Assange verdient einen Prozess – einen fairen

Der Wikileaks-Mitgründer kann sich dem Recht nicht länger entziehen. Gut so.

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Julian Assange gilt den einen als digitaler Revolutionär, der das Licht der Aufklärung strahlend hell auf US-amerikanische Geheimdienstfinsterlinge gerichtet hat. Andere halten ihn für einen Kriminellen, der für eine ultraradikale Ideologie der Transparenz Menschen in Todesgefahr gebracht und sich zugunsten des eigenen Ruhms zum Gehilfen von Despoten gemacht hat. Für eine Frau in Schweden wiederum ist der bleiche Australier einfach der Mann, der sie vergewaltigt hat.

Assanges Verhaftung in London nach 2487 Tagen im selbst gewählten Asyl der ecuadorianischen Botschaft ist nicht der Angriff auf die «Freiheit von Whistleblowern» und der Presse insgesamt, wie Assanges Anhänger behaupten. Sie soll und muss der Auftakt sein zu fairen Rechtsverfahren, die das bisher mindestens zwielichtige Wirken des Hackers zumindest juristisch einwandfrei klären. Der Propagandist der totalen Transparenz kann nun Transparenz schaffen über sein eigenes Tun.

Bis zum Beweis des Gegenteils sind die Vergewaltigungsvorwürfe nicht einfach Auswüchse eines politischen Plots.

Als Mitgründer der Enthüllungsplattform Wikileaks verdient Assange Respekt dafür, problematische Geheimnisse ans Licht gebracht zu haben. Assange verstand sich dabei nicht nur als Hacker, sondern als Journalist. Bald wurde aber auch klar, dass er diese Rolle allzu einseitig auslegt: Die Verantwortung für die Auswirkungen seiner «Leaks» lehnt er ab, die Motive seiner Quellen sind ihm egal. Unklar blieb deshalb von Anfang an, ob seine «Enthüllungen» nicht eigentlich Manipulationen mächtiger Gegenspieler sind. Schwer wiegt der Vorwurf, mit der Veröffentlichungvon Hillary Clintons Mailverkehr zu gezielter Wahlmanipulation beigetragen zu haben.

Dazu kommen die Anschuldigungen gegen Assange, den Privatmann. Bis zum Beweis des Gegenteils sind die Vergewaltigungsvorwürfe nicht einfach Auswüchse eines politischen Plots. Das alles sollte nun nach allen Regeln der Rechtsprechung geklärt werden. Assange verdient gerechte Richter.

(Redaktion Tamedia)

Erstellt: 13.04.2019, 07:27 Uhr

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