Wohin mit Julian Assange?

Der Vater des Wikileak-Gründers fordert die Rückführung seines Sohnes nach Australien. Britische Abgeordnete sehen den Fall anders.

Die grosse Frage: Was passiert nun mit dem Wikileaks-Gründer? (Archiv)

Die grosse Frage: Was passiert nun mit dem Wikileaks-Gründer? (Archiv) Bild: Andy Rain /Keystone

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Der Vater von Julian Assange hat die australische Regierung aufgefordert, für eine Rückkehr seines Sohnes in sein Heimatland zu sorgen. Das australische Aussenministerium und Premierminister Scott Morrison sollten «etwas tun», sagte John Shipton der australischen Zeitung «Sunday Herald Sun».

Video: Was vor der Verhaftung von Julian Assange geschah

Die Chronik vor der Festnahme des Wikileak-Gründers in London. (Video: AFP, RT)

«Es kann ganz einfach zur Zufriedenheit aller gelöst werden», zeigte sich Shipton überzeugt. Es habe bereits Gespräche zwischen einem Senator und einem ranghohen Beamten des Aussenministeriums über eine Auslieferung seines Sohnes nach Australien gegeben. Premierminister Morrison hatte allerdings am Freitag erklärt, Assange könne nicht mit einer «speziellen Behandlung» seitens seines Heimatlandes rechnen.

Der Australier Assange war am Donnerstag nach sieben Jahren in der ecuadorianischen Botschaft in London festgenommen worden. Die Regierung von Ecuador hatte zuvor das politische Asyl für den 47-Jährigen aufgehoben, der wegen der Veröffentlichung geheimer US-Dokumente vielen in den USA als Staatsfeind gilt. Die USA fordern die Auslieferung Assanges.

Assange hat Vorwürfe aus Schweden stets bestritten

Britische Parlamentsabgeordnete forderten zuletzt eine Auslieferung des Wikileaks-Gründers nach Schweden, wo ihm eine Wiederaufnahme von Ermittlungen wegen Vergewaltigungsvorwürfen droht. Schweden müsse jegliche Unterstützung erhalten, sollten die dortigen Ermittlungen wegen Vergewaltigungsvorwürfen wieder aufgenommen werden, erklärten mehr als 70 Parlamentarier in einem Schreiben an den britischen Innenminister.

Bislang hat Schweden die Auslieferung des 47-Jährigen nicht beantragt. Die USA, die Assange wegen Verschwörung zum Angriff auf Regierungscomputer angeklagt haben, stellten dagegen ein Auslieferungsgesuch. Sollte Schweden ebenfalls ein Gesuch stellen, müsste nach britischem Gesetz der Innenminister entscheiden, welcher Antrag Vorrang hat.

Assange war im Jahr 2010 in Schweden von zwei Frauen wegen Vergewaltigung und sexuellen Missbrauchs angezeigt worden. Die Stockholmer Staatsanwaltschaft hatte die Ermittlungen 2017 zu den Akten gelegt, weil der in London im Botschaftsexil lebende Assange für sie nicht erreichbar war. Nach der Festnahme von Assange am Donnerstag forderte eine der beiden Klägerinnen die Wiederaufnahme des Verfahrens. Assange hat die Vorwürfe stets bestritten.

«Gerechtigkeit erfahren»

Die britischen Abgeordneten betonten, bei ihrer Forderung handle es sich nicht um eine «Vorverurteilung» des 47-Jährigen. Grossbritannien müsse aber deutlich machen, dass es die Verfolgung sexueller Straftaten ernst nehme. Die Klägerin in Schweden müsse «Gerechtigkeit erfahren».

Assanges Anwältin Jennifer Robinson sagte dem Sender Sky News am Sonntag, ihr Mandant sei zu einer Zusammenarbeit mit den schwedischen Ermittlungsbehörden bereit, sollte das Verfahren wieder aufgenommen werden. Wichtigstes Ziel sei es, eine Auslieferung an die USA zu verhindern.

In Grossbritannien droht Assange wegen Verstosses gegen Kautionsauflagen bis zu ein Jahr Haft. In den USA muss er im Zusammenhang mit dem Vorwurf der Verschwörung zum Angriff auf Regierungscomputer mit bis zu fünf Jahren Haft rechnen. Assanges Unterstützer fürchten aber weitere US-Anklagen wie Geheimnisverrat und damit womöglich die Todesstrafe.

Ecuador Ziel von Cyberattacken

Ecuadors Innenministerin María Paula Romo erklärte derweil, ihr Land sei in den vergangenen Tagen Ziel von Cyberattacken geworden. Am Samstag etwa war über Stunden auf der Internetseite der Gemeinde La Mana das Bild Assanges nach seiner Festnahme in London zu sehen.

Am Tag von Assanges Festnahme hatte die Innenministerin die Inhaftierung eines Mitarbeiters des Wikileaks-Gründers in Ecuador bekanntgegeben. Bei ihm handelt es sich um den 36-jährigen Schweden Ola Bini. Am Samstag wurde Bini in Ecuador wegen mutmasslicher Angriffe auf Computersysteme angeklagt.

(fal/sda)

Erstellt: 14.04.2019, 15:34 Uhr

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