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«Sollen wir die Boote denn versenken?»

Griechenland muss sich in der Flüchtlingskrise schwere Vorwürfe anhören. Ein Marineoffizier entgegnet, es gäbe nur eine Option, die Seegrenze zu schützen.

Athen respektiert internationales Recht: Flüchtlinge im Schlauchboot vor der Insel Lesbos. (7. September 2016)
Athen respektiert internationales Recht: Flüchtlinge im Schlauchboot vor der Insel Lesbos. (7. September 2016)
Selcuk Bulent, Keystone

Griechenland soll seine Seegrenze schützen und weniger Flüchtlinge nach Europa lassen, fordern mehrere EU-Staaten. Man versuche die Seegrenze zur Türkei gemeinsam mit der europäischen Grenzagentur Frontex zu kontrollieren, teilte das Aussenministerium in Athen am Montag mit. Eine Verletzung des internationalen Rechts lehnt Griechenland ab.

Gewaltsame Methoden zum Stopp des Flüchtlingsstroms gebe es nicht. Dies werde der stellvertretende Aussenminister Nikos Xydakis in Österreich, der Slowakei und Ungarn erklären. Noch am Montag sollte Xydakis in Wien eintreffen.

Griechische Marine empört

Österreichs Innenministerin Johanna Mikl-Leitner hatte die Griechen zuvor aufgefordert, die Grenzen des Landes besser zu schützen. Solle man doch einfach die Marine losschicken, immerhin eine der «grössten Europas», schrieb der «Spiegel online».

Als einen «Haufen Blödsinn» bezeichnete ein griechischer Marineoffizier die Aussage von Mikl-Leitner. «Was sollen wir denn machen? Vielleicht die Boote versenken? Oder gleich in türkischen Gewässern operieren?» Aus Sicht der Marine gibt es genau eine Handlungsoption, wenn ein Flüchtlingsboot auf See gesichtet wird: Hilfe bei der sicheren Passage in den nächsten griechischen Hafen. Die Menschen zurück in türkisches Hoheitsgebiet zu zwingen, sei so gefährlich wie illegal.

Warnung vor neuen Spannungen aus alter Zeit

Die drei mitteleuropäischen Länder üben Druck auf Athen aus, seine Grenze robuster zu sichern. Anderenfalls könne die mazedonische Grenze völlig geschlossen werden, über die viele aus der Türkei über Griechenland kommende Migranten nach Mitteleuropa weiterreisen.

Mazedonien baut einen Zaun aus, um den Flüchtlingsstrom zu stoppen. Nach Athener Informationen sind an der Grenze auch Sicherheitsbeamte aus einigen mitteleuropäischen Staaten anwesend. Diplomaten warnten, die Präsenz fremder Polizisten an Grenzen zwischen Balkanstaaten könne alte Spannungen aus der Zeit des Zerfalls Jugoslawiens neu entzünden.

Hunderte Migranten in Ägäis gerettet

In der Ägäis wurden derweil am Wochenende 573 Migranten bei stürmischen Winden aus den Fluten gerettet. Dies teilte die griechische Küstenwache am Montag mit. Es sei «grosses Glück» gewesen, dass niemand ertrunken sei, sagte ein Offizier der Küstenwache der Nachrichtenagentur DPA am Montag.

Am Montagmorgen kamen in Piräus 530 neue Migranten aus den Inseln an. Die meisten von ihnen wollen nach Mitteleuropa weiterfahren.

Ein Registrierzentrum ist erstellt

Auf der Insel Kos und nahe Piräus und Thessaloniki dauerten die Proteste gegen den Bau von Registrierzentren («Hotspots») und Aufnahmelager an. Bei Thessaloniki blockieren Demonstranten die Zufahrt zu einer verlassenen Kaserne, in der ein Zentrum für 4000 Migranten entstehen soll.

Rechtsgerichtete Demonstranten aus Keratsini demonstrierten gegen den Bau eines Zentrums in der Region Piräus. Autonome organisierten eine Gegendemonstration, wie das Fernsehen zeigte.

Griechenland drückt nach monatelanger Verzögerungen beim Bau der Registrierzentren nun aufs Gas. Ein Hotspot auf Lesbos ist fertig. Vier weitere sollen bis Monatsende auf den Inseln Chios, Samos, Leros und Kos entstehen.

SDA/nag

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