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«Alle wollen wie Merkel sein»

Verkrustete Strukturen, Korruptionsskandale und neue Konkurrenz von rechts: Bei den Wahlen in Österreich könnte es eng werden für die grosse Koalition. Da hilft auch der Triumph der deutschen Kanzlerin nicht.

WERNER FAYMANN (SPÖ, 53): Angela Merkel soll mal über den stets zurückhaltend auftretenden Wiener gelästert haben, er komme bei EU-Verhandlungen in Brüssel ohne Meinung herein und gehe mit ihrer wieder hinaus. Doch die Österreicher schätzen ihren freundlichen und meist pragmatisch agierenden Regierungschef, in Umfragen hat er die besten Zustimmungswerte.
WERNER FAYMANN (SPÖ, 53): Angela Merkel soll mal über den stets zurückhaltend auftretenden Wiener gelästert haben, er komme bei EU-Verhandlungen in Brüssel ohne Meinung herein und gehe mit ihrer wieder hinaus. Doch die Österreicher schätzen ihren freundlichen und meist pragmatisch agierenden Regierungschef, in Umfragen hat er die besten Zustimmungswerte.
Herbert Pfarrhofer, Keystone
MICHAEL SPINDELEGGER (ÖVP, 53): Der Vizekanzler, Aussenminister und ÖVP-Chef gilt in Österreich wie Faymann nicht als volksnaher Charismatiker. Im Wahlkampf versuchte der stets verbindlich und höflich auftretende Jurist jedoch, an Ecken und Kanten zu gewinnen. Als Aussenminister setzte er sich unter anderem für eine Verbesserung des Verhältnisses zwischen Österreich und der EU ein.
MICHAEL SPINDELEGGER (ÖVP, 53): Der Vizekanzler, Aussenminister und ÖVP-Chef gilt in Österreich wie Faymann nicht als volksnaher Charismatiker. Im Wahlkampf versuchte der stets verbindlich und höflich auftretende Jurist jedoch, an Ecken und Kanten zu gewinnen. Als Aussenminister setzte er sich unter anderem für eine Verbesserung des Verhältnisses zwischen Österreich und der EU ein.
Herbert Neubauer, Keystone
FRANK STRONACH (Team Stronach, 81): An Selbstbewusstsein mangelt es dem Milliardär und Polit-Neuling Frank Stronach nicht. Als Sohn einer alleinerziehenden Mutter wuchs er in ärmsten Verhältnissen in der Steiermark auf. Als Auswanderer baute der gelernte Werkzeugmacher in Kanada aus einer Garage heraus den Weltkonzern Magna auf.
FRANK STRONACH (Team Stronach, 81): An Selbstbewusstsein mangelt es dem Milliardär und Polit-Neuling Frank Stronach nicht. Als Sohn einer alleinerziehenden Mutter wuchs er in ärmsten Verhältnissen in der Steiermark auf. Als Auswanderer baute der gelernte Werkzeugmacher in Kanada aus einer Garage heraus den Weltkonzern Magna auf.
Geotg Hochmuth, Keystone
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War es der Kanzlerbonus oder doch das Christlichdemokratische? In Österreich wird derzeit darum gestritten, wer sich den Wahlerfolg von Deutschlands Bundeskanzlerin Angela Merkel mit an die Brust heften kann. Das Alpenland wählt am Sonntag sein neues Parlament, den Nationalrat.

Die konservative ÖVP mit ihrem Spitzenkandidaten Michael Spindelegger verspürt nach dem Erfolg der Schwesterpartei CDU/CSU Rückenwind. Die sozialdemokratische SPÖ, die mit Werner Faymann den Bundeskanzler stellt, betont dagegen Parallelen im Wahlprogramm und den Erfolg Merkels als Regierungschefin.

Zwei Herren im Merkel-Dress

«Alle wollen wie Merkel sein», titelte die «Kronen Zeitung» heute Dienstag. Online steckte das Boulevardblatt beide Herren als Fotomontage unter eine blonde Perücke – und in das petrolfarbene Kostüm, dass Merkel am Tag nach der Wahl trug. Erklärtes Ziel von ÖVP und SPÖ, die seit 2007 zusammen regieren, ist die Neuauflage der grossen Koalition. Das könnte nach den Umfragen knapp gelingen.

Da ist es auch nicht schlimm, dass beide Spitzenkandidaten vom Typ her ähnlich und die Positionen nicht meilenweit auseinander sind. Steuern, Bildungsreform und Vermögensverteilung sind zentrale Wahlkampfthemen. Die NSA-Spähaffäre und die Euro-Krise spielen eine untergeordnete Rolle.

Verkrustete Strukturen

Die grosse Koalition ist die mit Abstand häufigste Regierungsform in Österreich. Kritiker bemängeln, dass beide Grossparteien Österreich schon seit Jahrzehnten unter sich aufgeteilt hätten, ohne schwarzes oder rotes Parteibuch sei eine Karriere deutlich schwieriger.

Diese verkrusteten Strukturen aufzubrechen, ist auch erklärtes Ziel aller Oppositionsparteien von links bis ganz rechts. Anders als in Deutschland gibt es keine Linkspartei, dafür eine starke Rechte.

Die Rechte gibt sich milder

Statt Hetz-Parolen wie das bei vergangenen Wahlen plakatierte «Daham (Daheim) statt Islam» versucht es die rechte FPÖ in Krisenzeiten etwas subtiler: Spitzenkandidat Heinz-Christian Strache lächelt neben dem Slogan «Liebe deinen Nächsten – Für mich sind das unsere Österreicher» von den Plakaten.

Der Anti-EU-Kurs ist unverändert, auch wenn sich die FPÖ mehr als mögliche Regierungs- statt reine Protestpartei zu inszenieren versucht. Sie könnte nach Umfragen um die 20 Prozent erreichen.

Eurokritischer Kurs von Stronach

Die Rechten haben populistische Konkurrenz bekommen: Milliardär Frank Stronach jagte ihnen mit seinem neugegründeten Team Stronach bereits bei den jüngsten Landtagswahlen zahlreiche Wähler ab. Der 81-jährige Gründer des Autoteilezulieferers Magna betreibt keine Ausländerhetze, fährt aber ebenfalls einen system- wie eurokritischen Kurs.

Er wirbt mit Werten wie Ehrlichkeit und Gerechtigkeit, verspricht unter anderem ein völlig umgebautes und vereinfachtes Steuersystem. Gute Werte zu Anfang des Wahlkampfs verspielte Stronach aber mit teils schlecht vorbereiteten und wirren Auftritten, aktuell prognostizieren Umfragen sechs bis zehn Prozent.

Für Haider-Partei wird es knapp

Die Grünen versuchen sich neben ihrem Öko-Kernthema mit ihrer Frontfrau Eva Glawischnig als einzige Partei zu profilieren, die nicht in einen der zahlreichen Korruptionsskandale im Land verwickelt ist. Zuletzt wurden den Grünen um die 14 Prozent prognostiziert.

Kommen noch zwei weitere Parteien ins Parlament, könnte es für die Mehrheit von SPÖ und ÖVP knapp werden: Die momentan noch mit rund 11 Prozent vertretene rechtspopulistische Ex-Jörg-Haider-Partei Bündnis Zukunft Österreich stürzte zwar nach Umfragen deutlich ab, könnte es aber knapp über die in Österreich geltende Vier-Prozent-Hürde schaffen.

SDA/ami

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