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Angst vor Blackout: 13 von 17 deutschen AKW abgeschaltet

Mehrere Kernkraftwerke sind wegen Wartungsarbeiten nicht in Betrieb, andere wurden nach Fukushima vorübergehend vom Netz genommen. Jetzt ist die stabile Stromversorgung bedroht.

Gehört zu den vier Kernkraftwerken, die in Betrieb bleiben: Neckar-Westheim im Bundesland Baden-Württemberg.
Gehört zu den vier Kernkraftwerken, die in Betrieb bleiben: Neckar-Westheim im Bundesland Baden-Württemberg.
Keystone

Fast unbemerkt von der Öffentlichkeit findet in Deutschland ein Strom-Experiment statt. Innert weniger Wochen ist die Mehrheit der Atomkraftwerke abgeschaltet worden. Am Samstag wird nun auch das AKW Emsland für die routinemässige Revision vom Netz genommen, wie die «Welt» berichtet. Emsland, das zu den leistungsstärksten Kernkraftwerken Deutschlands zählt, ist das 13. AKW, das vorübergehend stillgelegt wird. Während mindestens zehn Tagen sind in Deutschland nur vier AKW in Betrieb.

Das Strom-Experiment in Deutschland ist auch eine Folge der AKW-Katastrophe in Japan. Nach Fukushima beschloss die deutsche Regierung aus Sicherheitsgründen, die sieben ältesten AKW für drei Monate vom Netz zu nehmen. Ausgerechnet in diesem Zeitraum werden in fünf Meilern längst geplante Revisions- und Wartungsarbeiten durchgeführt, was zur zwischenzeitlichen Stilllegung dieser Kernkraftwerke geführt hat. Die Überprüfung dieser AKW konnte nicht verschoben werden – nicht zuletzt wegen der Sicherheitsbedenken in der Bevölkerung nach dem AKW-Unfall von Fukushima. Von den 17 Kernkraftwerken in Deutschland ist eines wegen Pannen seit Jahren abgestellt.

Stromversorgung auch vom Wetter abhängig

Normalerweise decken die AKW rund 25 Prozent des Strombedarfs in Deutschland ab. «Dass drei Viertel der nuklearen Kraftwerkskapazitäten stillstehen, gab es bisher noch nie», schreibt die «Welt». Es stellt sich die Frage, inwieweit der Wegfall von Atomenergie durch Wind- und Sonnenstrom kompensiert werden kann. Es hängt entscheidend vom Wetter ab, wie viel Windkraft- und Fotovoltaik-Anlagen zur Bedarfsdeckung und Netzstabilität beitragen können. Diesbezüglich sind die Wettervorhersagen für die nächsten Tage nicht ideal: Es dürfte zu wenig Wind und zu wenig Sonne geben.

Von einem möglichen Blackout mag in der Strombranche niemand reden. Dennoch herrscht Verunsicherung, die Situation ist angespannt. Gemäss dem «Welt»-Bericht spricht ein Branchenkenner von einer «sehr, sehr schwierigen Situation». Ein Netzbetreiber soll bereits zu einer Notlösung gegriffen haben. Er will Strom von einem Steinkohlekraftwerk beziehen, das in ein paar Wochen geschlossen werden sollte. Wegen des Strom-Experiments dürfte das Steinkohlekraftwerk länger in Betrieb bleiben.

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