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Auf der Krim entscheidet sich der Kampf um die Ukraine

Die ukrainische Krise verlagert sich von Kiew auf die Krim: Zehntausende Tataren demonstrieren dort gegen die Russland-Orientierung ihrer Region. Druck kommt indes indirekt auch aus Moskau.

ajk
Macht sich Sorgen um ethnische Russen in der Ukraine: Wladimir Putin in Moskau. (12. Dezember 2013)
Macht sich Sorgen um ethnische Russen in der Ukraine: Wladimir Putin in Moskau. (12. Dezember 2013)
AP Photo

Krim-Tataren haben in der Stadt Simferopol gegen den Einfluss Russlands im Süden der Ukraine demonstriert. Es kam zu Handgemengen mit pro-russischen Demonstranten, bei denen nach Angaben eines Arztes mindestens 20 Menschen verletzt wurden. Die örtliche Gesundheitsbehörde meldete, ein Mensch sei an Herzversagen gestorben. Inmitten der Krise nach dem von Russland offen missbilligten Umsturz ordnete Präsident Wladimir Putin überraschend ein grosses Militärmanöver im Zentrum und Westen Russlands an.

Rund 20'000 Krim-Tataren demonstrierten lautstark ihre Unterstützung für die neue politische Führung in Kiew. Sie schwenkten blaugelbe Fahnen und riefen: «Die Ukraine ist nicht Russland». Eine kleinere Gruppe pro-russischer Gegendemonstranten machte indessen Stimmung für eine engere Anbindung an Moskau. Politische Anführer beider Lager und Polizisten versuchten, zwischen den Fronten zu vermitteln.

Bedrohung gebannt

«Wir werden eine Entscheidung über das Schicksal unseres Landes nicht über unsere Köpfe hinweg zulassen», sagte Nuridin Sejtablajew, ein 54-jähriger Ingenieur. «Wir sind bereit, für die Ukraine und unsere europäische Zukunft zu kämpfen.» Nur wenige Meter entfernt schwenkte Anton Ljachow eine russische Flagge. «Nur Russland kann uns vor den Faschisten in Kiew und islamischen Radikalen auf der Krim beschützen», trompetete der 52-Jährige.

Das Regionalparlament vertagte wegen der Unruhen eine Krisensitzung. Die Tataren hatten befürchtet, dass die Abgeordneten über eine Abspaltung von der Ukraine abstimmen könnten. Diese Bedrohung sei nun gebannt, rief der Anführer der Tataren, Refat Tschubarow, der Menge zu. Die Krim-Tataren sind Muslime und haben sich aktiv an den Protesten gegen Ex-Präsident Viktor Janukowitsch beteiligt.

Militär in Alarmbereitschaft

Inmitten des Trubels ordnete Putin überraschend eine Übung der russischen Streitkräfte an. Mit dem Manöver solle die Gefechtsbereitschaft der Streitkräfte in Krisensituationen getestet werden, teilte Verteidigungsminister Sergej Schoigu bei einem Treffen ranghoher Militärs in Moskau mit. Putin habe die auf mehrere Tage angesetzte Übung am Mittwochnachmittag angeordnet.

Während der ersten zwei Tage werde das Militär in Alarmbereitschaft versetzt und einige Einheiten würden zu Schiessübungen herangezogen. Das eigentliche Manöver soll nach Schoigus Angaben am Freitag beginnen und vier Tage dauern. Auch Marineeinheiten in der Ostsee und die Luftwaffe sollen sich daran beteiligen.

Das Nachbarland Ukraine erwähnte der Minister nicht. Russland hat handfeste Interessen auf der Krim, denn in Sewastopol ist die russische Schwarzmeerflotte stationiert. Nato-Chef Anders Fogh Rasmussen erklärte in Brüssel in einer Art Warnung, er gehe von der Garantie aus, dass alle Länder die Souveränität, Unabhängigkeit und territoriale Integrität der Ukraine respektieren würden.

(sda/AP)

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