Armselige Alternative

Nazikeule und Verbotsforderungen sind das falsche Mittel gegen die AFD. Deutschlands Demokraten sollten besser auf Argumente setzen.

Feedback

Tragen Sie mit Hinweisen zu diesem Artikel bei oder melden Sie uns Fehler.

Die Alternative für Deutschland (AFD) wendet sich rabiat gegen die Politik von Kanzlerin Angela Merkel und ihren menschlichen Umgang mit Flüchtlingen. Ihre Alternative ist fremdenfeindlich, ihre Forderung, die deutsche Grenze in eine uneinnehmbare Festung zu verwandeln, realitätsfremd und menschenverachtend. Aber ist eine Partei, die solches verlangt, deswegen auch gleich gefährlich für die Demokratie?

Mit der Forderung, auf Flüchtlinge an der Grenze notfalls zu schiessen, ging die AFD zuletzt einen ­widerlichen Schritt zu weit. Gestern krebste sie unter dem Eindruck allgemeiner Empörung zurück. ­Dennoch führt die aktuelle Hysterie in die Irre. Dass eine nationalistische, rechtspopulistische Partei mit rassistischen Untertönen ein vom Nazitrauma immer noch gezeichnetes Land nervös macht, ist zwar verständlich, aber gleichwohl unnötig. Deutschlands seit 60 Jahren erprobte Demokratie vermag die AFD zu verkraften. Die Partei mag zwar unappetitlich sein, aber sie steht bislang fest auf demokratischem Grund. Sie will politischen Einfluss, keine Revolution. Es ist vollkommen legitim, die Kanzlerin aufzufordern, von ihrer Willkommenspolitik abzukehren und die ­Grenzen zu schliessen, solange die Massnahmen die Gesetze und völkerrechtliche Pflichten respektieren.

Dafür, dass die AFD ihr demokratisches Recht ausübt, muss sie sich von ihren Gegnern weder mit der Nazikeule verprügeln noch von Verfassungsschützern als staats­gefährdend bespitzeln lassen. Demokraten, die der AFD entgegentreten wollen, sollen es mit Argumenten tun, sei es von links oder von rechts. Sie müssen zeigen, dass sie die besseren, menschlicheren, praktikableren Vorschläge für den Umgang mit der Flüchtlingsnot haben als die Fremdenfeinde. Selbstbewusst, ernsthaft und bestimmt sollen sie ihnen begegnen. Ihre allzu einfachen Lösungen als Illusionen entlarven. Und selber auf Populismen verzichten, weil die Nachahmung nur verstärkt, was sie zu bekämpfen vorgibt.

Die AFD will ein anderes Deutschland, darin ist die Partei ganz offen. Es wäre ein armseliges, kaltherziges Land, abgeschlossen und hässlich.

(Tages-Anzeiger)

Erstellt: 01.02.2016, 22:30 Uhr

Artikel zum Thema

Eine Partei radikalisiert sich

Analyse Die Alternative für Deutschland (AFD) ist von der Anti-Euro-Partei zur rabiaten Nichtwillkommenspartei geworden. Aber ist sie deshalb eine Gefahr für die Demokratie? Mehr...

Das Gesicht der Radikalen

Porträt AFD-Chefin Frauke Petry will auf Flüchtlinge schiessen lassen. Mehr...

Die Redaktion auf Twitter

Stets informiert und aktuell. Folgen Sie uns auf dem Kurznachrichtendienst.

Weiterbildung

Lohncheck in Pflegeberufen

Qualifiziertes Pflegepersonal ist rar. Eine Pflegeinitiative setzt sich darum für höhere Löhne ein.

Kommentare

Abo

Abo Digital - 26 CHF im Monat

Den Tages-Anzeiger unbeschränkt digital lesen, inkl. ePaper. Flexibel und jederzeit kündbar.
Jetzt abonnieren!

Die Welt in Bildern

Er braucht ein gutes Gleichgewicht: Ein Gaucho reitet in Uruguay ein Rodeo-Pferd. (17. April 2019)
(Bild: Andres Stapff) Mehr...