten Neinsagern in Europa bejubelt.

MeinungMichael Hermann

Kaum je in der Geschichte Europas hat ein Politiker in so kurzer Zeit, so viel politische Energie freigesetzt wie Alexis Tsipras letzte Woche. Als hätte er der griechischen Bevölkerung einen Zaubertrank verabreicht, stemmte sich diese wie das berühmte gallische Dorf gegen den europäischen Hegemonen. Der aus linkem Sparverdruss und stolzem Nationalismus gemischte Trank entfaltet seine Wirkung weit über die Grenzen Griechenlands hinaus.

Ist dies etwa eine Formel, mit der künftig die Politik in Europa oder gar in der Schweiz aufgemischt wird? Der ideologisch breit verteilte Jubel über das griechische Nein – von linken Idealisten bis zu rechten Anti-Europäern wie Nigel Farage oder Marine Le Pen – lassen dies vermuten. Doch eine taktische Allianz ist noch lange keine gemeinsame Position. Die europäischen Visionen der linken und rechten Neinsager sind nicht annähernd deckungsgleich. Die einen wünschen sich mehr Europa in Form einer bedingungslosen Transferunion, die anderen sähen die Europäische Union am liebsten in ihre nationalen Kerne zerlegt.

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