Anis Amri nutzte 14 Identitäten

Die Ermittlungen nach dem Anschlag in Berlin bringen neue Details hervor.

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Der Attentäter von Berlin nutzte deutlich mehr Alias-Identitäten als bislang bekannt: Landeskriminaldirektor Dieter Schürmann berichtete im Innenausschuss des nordrhein-westfälischen Landtags, Amri habe insgesamt 14 verschiedene Identitäten verwendet.

Der Ausschuss kommt heute in Düsseldorf zu einer Sondersitzung zum Fall Amri zusammen. Es soll ergründet werden, was Polizei und Verfassungsschützer vor der Tat über Amri wussten, Nordrhein-Westfalens Innenminister Ralf Jäger (SPD) soll das Vorgehen der Landessicherheitsbehörden erläutern.

Die CDU im Landtag warf der Landesregierung «eklatantes Versagen» vor. NRW war einer der Hauptaufenthaltsorte von Anis Amri. Der Tunesier wurde vier Tage nach dem Terroranschlag bei einer polizeilichen Routinekontrolle in Italien erschossen. Nach Angaben der Bundesanwaltschaft gibt es Hinweise, dass er auf seiner Flucht über Nordrhein-Westfalen gereist ist. Bei dem Anschlag auf einen Weihnachtsmarkt in Berlin mit einem Lastwagen waren am 19. Dezember zwölf Menschen getötet worden.

Am Donnerstag wurde ausserdem bekannt, dass Anis Amri in der Vergangenheit offenbar mehrfach Anschläge angekündigt hatte. Das berichtet der «Kölner Stadt-Anzeiger». So habe das Landeskriminalamt Düsseldorf im Frühjahr 2016 Berichte darüber erhalten, wonach der 24-Jährige andere Personen aufforderte, mit ihm gemeinsam Attentate in Deutschland zu begehen.

Nach dem Terroranschlag von Berlin konzentrieren sich die Ermittler ausserdem auf die Suche nach Mitwissern und Helfern des tunesischen Attentäters Anis Amri. Bilel A., ebenfalls Tunesier, wurde in Berlin festgenommen. Er gilt als enger Kontaktmann Amris und soll am Vorabend des Terroranschlags mit Amri in einem Restaurant in Berlin-Gesundbrunnen zu Abend gegessen haben. A. wird der radikalsalafistischen Szene zugeordnet. Der 26-Jährige ist nach Informationen von «Süddeutscher Zeitung», WDR und NDR nach dem Anschlag von den Behörden als «Gefährder» eingestuft worden.

A. wird verdächtigt, von Amris Plänen für den Anschlag gewusst zu haben. Sie sind alte Bekannte, beide Tunesier sollen 2015 gemeinsam aus Italien nach Deutschland eingereist sein. Die Anhaltspunkte reichten aber «derzeit nicht für einen dringenden Tatverdacht aus», sagte die Sprecherin der Bundesanwaltschaft, Frauke Köhler. Gegen den Mann war am Mittwoch Haftbefehl ergangen – allerdings nur wegen des Verdachts auf Betrug beim Bezug von Sozialleistungen.

2015 war Bilel A. schon einmal festgenommen worden. Der Sprecher der Berliner Staatsanwaltschaft, Martin Steltner, sagte der RBB-«Abendschau», gegen den Tunesier sei wegen einer schweren staatsgefährdenden Straftat ermittelt worden. Er habe damals gemeinsam mit zwei weiteren Männern im Verdacht gestanden, Sprengstoff für einen Anschlag in Düsseldorf besorgt zu haben. Dafür habe man jedoch keine Beweise gefunden. (Süddeutsche Zeitung)

Erstellt: 05.01.2017, 13:31 Uhr

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